Feierſtun
Hedwig war zum erſten Male in ihrem Leben ent⸗ rüſtet durch die unzweideutige Hinweiſung auf Heinrichs Brief, und das ihr unterbreitete Verhältniß zu ihm, was ſie jetzt, nachdem ſein zarter Sinn, beſonders nach dem Scheiden Klara's, jede Andeutung auf ein anderes als gei⸗ ſtiges Zuſammengehen vermied, in tiefſter Seele verletzte, weil ihre treugehegteſten Empfindungen dadurch profanirt wurden. Ihre Augen blitzten und die Stimme bebte, als ſie erwiederte:„Frau Gräfin, Sie ſcheinen in der That ein ungewöhnliches Intereſſe an mir zu nehmen, ſonſt wür⸗ den Sie nicht heraus ſpionirt haben, daß ich heute einen Brief meines Jugendfreundes erhielt, den ich in der That
hingegen die Andeutung auf die plötzliche Abreiſe meines Onkels mit ſeiner jungen ſchönen Tochter betrifft, ſo weiß ich aus Erzählungen meiner treuen Budenberg, die meine Tante wie mich auferzogen, daß Tante Hildegard eine un⸗ überwindliche Abne: ug gegen den dreimal ſo alten Freier hegte. Wahrſcheinn. at dies meinen Oheim veranlaßt, ſeinen Aufenthalt zu. In, um unangenehme Beziehun⸗ gen mit der Familie So zu vermeiden.“
„Was iſt Ihnen, u theures Kind?“ frug der Fürſt, und ſtrich liebkoſend Hedwigs Scheitel; die Andeutung der Gräfin auf die zung ihrer Verwand⸗ ten um die ſchöne Hildegard, dere,*in Hedwig ver⸗ vollkommnet wieder auflebte, hatte ih a mächtiger als je zu dem reizenden Mädchen gezogen, de. Nähe ihn ſtets mit einem ſo füß geheimnißvollen Zauber u.. daß alle
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den. 1865.
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noch bei mir trage, da mich die unerwartete Ankunft Ihrer Nichte, Fräulein v. Wildegg, veranlaßte, denſelben zu mir zu ſtecken, um nicht vor einer mir fremd ſtehenden Perſon ein Ereigniß zu beſprechen, was mich allein betrifft. Nur die Worte, welche ich zu meinem geliebten Pflegekind ſprach, und welche das Fräulein gehört haben muß, konn⸗ ten ihr andeuten, von wem der Brief war, den ich übri⸗ gens hiermit Ew. Durchlaucht übergebe, da für Sie daſ⸗ ſelbe Intereſſe wie für mich die künſtleriſchen Schilderun⸗ gen deſſelben haben.“ Bei dieſen Worten zog Hedwig den Brief aus dem Buſen, wohin ſie ihn geborgen, und reichte ihn dem inzwiſchen hinzugetretenen Fürſten.„Was
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gendglücks wieder auflebten.„Sie ſcheinen ſchmerzlich be⸗ wegt zu ſein, und ich möchte doch, daß Sie, die uns wie ein heller Sonnenſtrahl umgibt, von Niemand betrübt werden.“
„Unſere geſtrenge Oberhofmeiſterin hat ein wenig Großinquiſitor geſpielt, und meine geliebte Hedwig durch Erwähnung von Todten, welche ihr lieb ſind, betrübt;“ nahm die Prinzeſſin ſtatt Hedwig das Wort.
„Durchlaucht wollen nicht glauben, daß es im Ent⸗ fernteſten in meine arscicht lag, Fräulein v. Stötterfeld zu kränken, ich we.—e das Geſpräch dieſe Wendung nahm,“ ſprach die Ooc. meiſterin merklich ver⸗ legen, und machte eine tiefe Verb’ ung vor dem Fürſten bei dieſen Worten.
„Ei, ei, liebe Steckitz, da lingt ziemlich proble⸗
lieblichen Bilder ſeines tiefbetrauerten entſchw nen Ju⸗
matiſch! Eine Dame, die wie
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die Bedeutung eines


