Teil eines Werkes 
Band 2
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Feierſtunden. 1865.

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wo ich dem Fürſten ſeitdem alljährlich begegne, da ich den begleitete, wobei er auf's Neue Fachſtudien machen wollte. Baron dorthin begleite. Ich zolle ihm die aufrichtigſte Wiedergeſehen hatten ſich Hedwig und Heinrich nicht. Als Bewunderung, und hauptſächlich wünſche ich deßhalb eine Letzterer vor ſeiner Abreiſe mit Frau und Kind einige tüchtige Vertretung meiner Intereſſen, weil ich den Wunſch Wochen nach X. kam, war Hedwig zwei Tage vorher mit des Barons, den Winter in einer größeren Stadt zu ver⸗ Frau Budenberg in ein nahegelegenes, meiſt von Frauen⸗ leben, mit meinem eigenen, mitunter in der Geſellſchaft des beſuchtes Bad gereist, wo ſie bis nach ſeiner Abreiſe blieb. geiſtvollen, gelehrten und kunſtſinnigen Fürſten zu ſein, Sie hatte ihm auf ſeinen Wunſch, nochmals mit ihr zu⸗ vereinen, und ſchon nächſten Winter nach B. über⸗ ſammenzutreffen, ſchriftlich geantwortet:Laſſen Sie uns ſiedeln will. nur ſo mit einander verkehren, wie wir es dürfen. Das

Dies wird zwar für die, welche dann die Nähe der geiſtige Zuſammengehen, der fortgeſetzte Gedankenaustauſch Frau Baronin entbehren müſſen, ein ſchwerer Verluſt ſein iſt unſer Theil, auf den wir uns um ſo eher beſchränken (bei dieſen Worten ſuchte Leonhard Kruſel ſeiner ſcharfen können, als er, für mich wenigſtens, eine unendlich reiche Stimme ein leiſes Beben, ſeinen liſtigen Augen einen weh- Quelle des reinſten Genuſſes bietet. Ich fürchte, das Herz müthigen Ausdruck zu geben), jedoch halte ich es für Pflicht iſt ein zu unzuverläſſiger Wächter der faſt unſichtbaren gegen Sie ſelbſt, wenn die gnädige Frau nach der aufrei⸗ Linie, welche wir nicht überſchreiten können, ohne uns ſelbſt benden, weil geiſtig nicht anregenden Geſchäftsthätigkeit, zu verlieren, deßhalb iſt es beſſer, wir führen es nicht in die Befriedigung höherer Intereſſen in geiſtesverwandten Verſuchung. Mir bleiben Ihre Gedanken, ein Theil von Kreiſen ſuchen. Ihnen ſelbſt, in Ihren Werken zurück, durch die Sie ſeit

Mit ſolcher Geſchicklichkeit legte Leonhard Kruſel ſeine vier Jahren ſo mächtig geſprochen, ſo große Ideen in rei⸗ Schlingen, um die Frau, welche, da ſie beim beſten Wil⸗ nen Formen feſtgehalten haben; zu ihnen will ich wandern, len in ihrer Umgebung Niemand fand, den ſie bewundern wenn Sie im Süden ſind, und ich weiß, daß Ihr Geiſt konnte, ihre Befriedigung darin ſuchte, ſich fürgroß zu mir dann nahe iſt. Gott gebe Ihrer Klara das Glück der halten, darin zu fangen. Seine Schmeichelei hatte nichts Geſundheit, und Sie werden, das weiß ich, der Guten Kriechendes, er ſtand aufgerichtet vor ihr, weil er ſehr gut durch verdoppelte liebevolle Fürſorge den Mangel dieſes wußte, daß, um ſeiner Bewunderung Werth zu verleihen, unſchätzbaren Gutes zu erſetzen ſuchen. Gott ſegne auch 1 er ſich nicht niedrig ſtellen, ſondern durchblicken laſſen durfte, Sie und Ihr Kind, was ich ſo gern an mein Herz ge⸗

11 er ſelbſt ſei ihr geiſtig ebenbürtig, da er ihre hervorragen⸗ drückt hätte, und ſtehe uns Beiden bei, in unſerem Han⸗ den Eigenſchaften erkannte. deln ſtets das Rechte zu finden.

Gütig ward er entlaſſen, und da er wieder im Wagen Man erkennt aus dieſen, wie nach ſtetem Kampfe ſaß, um der Heimath zuzueilen, ſagte er zu ſich:Bravo, aphoriſtiſch hervorgeſtoßenen Sätzen, daß Hedwig in den das hat ſich gut gemacht. Jetzt, da die vornehme Puppe vier Jahren, ſeit ſie Heinrich zum letzten Male ſah, in

in X. neunzehn Jahre und deßhalb majorenn iſt, hört der nerlich vollſtändig klar und reif wurde.

hübſche Nebenverdienſt, den die Verwaltung ihres Vermögens Hätte Heinrich die rothgeweinten Augen wie den abwarf, auf; der Vater iſt noch ſo rüſtig, daß ich wenig⸗ Schmerzenszug um ihren lieblichen Mund geſehen, als ſie 1 ſtens zehn Jahre auf das Syndikat warten könnte, woge⸗ ihm dieſe Zeilen ſchrieb, um den perſönlichen Abſchied zu gen mir die Adminiſtratorſtelle an baarem Gehalt ſchon verweigern, er würde nicht beim Durchleſen derſelben aus⸗ mehr als jenes einträgt, und ich müßte ſehr ungeſchickt gerufen haben:Ihr Herz iſt größer, aber auch ruhiger, wirthſchaften, wenn ſie nicht nebenbei noch einmal ſo viel als das meine. Dennoch fühlte er, wie recht und gut ſie abwürfe. Daß ich die eitle Närrin nicht durch das Doku⸗ daran that, eine nochmalige Zuſammenkunft abzulehnen, ment zwingen durfte, mir den Poſten zu übertragen, iſt denn die Sehnſucht nach ihr drohte oft alle Vernunftgründe unbezahlbar, denn dieſer köſtliche Fund eröffnet mir die umzuſtoßen, und daß ſie nicht geſtillt, ſondern durch das weiteſten Ausſichten, die ich nach des Barons Tod, welcher Wiederſehen nur mehr noch angefeuert werde, das fühlte er nicht lange mehr auf ſich wird warten laſſen, realiſtren in ruhigeren Momenten gleichfalls. Weib und Kind ent⸗ werde. Freilich habe ich dann ſtatt der ſchönen Hedwig, behrten ſeiner zärtlichſten Sorgfalt nicht; er war von einem 1 um deren Beſitz ich Manches hingegeben hätte, eine ältere peinigenden Dualismus verzehrt, denn während er Hedwig 4*½ Frau, die, wenn auch noch recht friſch und hübſch, doch in Geiſt und Herz verſchwiſtert, all' ſein Streben mit ihr im Vergleich mit der ſtolzen Puppe zu einem Nichts herab⸗ theilte, während allgemach der Wunſch ihres Beſitzes im⸗ ſinkt, aber ich habe dafür an ihr eine von mir abhängige mer glühender in ihm erwachte, ſehnte er ſich doch nach Sklavin, während Hedwig ſtets von oben herab auf mich vollendetem Tagewerk in ſein Haus, wo ihn Klara's ſanft⸗ geblickt haben würde. Unter ſolch' hochfliegenden Kombi⸗ freundliches Weſen, ihre anmuthig ſorgende Geſchäftigkeit, nationen verbrachte Leonhard die Zeit, bis er die alten wie das Lächeln ſeiner kleinen Hedwig empfing. Wäre ſeine 1 Thürme ſeiner Vaterſtadt erblickte, welche noch gerade ſo, Zeit nicht durch eine ſo anregende, Geiſt und Phantaſie wie vor achtundzwanzig Jahren ausſahen, als Heinrich beſchäftigende Wirkſamkeit erfüllt geweſen, dann würde er Wendler zum erſten Mal die Wände desKapitels an⸗ in ſeinem Haus wohl ſchmerzlich den Mangel an eingehen⸗ ſchrie. DasKapitel ſelbſt war gleichfalls in ſeiner ern⸗ dem Verſtändniß für ſein Streben vermißt haben. So aber ſten Schönheit noch unverändert, und ſo wie auf ſeinem fand er dies im ſchriftlichen Gedankenaustauſch mit Hed⸗

Dach ſich nur etwas Moos mehr angeſammelt, waren auch wig, wie in der Anerkennung des kunſtverſtändigen Fürſten die Scheitel der beiden Frauen bleicher geworden, welche Alfred, und genoß demnach den Frieden ſeiner freundlichen die ſchöne Herrin des Hauſes behüteten, ſie ſelbſt aber noch Häuslichkeit mit Behagen. Ein großes Leid hatte ihn Vor friſch und rüſtig geblieben. einem Jahr, als er den Prachtbau in B. eben vollenddt,

Frau Wendler hatte ein Enkeltöchterchen von drei Jah⸗ getroffen. Sein Schwiegervater war, nachdem er der Eit l⸗ 8* ren, die jetzt mit ihren Eltern nach dem Süden gereist weihung des Muſeums beigewohnt, und mit freudiger t war, wo ſich Klara ihrer immer mehr geſchwächten Ge⸗ Stolz den Sohn an ſein Herz gedrückt hatte, der in ſeinen

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ſundheit wegen aufhalten mußte, und Heinrich ſeine Gattin Geiſt aber in individuelleren Formen den Prachtbau auß A