Teil eines Werkes 
Band 2
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Fünftes Kapitel. Die Baronin v. Str. in Sachſen, eine ſtattliche Frau

von vierzig Jahren, deren Körperfülle die Elaſticität ihrer

Bewegungen nicht beeinträchtigte, und, durch ſehr vortheil⸗ hafte Toilette gehoben, ſie noch anmuthig und jünger, als ſie war, erſcheinen ließ, ſaß in einem mit rothem Sammt bezogenen Fauteuil, und unterhielt ſich mit einem jungen Manne, welcher in elegantem Viſitenanzug vor ihr ſtand. Ihre braunen Augen ruhten forſchend auf ſeinem Geſicht, als ſie ſprach:Warum wenden Sie ſich an mich mit Ihrem Anſtellungsgeſuch, und nicht an den Baron, wie dies Sitte iſt?

Weil ich weiß, daß Sie, gnädige Frau, mit kluger

und ſicherer Hand die Verwaltung Ihrer Beſitzungen lei⸗

ten, und es alſo für unerläßlich hielt, mich Ihrer Huld zu empfehlen.

Ein raſches Lächeln der Befriedigung, welches dem Beobachter nicht unbemerkt blieb, überflog einen Moment die Züge der Baronin, welche wirklich die thatſächliche Be⸗ herrſcherin des Vermögens ihres Gatten war, der neben der friſchen energiſchen Frau völlig zur Null herabſank. Sie hatte einſt ihre blühende Jugend an das Leben des entnerv⸗ ten jungen Greiſes gekettet, weil er reich und ſie ein zwar ſchönes, aber armes Mädchen war, die mit ihrem altade⸗ ligen Namen nicht den Vorzug jedes Bürgerkindes genoß, für ihren Unterhalt arbeiten zu können, deßhalb glaubte ſie Leib und Seele dem Roué opfern, dem Manne, welchen ſie verachtete, Treue am Altar ſchwören zu müſſen, um anſtändig verſorgt zu ſein.»Noblesse oblige.« Bald bemächtigte ſie ſich der Verwaltung ihrer erheiratheten Gü⸗ ter, um dem Unweſen betrügeriſcher Beamten, welches ſie durchſchaute, zu ſteuern; mit der Zeit fand ſie ein ſolches Vergnügen am Herrſchen, während ſie früher den reicheren Verwandten gehorchen mußte, daß ſie gern den Mann in den Kauf nahm, durch den ſie zu ihrer gegenwärtigen Stel⸗ lung gelangt, und welcher völlig unfähig war, die Pflich⸗ ten des Gebieters zu erfüllen. Sie ließ ihm ſeine Kraft⸗ brühen ſchmackhaft bereiten, alle Einreibungen und Medi⸗ kamente kommen und regelrecht anwenden, von deren Gebrauch er die Wiedererlangung ſeiner verſchleuderten Jugendkraft hoffte, lud allabendlich einige der höheren Be⸗ amten oder den Prediger ein, um ihm die Unterhaltung des Spielens zu verſchaffen, im Uebrigen jedoch war ſieder Baron. Deßhalb befriedigte ſie auch die Anerkennung ihrer Herrſchaft Seitens des jungen Mannes, der ſich zu der erledigten Güteradminiſtratorſtelle gemeldet hatte. Die⸗ ſer Poſten war wichtig genug und forderte die gewiſſenhaf⸗ teſte Redlichkeit, als daß er ſo ohne Weiteres ertheilt wer⸗ den konnte; die Baronin frug demnach weiter:Sie wol⸗ len alſo die Anwartſchaft auf das Amt eines Syndikus in X aufgeben der Adminiſtratur wegen, haben Sie auch er⸗ wogen, was es heißt, eine lebenslängliche Anſtellung einer vielleicht zeitweiſen zu opfern?

Ja, Frau Baronin, das that ich, und zwar aus folgenden Gründen: Erſtens und hauptſächlich macht es mich glücklich, einer Dame zu dienen, die ich ſo hoch über die Meszen Ihres Geſchlechts ſtelle, da ſie männlichen Ernſt mit ſiefſtem Verſtändniß vereint; zweitens kenne ich meinen

Pfliſchteifer, wenn es ſich darum handelt, einen übernom⸗ en Wirkungskreis auszufüllen, und hege ein ſo großes Brrauen zu der richtigen Einſicht und dem Scharfblick der

Baronin, daß ich gewiß bin, meines Amtes hier nicht

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Sie ſind ſehr zuverſichtlich, mein Herr, und ich nehme dies vor der Hand als ein Zeichen Ihrer Tüchtigkeit auf. Ich werde mit dem Baron über Ihr Anerbieten berathen, und erſuche Sie, ſich zu ſetzen, um hier meine Rückkehr aus des Barons Zimmern abzuwarten. Mit einer Hand⸗ bewegung deutete die Baronin bei dieſen Worten nach einem Seſſel und verließ das Zimmer.

Gehe nur, du albernes eingebildetes Weib, mur⸗ melte der junge Mann, welcher zurückblieb;ich denke, es wird nicht lange dauern, bis ich meine einträgliche Stel⸗ lung antrete, weil ich der Schwäche dieſer herrſchſüchtigen Thörin ſchmeicheln kann, und dann ſoll die Zeit kommen, wo wir unſere Rollen wechſeln. Das Weib iſt wirklich noch hübſch genug, um den Wunſch ihres geſicherten Be⸗ ſitzes, natürlich mit dem Vermögen, zu erregen, und ich denke, daß ich dazu in meinem köſtlichen Dokument ein Zaubermittel beſitze. Ein höhniſches Lächeln überflog da⸗ bei ſeine Züge, verſchwand aber bei der Rückkehr der Ba⸗ ronin augenblicklich, um ſeiner halb demüthig bewundernden, halb zuverſichtlichen Miene Platz zu machen.

Der Baron iſt wie gewöhnlich mit meinen Inten⸗ tionen einverſtanden, und will gleich mir Ihnen vier Wochen Zeit laſſen, die Geſchäfte kennen zu lernen, ehe wir zu der definitiven Feſtſtellung unſeres gegenſeitigen Verhältniſſes ſchreiten. Zwar ſind Sie wohl kaum dreißig Jahre und deßhalb ziemlich jung zur Uebernahme eines ſo großen Pflichtenkreiſes, jedoch ziehe ich andererſeits Ihre mehrjäh⸗ rige Uebung im Verwaltungsfach, auch die langjährige un⸗ beſcholtene Amtsführung Ihres Vaters in Betracht, und denke, daß eine volle friſche Kraft zur Durchführung der übernommenen Pflichten eine gute Acquiſition zu nennen iſt, ſagte die Baronin mit der gutmüthigen Selbſtgefäl⸗ ligkeit, welche ſtets zum Vorſchein kam, wenn ſie geſchäft⸗ liche Dispoſitionen traf.

Ich nehme die Probezeit, denn etwas Anderes iſt doch die vierwöchentliche Friſt zur Kenntnißnahme meiner Obliegenheiten nicht, gern an, da ich weiß, in welcher Weiſe ich dieſe ausführen werde. Dabei geſtatten Sie mir, gnädige Frau, Ihnen den innigſten Dank, nicht für die Uebertragung der durch Ihre Munificenz ſo reich dotirten Stelle allein, mehr für das mich ſo hoch ehrende Vertrauen auszuſprechen. Ich fühle mit hohem Glück, daß dem Scharfblick der Frau Baronin meine aufrichtige Bewunde⸗ rung der Eigenſchaften, welche einer Frau ſo ſelten eigen ſind, noch ſeltener aber mit ſolch' echt weiblicher Würde gepaart auftreten, nicht entgangen iſt. Ich ſtelle mich von dieſem Augenblick an unter Ihre Befehle, und bitte, über mich zu verfügen. Einige Hülfeleiſtungen bei den Anord⸗ nungen zum Empfange des Erbprinzen v. B. mit ſeiner jungen Gemahlin, ſowie des erlauchten Oheims des Prin⸗ zen, werden mich bis zum Antritt meines Amtes in mei⸗ ner Vaterſtadt feſthalten. Sobald Sie jedoch meine Dienſte befehlen, werde ich mich ſofort hierher begeben.

Die Baronin nahm ſichtlich befriedigt die etwas gro⸗ ben Weihrauchkörner auf, welche ihr der junge Mann, ihre Schwäche herausfindend, geſchickt zu ſtreuen wußte. Sie fand für gut, dieſelben als ſelbſtredend ruhig hinzunehmen, ohne darauf etwas zu erwiedern. Durch die letztere Be⸗ merkung angeregt, ſagte ſie: Ach ja, ich habe in den Hofnachrichten geleſen, daß das junge Paar und Seine Durchlaucht, der regierende Fürſt Alfred, X paſſiren werden, und dies intereſſirt mich beſonders Seiner Durchlaucht wegen, welchen kennen zu

⸗ſtig zu gehen.

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lernen ich vor fünf Jahren in Karlsbad die Ehre hatte,

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