294 Feierſtunden. 1 865.
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meiner Freundin bringen müßte.— Jetzt vermag ich nichts ja keine Minute Ruhe; und ſo glücklich ich auch bin, den mehr zu ſchreiben, als die ehrfurchtsvollſten Grüße an den Heinrich und die liebe Schwiegertochter zu ſehen, ich würde Herrn Baron, und an Hedwig die Bitte, mir auch ferner mich doch nicht wo anders als im„Kapitel“ heimiſch füh⸗ geſtatten zu wollen, daß ich ſie an meinem Streben Theil len; der Ehrenfried hat's auch immer geſagt, daß wir hier nehmen laſſen darf. hinein gehören.“
Heinrich. Mit derſelben Umſicht, wie beim Tode Chrenfrieds, leitete Frau Chriſtiane auch jetzt die Beerdigungsfeierlich⸗ keiten, wobei ſich Leonhard noch außerordentlich thätig er⸗ Viertes Kapitel. wies. Er triumphirte, als er den Tod des Barons er⸗
fuhr, den er ſelbſt auf die Idee gebracht, die Vormund⸗ „O ihr armen Kinder! Heinrich liebt die Hedwig; ſchaft über Hedwig ſeinem Vater zu übertragen. Noch mehr mit allen Faſern ſeines Herzens wurzelt er in ihr; ohne paßte es zu ſeinen Plänen, daß Heinrich verheirathet war, es ſelbſt zu wiſſen, iſt ſie es, deren Bild ihn überall hin wenn gleich er ihm die glänzende Parthie in tiefſter Seele begleitet. Die Dankbarkeit gegen ſeinen verehrten Lehrer, beneidete, und ihn um deßwillen noch mehr haßte. So auf⸗ die Freundſchaft für Klara und die Ueberraſchung des Au⸗ merkſam er auch Hedwig beobachtete, wenn Heinrichs er⸗ genblicks haben ihn zu einem Schritt getrieben, der meinem wähnt ward, was er möglichſt oft veranlaßte, ſo konnte er armen Kinde das Herz brach, und ihn ſelbſt unſäglich un⸗ doch nicht das leiſeſte Zeichen von etwas Anderem, als der glücklich machen muß, wenn er das zur herrlichen Jung⸗ freundſchaftlichſten Theilnahme entdecken. frau erblühte Kind einſt wieder ſieht, und ſie nicht die Hedwig war durch die Ueberzeugung von Heinrichs Kraft hat, ihr Herz zu beherrſchen.“ Liebe vollſtändig gereift. Wie ſie die Nachricht ſeiner Ver⸗ Frau Budenberg ſprach ihrer Gewohnheit nach dieſe mählung über ihre eigenen Gefühle aufklärte, ſchärfte auch Worte halblaut vor ſich hin; als ſie ſich nach Hedwig um- die Liebe ihren Blick für die Beſtrebungen Leonhards. Sie wandte, ſaß dieſe aufgerichtet, hatte die Hände gefaltet verſtand jetzt ſeine Blicke, vor denen ſich ihr jungfräuliches und aus ihren thränenumſchleierten Augen ſprach Frieden. Gefühl inſtinktartig zurückgezogen, ſie verriethen ihr nun „Du glaubſt alſo, Hanna, daß er nur mich liebt, und ſeine Abſicht, und ließen ſie auf ihrer Hut ſein. Entſchie⸗ die Klara aus Dankbarkeit heirathete? Ja, ja,“ fuhr ſie, den lehnte ſie die dringende Einladung, im Hauſe ihres ſich erhebend, fort, und nahm den Brief nochmals zur Vormunds zu leben, wo ſich ihr mehr Zerſtreuung biete, Hand,„ja hier, wo er mit mir von ſeinen Arbeiten ſpricht, ab, und ſprach zum erſten Male mit dem Stolz ihrer Ge⸗ wird er wieder, er ſelbſt, fröhlich und muthvoll. O du burt:„Ich danke Ihnen, Herr Kruſel, aber ich denke es lieber einziger Freund, durch Hedwig ſollſt du nicht leiden, zu halten, wie es in meiner Familie Sitte iſt, nämlich ich will mein Herz bezwingen, wenn ich dich einſt wieder⸗ mich den Beſtimmungen des Oberhauptes zu fügen, wel⸗ ſehe, und lebenslang die treue Gefährtin deines Denkens cher mir meinen Wohnſitz in dieſem Hauſe anweist.“ Alle und Strebens bleiben! Doch komm, Hanna, wir wollen Anerbietungen zu Zerſtreuungen, mit denen ihr Leonhard nun zu dem zweiten Todten gehen, den ich neben meiner im Laufe der nächſten Wochen nahte, wies ſie entſchieden Liebe begraben werde.“ Still und ruhig ſchritten die Bei⸗ ab, und da er ſeine Beſuche deſſen ungeachtet fortſetzte, den neben einander durch die Räume, welche ihnen heute ſagte ſie ihm eines Tages:„Ich bin zwar ziemlich uner⸗ noch größer erſchienen, da ſie ſo entſetzlich leer waren. fahren in den Forderungen des geſelligen Lebens, jedoch „Schlaf wohl, du guter lieber Vater!“ ſprach Hedwig will es mir dünken, als ſei es nicht in der Ordnung, daß leiſe, und drückte einen Kuß auf die kalte Stirne des Sie nach dem Tode meines guten Oheims ſo oft mein Todten. Darauf bat ſie die Begleiterin, ſie allein zu laſ⸗ Haus beſuchen.“
ſen, und dieſe ging zu ihrer Freundin, Heinrichs Mutter,„Aber mein theures Fräulein, mein Herz treibt mich um ihr den Tod des Barons mitzutheilen. unwiderſtehlich, mich nach Ihrem Ergehen zu erkundigen,
„Nun können Sie mich auch bald in die Erde betten gönnen Sie mir doch Ihren Anblick, von dem ich zehre, zu meinem CEhrenfried, nun habe ich nichts mehr zu thun bis ich wieder einmal des Glückes genieße, Sie zu ſehen. auf der Welt,“ ſprach die anhängliche Dienerin mit heißen Mein vormundſchaftliches Verhältniß gibt mir überdies die Thränen. Berechtigung zu ſolchen Beſuchen, und wenn Sie wüßten,
„Wendlerin, vergeſſen Sie denn unſere Hedwig, wie unabläſſig ich bemüht bin, für Ihr Wohl zu wirken, die unſerer Liebe jetzt doppelt bedarf, und Ihren Hein⸗ würden Sie die Tiefe meines Intereſſes an Ihrem Geſchick rich? frug die Budenberg vorwurfsvoll.„Ach Gott ja, ermeſſen können, und mir gewiß die wenigen Lichtblicke das arme liebe Fräulein, wie nimmt ſie's denn auf? gönnen, welche ich nur in Ihrer Nähe genieße.“
Kann ich nicht zu ihr, um ſie zu tröſten, oder ihr etwas Leonhard ſagte dies mit funkelnden begehrlichen Blicken Gutes anzuthun?“ und eindringlichem Ton, ſo daß Hedwig einen Schritt zurück⸗
„Nein, Wendlerin, ſie will allein ſein. Sie hat ein trat und mit ſtolz erhobenem Haupte antwortete:„Iſt dies ſtarkes Herz, das nicht auf der Oberfläche erſcheinen läßt, die Sprache, welche in Ihren Kreiſen einer Dame gegen⸗ was es im Innerſten bewegt, und das Unglück trägt ſie über gebräuchlich iſt, die Anſpruch auf Ihren Schutz hat, wie eine Chriſtin, in der die Lehren des Meſſias lebendig dann danke ich meinem Entſchluß, daß er mich den Auf⸗ geworden ſind,“ ſagte Frau Budenberg. enthalt in Ihrem Hauſe vermeiden ließ. Im Uebrigen,
„Und nun in all' dieſem Leid die Freude und Ueber⸗ mein Herr, iſt Ihr Vater mein Vormund, hat er etwas raſchung, denken Sie ſich, Frau Budenberg, der Heinrich hat die reiche, hochangeſehene einzige Tochter des Herrn kommen ſein, und in vier Jahren, wo ich nach meines, Baumeiſters geheirathet, und will mich in vier Wochen mit Oheims Wunſch majorenn werde, ſoll ſich gewiß Niemanht ſeiner jungen Frau nach B. holen, wo er das große fürſt⸗ der mir Dienſte geleiſtet, über Mangel an Erkenntlichkb
liche Haus baut; aber ich gehe nicht mit, nein! Unſer beklagen dürfen.“ Dabei drehte ſie ihm den Rücken, ze:
Fräulein kann ich doch jetzt nicht im Stiche laſſen, ich hätte ließ ihn, knirſchend vor Wuth, ſtehen. 62*
mit mir zu verhandeln, dann ſoll er mir jederzeit will⸗
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