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ſind ſie noch ziemlich feſt und bieten deutliche Umriſſe dar. Am beſten erhalten erſcheinen dieſe Erhöhungen im Allge⸗ meinen auf unbebauten Erdflächen oder in den Waldungen, während auf den Feldern die Cultur ſie geebnet und dem übrigen Ackerlande gleich gemacht hat, ſomit ihre Spur hier größtentheils vertilgt iſt. Zieht man aber in Gedan⸗ ken eine gerade Linie von dem Ende eines Waldes über die Felderfläche hin bis zum Anfang eines zweiten, wenn auch weit entfernten, ſo darf man, wenn man den Weg bis dorthin verfolgt, verſichert ſein, hier auf die Fortſetzung der durch die Felder unterbrochenen Linie zu ſtoßen. Wo⸗ her nun dieſe Erhöhungen? welche Bedeutung haben ſie, und welchen Zweck? Dieſe und ähnliche Fragen drängen ſich der Wißbegierde des Wanderers unwillkürlich auf; allein der darüber befragte Landmann bleibt entweder ſtumm, oder er kann dem Fragenden, neben einigen auffallend klingen⸗ den Namen, nur verworrene und unſichere Sagen mitthei⸗ len, auf welche wir unten zurückkommen werden. Kundigere dagegen werden den Wißbegierigen belehren: daß er an den Ueberreſten der großen römiſchen Grenzlinie oder Grenzwehr vorübergewandelt iſt! Denn nicht blos auf die genannten württembergiſchen Oberamts⸗ bezirke beſchränkt ſich dieſe Linie, ſondern ſie nimmt, von Regensburg bis nach Cöln a. R. ſich erſtreckend, eine Länge von 70— 75 geographiſchen Meilen ein. Durch das Kö⸗ nigreich Württemberg zieht ſie von Eck, Oberamts Ellwan⸗ gen, bis Lorch in einer Länge von 15 Stunden, und von da an, nordweſtlich ſich brechend, bis an die Landesgrenze bei Berlichingen 18 Stunden, demnach im Ganzen 33 Stunden, hin.— Indeſſen, dieſe Linie in ihrer gan⸗ zen Ausdehnung, mit den verſchiedenen Wechſeln ihrer Phy⸗ ſiognomie an den verſchiedenen Orten zu beſchreiben, liegt außerhalb unſeres Planes; wir betrachten unſere Aufgabe als gelöst, wenn wir die Reſultate theils eigener Anſchauung und Forſchung, theils der Unterſuchungen Anderer über dieſelbe, ſoweit ſie Württemberg berührt, unſern Leſern auf klare und deutliche Weiſe vor Augen gelegt haben werden.
Ehe die Römer die in dem Winkel zwiſchen Rhein und Donau gelegenen Gegenden in Beſitz nahmen, waren letztere im Beſitze der Markomannen. An der Spitze die⸗ ſes heroiſchen Volkes ſtand zur Zeit des Kaiſers Auguſtus Marbod, ein gewaltiger und unternehmender Mann. Dieſem konnte die Nachbarſchaft der Römer, die ihn im Oſten an der Donau, im Weſten am Rheine(wo ſie ſich immer mehr ausbreiteten und feſtſetzten), im Rücken und von vor⸗ nen bedrohten, nur unerwünſcht ſein. Dieſer gefährlichen Nachbarſchaft ſich zu entſchlagen und für die Ausführung ſeiner weitausſehenden Herrſcherplane einen geeigneten, min⸗ der eingeengten Boden zu gewinnen, führte Marbod ſeine Markomannen in das Innere von Deutſchland, wo er ein mächtiges, ſelbſt den Römern ernſte Beſorgniſſe einflößen⸗ des Reich gründete. Durch dieſen Abzug der Markoman⸗ nen ſtanden die Gegenden zunächſt am Rhein, und vor allen der ſüdweſtliche Winkel, von dem weitaus größten Theile ihrer bisherigen Bewohner verlaſſen da. Wie lange dieſelben in dieſem Zuſtande verblieben, darüber fehlen uns nähere Nachrichten; das iſt jedoch außer allem Zweifel, daß zu Ende des erſten Jahrhunderts unſerer Zeitrechnung nicht blos neue Bewohner in dem verlaſſenen Lande ſich ſeßhaft gemacht hatten, ſondern daß auch ſchon eine Grenzwehr er⸗ richtet war. Tacitus ſagt nämlich in ſeiner Germania: „Nicht möchte ich unter Germaniens Völker diejenigen rech⸗ nen welche die Zehentfluren bebauen, obgleich ſie jenſeits des Rheins und der Donau ſich niedergelaſſen. Jeder gal⸗
Feierſtunden. 1864.
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liſche Abentheurer, aus Noth unternehmend, hat ſich auf dieſem Boden angeſiedelt, und nun, nach gezogener Grenzwehr und nachdem die Beſatzungen vorgerückt, gilt jener Landſtrich als ein Buſen des Reichs und als Theil einer Provinz.“ Eingewanderte Gallier alſo traten nach Tacitus an die Stelle der weggezogenen Markomannen; indeß äußert ſich der große Geſchichtſchreiber über die Zeit, wann dieſes geſchehen, eben ſo wenig, als über den Zeit⸗ punkt der Errichtung der Grenzwehr und deren Ausdeh⸗ nung; doch möchte die Vermuthung, daß Einwanderung und Errichtung der Grenzwehr ſchon vor Tacitus' Zeit ſtattgefunden haben, nicht ganz von der Hand zu weiſen ſein. Da jedenfalls damals, als Tacitus ſeine Germania ſchrieb(98 n. Chr.) die Grenzwehr ſchon vorhanden war, ſo kann die Nachricht eines andern alten Geſchichtſchreibers: „Kaiſer Hadrian habe die Grenzmarken gegen die Barbaren, wo ſolche nicht durch Flüſſe vom römiſchen Reiche geſchie⸗ den waren, durch dicht verbundenes Pfahlwerk geſichert,“ nicht auf die Errichtung, ſondern höchſtens auf eine Ver⸗ ſtärkung und größere Ausdehnung unſeres Grenzwalls be⸗ zogen werden, vorausgeſetzt, jener Geſchichtſchreiber habe gerade dieſen Grenzwall im Auge gehabt, zu welcher An⸗ nahme aber durchaus keine Nöthigung vorhanden iſt, da auch in andern Ländern des römiſchen Weltreichs, z. B. in Dacien, Britannien, Nordafrika ꝛc., ſolche Grenzwehren errichtet wurden. Unſere Grenzwehr in ihrer ganzen Aus⸗ dehnung iſt weder das Werk einer Regierung, noch eines Menſchenalters; auch wurde nicht ununterbrochen und nach einem Plane(wogegen ſchon der verſchiedene Charakter der Linie von Kellheim bis Lorch und der von da an bis an den Rhein ſpricht) daran gearbeitet, wie eben die Noth oder Gelegenheit es mit ſich brachte. Urſprünglich galt es die Errichtung eines Schutzwalles für das Dekumaten⸗ oder Zehentland; bald dehnte ſich dieſer durch hie und da be⸗ feſtigte Punkte, welche dann mit einander in Verbindung geſetzt wurden, wie von ſelbſt und darum weniger ange⸗ fochten aus. Mehr Stärke und Ausdehnung mußte dem⸗ ſelben aber in dem Verhältniſſe gegeben werden, in welchem die Bevölkerung und der Wohlſtand des Zehentlandes wuchs, über das ſich im Laufe der Zeit nicht nur ein ausgedehntes Straßennetz verbreitete, ſondern in welchem auch blühende Städte und Wohnorte ſich erhoben und wo römiſche Cul⸗ tur und römiſches Leben immer mehr feſten Boden faßten. Je blühender aber der Zuſtand dieſes Theiles der Provinz wurde, um ſo mehr zog er die beutelüſternen Blicke der Germanen, namentlich der benachbarten Catten, auf ſich und veranlaßte dieſe zu wiederholten Einfällen, bei denen der Grenzwall immer den erſten Anlauf auszuhalten hatte, daher uns denn die römiſchen Geſchichtſchreiber mehr als einmal zu berichten wiſſen, die Feinde haben ſich nach Durchbrechung der Grenzwehr über die römiſchen Beſitzun⸗ gen ergoſſen. Dieſes war beſonders häufig der Fall, nach⸗ dem der Bund der Allemannen ſich gebildet hatte, welche vom Main her immer weiter gegen Süden vorzudringen ſuchten. Wie oft und viel mag damals an und auf dem Walle gekämpft worden ſein, bis die Adler Roms der ger⸗ maniſchen Kraft erlagen! Und dennoch, als das Zehent⸗ land ſchon in den Beſitz der Allemannen übergegangen war, nahmen jene noch einmal ihren Flug in dieſe Gegenden unter Probus(276— 282 n. Chr.). Von dieſem Kaiſer leſen wir bei dem römiſchen Geſchichtſchreiber Vopiscus, er habe, nachdem er den Deutſchen ſchwere Niederlagen beigebracht und ihre Ueberreſte über den Neckar und die Alp getrieben, im Barbarenlande, d. h. in unſeren Gegen⸗
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