Feierſtun
——ò;——:O———;
vorzugsweiſe gute Soldaten, und zeigen in ihren Sitten ſchon einen ſtarken Anſtrich provenzaliſcher Rauhheit. Die Kultur des Bodens iſt an den meiſten Orten nicht ſehr lohnend; ergiebiger iſt der Garten⸗, Obſt⸗ und Weinbau. Berühmt ſind die Melonen von Romans. Mandel⸗ und Oelbäume ſieht man im Rhonethale, wo auch viel Nußöl gewonnen wird. Maulbeerbäume fördern die Seidenzucht, die hier eifrig betrieben wird und jährlich an 3000 Centner Seide liefert. Der Weinbau iſt bedeutend im Rhonethale, beſonders bei Die, Nyons und Tain. Die Pferde⸗ und Rindviehzucht iſt nur gering, um ſo größer die Schafzucht. Die Induſtrie der Bewohner beſchränkt ſich auf grobe Wollenzeuge, Seiden⸗ und Wollenſtrumpfweberei und Seifen⸗ fabrikation.— Die wichtigſte Stadt des Departements iſt Valence, auf einem Hügel am Rhoneufer, die gut gebaut, außer der Kathedrale mit dem Denkmale des hier geſtorbe⸗ nen Papſtes Pius VI., dem ſogenannten Regierungsgebäude und dem Palaſte des Biſchofs keine Merkwürdigkeit ent⸗ hält, deren betriebſame, an 12,000 Seelen zählende Bevöl⸗ kerung aber verſchiedene Seiden⸗ und Wollfabriken unter⸗ hält und anſehnlichen Weinhandel betreibt. In der Nähe, in der Gemeinde Peyrus, ſind die berühmten Grotten des Pialoux, mit herrlichen Stalaktiten, die in zwei Stunden zu durchwandern ſind. Nördlich von der Iſéremündung, unweit Valence, liegt der Marktflecken Tain am Fuße eines Granithügels, auf welchem der berühmte Hermitage⸗ wein, der Cöte⸗rôtin(brune und blonde), gewonnen wird, und von welchem aus man die herrlichſten Ausſichten auf den Lauf des Rhone und der Iſeére, auf die Alpen und die pittoresken Landſchaften von Lionnais und Vivarais hat.— Die, das alte Dea Vocontiorum, in einem an⸗ genehmen Thale am rechten Ufer der Drôme, mit etwa 4000 Einwohnern, iſt berühmt durch ſeinen ausgezeichneten Muskat⸗ und Clairet⸗Wein und zahlreiche römiſche Alter⸗ thümer, und die unweit des Rhone, am Einfluß des Abron in den Roubion, inmitten einer reichen und üppigen Vege⸗ tation von Wieſen, Saatfeldern, Obſt⸗, Wein⸗, Oliven⸗ und Maulbeerpflanzungen liegende Bezirkshauptſtadt Mon⸗ télimart, die über 11,000 Bewohner hat, welche Seiden⸗, Leder⸗ und Wollfabriken unterhalten und anſehnlichen Wein⸗ handel betreiben, iſt hiſtoriſch merkwürdig als die erſte Stadt, in welcher die reformirte Lehre in Frankreich Ein⸗ gang gefunden und ſich bis zum heutigen Tage erhalten hat.
Das Departement der Ober⸗Alpen, im Oſten des vorigen, iſt das ärmſte und volksleerſte Departement des Landes und zugleich das höchſte Gebirgsland Frank⸗ reichs, in welchem Alpennatur, Alpenklima und Alpen⸗ wirthſchaft herrſchen. Die Cottiſchen Alpen haben hier ihren Hauptſtock; man trifft hier die erhabenſten Natur⸗
ſcenen wie in der Schweiz an: Gletſcher, Schneefelder, über die Wolken ſich erhebende Piks, nackte Felſen, tiefe Schluchten mit reißenden und tobenden Bergſtrömen, ſchäu⸗ mende Waſſerfälle, lachende weite und düſtere enge Thäler in der mannigfaltigſten Abwechslung und angenehmſten Miſchung. Gegen Italien zu erheben ſich die Alpen bis zu 12,000 Fuß. Die ſüdlichen Abhänge ſind meiſt kahl
*
den. 1864. 299
und dürr, die nördlichen bis zur Schneelinie mit Wald be⸗ deckt. Eine Maſſe von Bergen, die eine Höhe von 9000 bis 13,000 Fuß und darüber erreichen, ragen mit ihren Hörnern und Spitzen in dieſem Departement empor, ſo der Mont Pelvoux de Vallouiſe im Girondethale, der Olan, der Saint Firmin, der Goleon de la Grave, der Chaliol le Vieux, der Aiguille noire de Nevache, der Mont Viſo de Riſtolas, der Chabières ꝛc. Die Vorberge dieſer Höhen⸗ maſſen ſind gut bewaldet und beweidet. Die Gebirgsketten ſind durch Cols(Päſſe) verbunden, von denen der 6000 Fuß hohe Col du Mont Gendvre nach Turin, der Col de Lantaret von Briancçon nach Grenoble führt. Zwei volle Drittel der Oberfläche des Landes ſind Berge, das Uebrige Thalgründe. Die intereſſanteſten Thäler ſind das 14 Meilen lange Durancethal mit 18 Nebenthälern; das wildromantiſche, 6 Meilen lange Thal der Guill, über welche, nahe bei Mont Dauphin(ſiehe Bild auf Seite 296), eine Brücke führt, mit 9 Nebenthälern; das Buech⸗ thal mit 13 Nebenthälern; das kleine Thal der Augues mit 2, das 5 Meilen lange Dracthal mit 6 Nebenthä⸗ lern, und das Romanche⸗ oder Gravethal. Zahlloſe Flüſſe und kleine Gewäſſer, die zur Zeit der Schneeſchmelze ſehr verheerend und furchtbar ſind, durchſtrömen Thäler und Schluchten. Der Hauptſtrom des Landes iſt. die Du⸗ rance, die aus 2 Quellbächen auf dem Mont Genèévre und Col du Goudran entſpringt und nach reißendem Laufe ſich mit dem Buech, bei Mont Dauphin mit der vom Mont Viſo herabkommenden Guill, und bei la Vacchette mit der Clairette vereinigt. Der Drac und die Ro⸗ manche ſtrömen der Iſère zu. Von den zahlreichen Berg⸗ ſeen(36) ſind der See von Orcier, aus dem der Drac kommt, und der Lauzan, auf dem Olan, in 6400 Fuß Höhe, beſonders zu bemerken.— Das Klima beurkundet die Alpennatur. Stürme, Nachtfröſte und Hagel ſind häufig. Gefürchtet iſt er Bombard(Oſtwind). Die Bewohner der Ober⸗Alpen ſind meiſt ein armer, gutmüthiger, treu⸗ herziger, gaſtfreier und arbeitſamer, heiterer Menſchenſchlag, der in Künſten und Wiſſenſchaften noch weit zurück iſt und hart für ſeinen Unterhalt zu ſchaffen hat, weshalb auch jährlich gegen Ende Herbſt oft 5— 6000 Bewohner der hohen Alpen, beſonders aus dem Thale von Briancon, auf 5 Monate als Arbeiter aller Art nach dem übrigen Frank⸗ reich auswandern, um Verdienſt zu ſuchen. Der Landbau iſt unbedeutend, der Boden nur im Süden etwas frucht⸗ bar. Die Berge haben gute Weiden; Rinder werden nur wenige gehalten; bedeutend dagegen iſt die Schafzucht, und Mauleſel und Eſel werden in Menge gezogen. Wein wird ziemlich viel gewonnen, und ſehr ergiebig ſind die Nuß⸗ bäume, die in allen Thälern in großer Menge angepflanzt ſind. In den Hochgebirgen findet man noch ziemlich zahl⸗ reich Bären, Wölfe, Füchſe, Gemſen, Murmelthiere und
Adler, und viele der Bergbewohner betreiben die Jagd als
Nebenbeſchäftigung. Von den ſämmtlich kleinen Städten des Departements verdienen nur Gap, Briancon und Mont⸗Dauphin erwähnt zu werden.
giov. Francesco Barbieri, genannt guercino da Cento,
geb. 1590 zu Cento, geſt. 1666 zu Bologna, erhielt ſeinen erſten Unterricht in der Malerei bei Benedetto Genari und bildete ſich ſpäter auf Reiſen, namentlich während
. A
eines längeren Aufenthalts in Bologna, Venedig und Rom,
zu einem trefflichen, ſeiner Zeit viel gerühmten Meiſter aus, der, einerſeits der Richtung der Carracci'ſchen Schul
38*.
7 — 1 1 2


