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Ohne einen Blick auf das Gold zu richten, begann Simon ſich hinter den Ohren zu kratzen.
„Du zauderſt?“ rief der Obriſt entrüſtet.„Alſo ver⸗
mögen der edle Patriotismus, die unterdrückte Menſchheit und die heilige Freiheit, der die Perſon des Kapitäns ge⸗ opfert werden ſoll, nichts über deine elende Feigheit?“ Simon ſchüttelte den Kopf und erwiederte: „Ew. Gnaden werden wiſſen, daß ich ſchon einmal einen Mann in meinem Hauſe verborgen habe, der auch die heilige Sache des Vaterlandes anrief. Ich that es und mußte dafür leiden. Das Sprüchwort ſagt, man ſolle nicht an der Hütte des Hundes vorbeigehen, von dem man bereits gebiſſen worden iſt.“
Feierſtunden. 1864.
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„Beleidige den Kapitän nicht durch deine Vergleichun⸗ gen; er iſt ein ergebener Diener der großen Sache der be⸗ leidigten Menſchheit.“
als plötzlich Fornarina mit aufgelösten Haaren und in Thränen ſchwimmend in das Zimmer ſtürzte und ſich ihm mit einer tragiſchen Gebärde zu Füßen warf.(Siehe Bild auf S. 293.)
„Ihr wollet einen von den Sbirren verfolgten Hel⸗ den nicht retten?“ rief ſie mit krampfhaftem Schluchzen. „O braver Simon, erbarmet Euch unſer!“
Nach dieſen Worten ſank ſie erſchöpft zu Boden.
(Schluß auf S. 313.)
Grenoble, das alte Gratianopolis, eine wichtige Feſtung mit doppelter Umſchließung(enceinté), iſt in einer prachtvollen, von Bächen bewäſſerten und von Bäumen beſchatteten Ebene des reizenden Iſorethals gelegen, die rings von bizarr geformten Bergen umgeben iſt, die von oben nach unten mit Waldungen, Weiden und Reben be⸗ deckt, entzückende Ausſichten auf die Alpen, beſonders auf den Montblanc gewähren. Die ſchöne Stadt, welche als der Geburtsort Vaucanſons und des Ritters Bayard bekannt iſt, welch' letzterer in der Andreaskirche begraben liegt, zählt gegen 3000 Häuſer, unter denen viele herrliche alte öffentliche Bauwerke und Paläſte, zahlreiche Bildungs⸗ inſtitute, und an 33,000 Einwohner, die anſehnliche Leder⸗ und Tuchfabriken unterhalten und bedeutenden Handel mit — Handſchuhen und Liqueuren betreiben. Die ſchiffbare Iſere, die unfern der Stadt den reißenden Drac aufnimmt, theilt die Stadt in zwei ungleiche Hälften, deren kleinere, auf dem rechten Ufer, St. Laurent oder la Perrisre, die größere, auf dem linken Ufer gelegene, welche ſchöne, breite Straßen hat, Bonne genannt wird. Beide werden durch zwei Brücken mit einander verbunden. Auf ihrem Laufe durch die Stadt bildet die Iſère mehrere grüne und beſchat⸗ tete Inſelchen.— Im Norden von Grenoble liegt la Grande Chartreuſe, die große Karthauſe, ein berühm— tes Kloſter von prachtvollem Bau, aus welchem der Kar⸗ thäuſer⸗Orden hervorging. Im Jahre 1084 vom heiligen Bruno geſtiftet, erhielt es ſeinen Namen nach dem Dorfe Chartrouſe, das im Thale nahe der Einſiedelei Bruno's lag. Das Hinaufklimmen zwiſchen den ſteilen himmelhohen Felſen und wüthenden Gießbächen iſt im Frühjahre außer⸗ ordentlich beſchwerlich und gefährlich; oberhalb derſelben gewahrt man, aus einem dichten Fichtenwalde tretend, in der Buchenregion zwiſchen Wieſen und Wäldern, am Fuße des mächtigen Mont Granſon, das großartige und weit⸗ läufige, würdige Bauwerk, in deſſen großem Saale ſich bis zur franzöſiſchen Revolution jährlich das Generalkapitel des Karthäuſerordens verſammelte, unter welchem damals in den verſchiedenen Ländern Europa's 168 Karthäuſer⸗ mönchs⸗ und 6 Karthäuſernonnenklöſter ſtanden. Außer dem ſchönen Kapitelſaale enthält das Kloſter 45 Zellen. In der Nähe, kaum eine Viertelſtunde entfernt, in ſchauer⸗ lich wilder Gegend, ſteht die in eine Kapelle umgewandelte Eiiſiedelei des heiligen Bruno.—
Vienne, die alte Hauptſtadt der Allobroger, und ſchon
Käſars Zeiten berühmt, im fünften Jahrhundert Haupt⸗
Pilder aus dem Dauphiné.
(Hiezu die Abbildung auf Seite 296.)
ſtadt der Burgunden, reich an Reſten römiſcher Tempel, Theater, Amphitheater, Triumphbögen, Waſſerleitungen ꝛc., liegt am Einfluſſe des Gère in den Rhone, amphitheatra⸗ liſch um einen mit Reben bepflanzten Berg. Die Stadt, die ſich neuerer Zeit mit jedem Jahre verſchönert und längs dem Rhone einen neuen ſchönen Quai mit großartigen mo⸗ dernen Häuſern hat, nach-welchem die engen Straßen bergab laufen, gehört zu den älteſten in Frankreich, und ſoll, nach einer alten, freilich unverbürgten Ueberlieferung, der Ver⸗ bannungsort des Pontius Pilatus geweſen ſein, der hier ſein Leben durch Selbſtmord geendet habe. Das Chriſtenthum hatte hier zeitig Wurzel gefaßt, und unter Marc Aurel (161— 180 n. Chr.) war die Chriſtenverfolgung nirgends ſo heftig, wie hier in Vienne und dem benachbarten Lyon. Hiſtoriſch merkwürdig iſt die Stadt, deren 15,000 Seelen zählende induſtriöſe Bevölkerung zahlreiche Tuch⸗ und Woll⸗ zeugfabriken, Seidenſpinnereien, Gerbereien, Mahl⸗ und Walkmühlen, Stahl- und Kupferhämmer unterhält, durch die Kirchenverſammlung von 1311 und 1312, auf welcher, auf Veranlaſſung Philipps des Schönen, die Aufhebung und Verdammung des Tempelherrenordens von dem Papſte Cle⸗ mens V. ausgeſprochen wurde.— 1 Das Departement der Drome, im Süden des Departements der Iſére und bei weitem kleiner als dieſes, iſt ein von der Drôme, der untern Iſèére, der obern Aigues und dem Rhone bewäſſertes Gebirgsland voller Thäler, die oft einen ſehr eingeengten Ausgang und einen von Natur trockenen und dürren Boden haben. Der Rhone bildet die Weſtgrenze des Departements, empfängt die obengenann⸗ ten Ströme und eine Menge kleinerer Gewäſſer aus ihm, und ſcheidet daſſelbe von Ardèche. Die Iſère mündet bei Valence; die Drôme, die ſehr felſig iſt, das Land oft überſchwemmt und mit Sand bedeckt, entſpringt 5 Stun⸗ den ſüdöſtlich von Die, bei la Baſtie des Fonts, bildet anfänglich zwei Seen und mündet bei Livron. Am Rhone, deſſen Ebenen ſich durch dazwiſchen tretende Berge in meh⸗ rere Bafſins theilen, herrſcht ſüdliches Klima und die Orange gedeiht zum Theil unter freiem Himmel; im öſt⸗ lichen Theile des Landes, in welchem die Ausläufer der cottiſchen Alpen bis 4500 Fuß aufſteigen, iſt die Luft käl⸗ ter, aber heiter, rein und geſund. Im Norden, oberhalb Valence, weht vorherrſchend der Miſtral(Nordweſtwind), bei Nyons, im Süden der Pontias, dieſem entgegen der Véſine. nördlichen Dauphiné, ſind aber ſtärker und reizbarer
Simon machte einige Schritte, um ſich zu entfernen,
Die Bewohner des Landes gleichen denen des
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vorzugswei ſchon eine Kultur der lohnend;“ Berühmt Oelbäume gewonnen die hier eif Sedde liefe beſonders b Rindviehzu Die Indu Wollenzeue ſovrcador Valence außer der nen Papſt und dem hält, deren kerung abe füält und o in der Gem Pialoux, zu durchw unweit Va eines Gra⸗ wein, der und von den Lauf die pittor hat.— genehmen 4000 Ein! Muskat⸗! thümer, u. in den Re⸗ tation von und Mau télimar. Leder⸗ und handel bet Stadt„ in ung gefur


