Teil eines Werkes 
Band 1
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Tochter, der Gewohnheit, hatte der Baum dennoch endlich wieder neue Wurzeln geſchlagen. Bewäſſert vom Schweiße der Arbeit, war er wieder grün geworden und hatte ſogar einige Blüthen getrieben. Mit einem Worte, Zufriedenheit herrſchte wieder in Simons Hauſe. Sehr mitwirkend war dabei der Umſtand geweſen, daß der Fuhrmann Nicolas eine kleine Erbſchaft gemacht und ſich beeilt hatte, dem armen Simon das Geld für den todten Ochſen zu erſtat⸗ ten, wodurch Letzterer in den Stand geſetzt worden war, Papalina für den doppelten Preis deſſen zurückzukaufen, was er vom Amtsſchreiber dafür erhalten hatte. Er konnte jetzt wieder ſeinen früheren Erwerbszweig betreiben, und Papalina drückte ihre Freude darüber, daß ſie ſich wieder an der Seite ihres alten Herrn befand, auf die lebhafteſte, wenn gleich nicht auf die wohlklingendſte Weiſe aus. Die

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alte Großmutter begoß wieder die Blumen, fütterte die Vögel, ſpann und betete, und Agueda ſchmückte ſich wie früher mit Nelken und ſang. Ihre Liebe zu Julian, unter dem Zeichen einer Nelke erwacht, war im Schatten des Ge⸗ heimniſſes gewachſen; denn Beide wußten, daß ihre Väter,

Feierſtunden. 1864.

Wir denken an nichts, als an unſere Liebe, Groß⸗ mutter, erwiederte das Mädchen.

Wohin ſoll das führen, meine Tochter? Habt Ihr noch gar nicht an die Zukunft gedacht?

Wir denken nur an die Gegenwart, liebe Groß⸗ mutter.

Ich ſehe es wohl; die Jugend überlegt nicht. Siehſt du denn nicht, daß du dir mehr Thränen bereiteſt, als das Meer Perlen hat?

VWenn ich doch einmal weinen muß, gute Großmut⸗

ter, ſo iſt es, je ſpäter, deſto beſſer.

Nun, ſo geſchehe Gottes Wille! ſagte die alte Frau

ſeufzend.

Der wird auch ganz gewiß geſchehen; nicht aber das,

was der Alcalde will, verſetzte Agueda.Um glücklich zu ſein, muß man ſchöne

Hoffnungen hegen!

In dieſer Zeit geſchah es, daß die Einwohner von Gelves Mund und Naſe er⸗ ſtaunt aufſperrten, weil eines Tages, als man es am we⸗ nigſten erwartete, das große, einſame Schloß Lebenszeichen von ſich gab. Die Fenſter und Läden öffneten ſich wie erwachende Augen, die große Pforte that ſich auf wie ein gähnender Mund, und wohn⸗ liche Reinlichkeit mit ihrem weißen, fleckenloſen Gewande und zahlreichen, aus Beſen, Bürſten und Seife beſtehen⸗ den Hülfstruppen, nahm von den verlaſſenen Räumen Beſitz.

Vor dieſer feindlichen Armee entflohen die Keller⸗ würmer, wurden aber von den Beſen eingeholt und er⸗ litten eine ſchreckliche Nieder⸗ lage; die Spinnen ſetzten ihre langen Beine in Bewe⸗ gung und verließen die ſtillen Winkel und hre feinen Netze, die Fledermäuſe, wüthend über den hellen Glanz der Fackeln und Lampen, flüchteten ſich in den Kirchthurm und nahmen die Gaſtfreundſchan der.e in Anſpruch, welche ſie nur ſehr mürriſch empfing, die Mäuſe flohen vor dem Lärm, und der Staub, genöthigt, ſein hundertjähriges

der eine aus Stolz und der andere aus Ehrgefühl, nie die Lager aufzuheben, entſchwebte mit einem Sonnenſtrahle durch

Einwilligung zu ihrer Verbindung geben würden. Alcalde wollte ſeinen Sohn mit der Tochter eines reichen

Der das offene Fenſter.

Was mag nur im Schloſſe vorgehen? fragten ſich

Gutsbeſitzers in Puebla verheirathen, und hegte uverdies neugierig die Leute im Dorfe;kommt vielleicht die In⸗

gegen Simon Verde jenen Groll, den ein böſer Menſch fantin?

immer gegen ſein Opfer empfindet. Dieſer Haß iſt viel

Gegen Abend langte auf dem Fluſſe ein Boot an,

tiefer und dauernder als der des Gekränkten, wofür der welches verſchiedene Effekten und Möbel, ſowie einen Herrn Umſtand einen genügenden Beweis liefert, daß Simon in und eine Dame brachte.

ſeinem vortrefflichen Herzen durchaus keinen Groll gegen ſeinen Verfolger hegte.

Der Herr war ungefähr vierzig Jahre alt, groß und

ſtark, trug einen breiten ungariſchen Hut und einen bunt⸗ Das Liebesverhältniß der Beiden war jedoch der guten farbigen Mantel von ſehr originellem Schnitte.

Er hatte

alten Großmutter nicht entgangen, welche zu ihrer Enkelin den Blick eines römiſchen Kaiſers und den Gang eines

ſagte:

germaniſchen Eroberers, Agueda, mein Kind, haſt du reiflich überlegt?

hielt eine rieſige Cigarre unter

einem ſtarken Schnurrbart, ſprach ſehr laut, nannte