Teil eines Werkes 
Band 1
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er ſich, nachdem er geſchellt hatte, vor das Kamin und warf einen prüfenden Blick auf ſie. Zu meinem Erſtaunen ſchien er vom erſten Augenblicke an hauptſächlich für Drummle, oder vielmehr nur für ihn, Intereſſe zu nehmen.

Pip, ſagte er, ſeine große Hand auf meine Schulter legend und mich an das Fenſter führend,ich kenne ſie nicht. Wer iſt die Spinne?

Die Spinne? erwiederte ich.

Das aufgedunſene, anmaßende, mürriſche Geſicht.

Das iſt Bentley Drummle, antwortete ich;der mit dem zarten Geſichte iſt Startop.

Ohne den Letzteren,mit dem zarten Geſichte, im Geringſten zu beachten, verſetzte er:

Bentley Drummle iſt ſein Name? Der Burſche gefällt mir. Sogleich begann er eine Unterhaltung mit Drummle, ohne ſich durch deſſen zurückhaltendes Weſen abweiſen zu laſſen, und eher, wie

und ſie trat, und das erſte Gericht auf den Tiſch ſetzte.

Sie war ein Frauenzimmer von ungefähr vierzig Jahren, wie es mir ſchien; allein ich mochte ſie, wie die Jugend es gewöhnlich thut, für älter gehalten haben, als ſie wirklich war. Im Uebrigen hatte ſie eine ſchlanke Geſtalt, ein ſehr bleiches Geſicht, mit großen, blaßblauen Augen, und ein üppiges, wallendes Haar. Ich weiß nicht, ob es vielleicht von einem Herzleiden herrührte, daß ihre Lip⸗ pen ſo geöffnet waren, als ob ſie fortwährend keuchte, und daß ihr Geſicht einen ſeltſamen, ängſtlichen Ausdruck trug; allein ich hatte wenige Tage vorher Macbeth auf dem Theater geſehen, und ihr Ge⸗

Keſſel der Hexen hatte aufſteigen ſehen.

Sie ſetzte das Gericht auf den Tiſch, berührte den Arm mei⸗ nes Vormundes leiſe mit dem Finger, um ihm anzuzeigen, daß das Eſſen aufgetragen ſei, und verſchwand wieder. Wir nahmen unſere Sitze an dem runden Tiſche ein, und mein Vormund ließ Drummle auf der einen Seite neben ſich ſitzen, während Startop auf der an⸗ dern ſaß. Es war ein vortreffliches Gericht Fiſche, das die Haus⸗ hälterin aufgetragen hatte, und nach demſelben folgte ein eben ſo guter Hammelsbraten und ausgezeichnetes Geflügel. Saucen, Wein und ſonſtige Nebendinge reichte uns der Wirth von ſeinem Neben⸗ tiſche, und nachdem ſie herumgegeben worden waren, ſtellte er ſie jedesmal wieder dahin. Ebenſo reichte er uns auch zu jedem Gerichte reine Teller, Meſſer und Gabeln, und ſchob die gebrauchten in zwei Körbe, welche neben ſeinem Stuhle anf dem Fußboden ſtanden. Keine andere Bedienung erſchien, als die Haushälterin; ſie trug jedes Ge⸗ richt auf, und jedesmal glaubte ich ihr Geſicht aus jenem Keſſel auf⸗ ſteigen zu ſehen. Mehrere Jahre ſpäter brachte ich eine grauenhafte Aehnlichkeit dieſes Geſichtes dadurch hervor, daß ich ein anderes Ge⸗ ſicht, welches mit dem Letzteren keine andere Aehnlichkeit, als die des wallenden Haares hatte, in einem dunkeln Zimmer hinter einer Bowle mit brennendem Spiritus vorüber gehen ließ.

Da ich zu einer genaueren Beobachtung der Haushälterin ſowohl durch ihre Erſcheinung wie durch die vorangegangenen Bemerkungen von Seiten Wemmick's veranlaßt worden war, ſo bemerkte ich, daß ſie ihre Augen ſtets aufmerkſam auf meinen Vormund gerichtet hielt, und daß ſie von jedem aufgetragenen Gerichte ihre Hände nur zögernd abzog, als wenn ſie fürchtete, von ihm zurückgerufen zu werden, und wünſchte, alles Nöthige von ihm zu hören, ſo lange ſie ſich in ſeiner Nähe befand. Ich glaubte an ſeinem Weſen erkennen zu können, daß er deſſen bewußt ſei und ſie abſichtlich ſo lange als möglich in Span⸗ nung erhalte.

Das Mahl ging fröhlich von Statten, und obgleich mein Vor⸗ mund der Unterhaltung mehr zu folgen, als ſie anzuregen ſchien, ſo ſah ich doch, daß er jedem von uns ſeine ſchwächeren Seiten abzu⸗ locken wußte. Was mich betraf, ſo hatte ich, ehe ich mir noch recht

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Feierſtunden. 1864.

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bewußt war, die Lippen geöffnet zu haben, meine Neigung verrathen, verſchwenderiſch zu leben, Herbert zu protegiren und mit meinen großen Erwartungen zu prahlen. So war es mit uns Allen, aber mit keinem mehr, als mit Drummle, deſſen Hang, die Anderen auf hämiſche und verdächtigende Weiſe zu verhöhnen, aus ihm heraus gelockt wurde, ehe wir noch das erſte Gericht beendigt hatten.

Es war aber nicht dann, ſondern erſt ſpäter, beim Nachtiſch, daß die Unterhaltung auf unſere Fertigkeiten als Ruderer gelenkt und Drummle damit geneckt wurde, daß er Abends ſo langſam und allein hinter uns her zu ſchleichen pflegte. Drummle bemerkte hierauf ge⸗ gen unſeren Gaſtgeber, daß er lieber allein ſei, als in unſerer Geſell⸗ ſchaft, daß er, was das Rudern betreffe, uns weit überlegen, und was Kraft anbelange, im Stande ſet, uns wie Spreu zerſtieben könne. Mittelſt irgend einer geheimen Macht wußte mein Vormund ihn bei dieſem ſo gleichgültigen Gegenſtande faſt bis zur Wuth zu treiben, worauf er anfing, ſeinen Arm zu ſpannen, um die Muskeln deſſel⸗ ben zu zeigen, und wir, lächerlicher Weiſe, ſämmtlich daſſelbe thaten.

Gerade in dieſem Augenblicke war die Haushälterin beſchäftigt, den Tiſch abzuräumen, während mein Vormund, ohne ſie zu beach⸗ ten und mit abgewendetem Geſichte, auf ſeinem Stuhle zurückgelehnt ſaß, und, an ſeinem Finger nagend, Drummle mit jenem Intereſſe beobachtete, das mir ganz unerklärlich war. Plötzlich legte er ſeine große Hand auf den Arm der Haushälterin, welcher gerade über den Tiſch geſtreckt war. Dieſes geſchah ſo ſchnell und unerwartet, daß wir Alle mit unſerem thörichten Streite inne hielten.

Da Sie von Kraft ſprechen, ſagte Mr. Jaggers,ſo will ich Ihnen doch einen Arm zeigen. Molly, laß deinen Arm ſehen!

Die von ihm ergriffene Hand lag auf dem Tiſche, aber die an⸗ dere hatte ſie hinter ſich, auf dem Rücken, verſteckt.

Herr! ſagte ſie mit leiſer Stimme und bittendem Blicke, thuen Sie es nicht!

Ich will Ihnen einen Arm zeigen, wiederholte Mr. Jaggers mit unerſchütterlicher Feſtigkeit.Molly, laß deinen Arm ſehen.

Herr, murmelte ſie noch einmal,bitte!

Molly, erwiederte Mr. Jaggers, nicht auf ſie, ſondern auf die entgegengeſetzte Seite des Zimmers blickend,zeige deine beiden Arme, ſchnell!

Er nahm ſeine Hand von der ihrigen ab und ſtrich den Aermel ihres Kleides zurück, worauf ſie den bisher verſteckten Arm neben den anderen auf den Tiſch legte. Der eine war ſehr entſtellt und trug die Narben vieler Schnittwunden. Als ſie die beiden Arme aus⸗ ſtreckte, wandte ſie die Blicke von Mr. Jaggers ab und richtete ſie auf uns, Einen nach dem Andern aufmerkſam betrachtend.

Das iſt Kraft, ſagte Mr. Jaggers, indem er mit ſeinem Zei⸗ gefinger kaltblütig auf die Muskeln der Arme deutete.Wenige Männer haben die Armkraft, welche dieſes Frauenzimmer beſitzt. Wunderbar iſt es, welchen gewaltigen Griff dieſe Hände haben. Ich habe Gelegenheit gehabt, viele Hände zu ſehen, aber keine, weder bei Männern noch bei Weibern, die kräftiger waren als dieſe.

Während er dies in nachläſſigem, kritiſirendem Tone ſagte, fuhr ſie fort, uns ſämmtlich, Einen nach dem Anderen, zu betrachten. Sobald er aber aufhörte zu ſprechen, blickte ſie ihn wieder an.

Nun iſt es genug, Molly, ſagte darauf Mr. Jaggers mit einem leichten Kopfnicken;du biſt bewundert worden, und kannſt nun gehen.

Sie zog die Hände vom Tiſche zurück und verließ das Zimmer, worauf Mr. Jaggers die auf dem Nebentiſche ſtehende Weinflaſche er⸗ griff, ſein Glas füllte und ſie dann bei uns herum gehen ließ.

Um halb zehn Uhr, meine Herren, müſſen wir aufbrechen, ſagte er.Benützen Sie alſo die Zeit. Ich freue mich, Sie Alle zu ſehen. Mr. Drummle, ich trinke Ihnen zu!

Wenn es bei dieſer Auszeichnung Drummle's ſeine Abſicht war, ihn noch ſchärfer hervortreten zu laſſen, ſo gelang es ihm vollkommen.

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