Teil eines Werkes 
Band 1
Seite
227
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jallen? davon Nein,

Wemn

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Feierſtunden. 1864.

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Alte, der aus ſeinem Seſſel, glaube ich, empor geſchleudert wor⸗ Laus der ihm eigenen Abneigung, irgend ein Zugeſtändniß zu

den wäre, wenn er ſich nicht an der Lehne gehalten hätte, mit triumphirender Stimme:Es iſt abgefeuert! Ich habe es gehört! worauf ich ihm ſo lange zunickte, bis ich ihn, im ganz eigentlichſten Sinne des Wortes, nicht mehr ſehen konnte.

Die Zwiſchenzeit bis zum Nachteſſen verwendete Wemmick dazu, mir ſeine Sammlung von Merkwürdigkeiten zu zeigen. Sie beſtan⸗

den meiſtens aus Gegenſtänden, welche ſich auf verübte Verbrechen.

bezogen; unter Anderen eine Feder, mit der eine berühmte Fälſchung ausgeführt worden war, einige Raſirmeſſer, mehrere Haarlocken und verſchiedene Manuſcripte, angeblich Bekenntniſſe von verurtheilten Verbrechern, auf die Mr. Wemmick beſonderen Werth legte, da ſie, um mich ſeiner eigenen Worte zu bedienen,nichts als Lügen ent⸗ hielten. Dieſe Dinge lagen anmuthig zerſtreut unter verſchiedenen Glas⸗ und Porzellanwaaren, mannigfachen Kleinigkeiten, die der Be⸗ ſitzer der Sammlung ſelbſt angefertigt hatte, und mehreren vom Al⸗ ten aus Holz geſchnitzten Pfeifenſtopfern. Sie waren ſämmtlich in demjenigen Zimmer des Schloſſes ausgelegt, welches ich zuerſt betre⸗ ten hatte, und das nicht nur als Wohngemach, ſondern auch als Küche diente, wenn ich nach einer Pfanne, die an der Wand hing, und nach einer metallenen Schraube über dem Kamine urtheilen durfte, die jedenfalls dazu beſtimmt war, den Bratenwender daran aufzu⸗ hängen.

Zur Bedienung war ein ſauberes kleines Mädchen da, welches den Tag über für den Alten ſorgte. Nachdem ſie das Tiſchtuch ge⸗ legt hatte, wurde die Brücke hinunter gelaſſen, um ihr den Ausweg zu öffnen, und ſie ging heim für die Nacht. Das Eſſen war vor⸗ trefflich; und obgleich im Schloſſe eine trockene Fäulniß herrſchte, die ihm den Geruch einer ſchlechten Nuß gab, und obgleich das Schwein etwas entfernter hätte ſein können, ſo ließ doch die Bewirthung im Allgemeinen nichts zu wünſchen übrig. Selbſt mein kleines Schlaf zimmer im Thurme war leidlich, abgeſehen von der Decke, welche ſo dünn war, daß es mir, als ich im Bett auf dem Rücken lag, ſchien, als müſſe ich die oberhalb befindliche Flaggenſtange die ganze Nacht hindurch auf meiner Stirne balanciren.

Wemmick war am Morgen frühzeitig auf, und wenn ich mich nicht täuſchte, ſo hörte ich ihn meine Stiefel putzen. Dann begann er im Garten zu arbeiten und beſchäftigte ſich mit dem Alten, dem er, wie ich von meinem gothiſchen Fenſter aus ſah, auf ſehr herzliche Weiſe zunickte. Unſer Frühſtück war eben ſo gut, wie das Nachteſſen geweſen war, und um halb neun Uhr traten wir den Weg nach Little Britain an. Während wir dahin gingen, wurde Wemmick all⸗ mählig immer trockener und härter, und ſein Mund nahm wieder die Form der Oeffnung eines Briefkaſtens an. Als wir endlich das Ge⸗ ſchäftslokal erreicht hatten, und er den Schlüſſel aus dem Rockkragen hervor zog, ſchien er ſeine Beſitzung in Walworth ſo gänzlich ver⸗ geſſen zu haben, als wenn das Schloß und die Zugbrücke, und die Laube, und der See, mit dem Springbrunnen, und der Alte von dem letzten Kanonenſchuſſe in die Luft geſprengt worden wären.

Sechsundzwanzigſtes Kapitel.

Es kam ſo, wie Wemmick mir prophezeit hatte, und ich erhielt bald Gelegenheit, die häusliche Einrichtung meines Vormundes mit der ſeines Schreibers und Kaſſirers zu vergleichen. Mein Vormund befand ſich in ſeinem Zimmer und wuſch ſich die Hände mit der wohlriechenden Seife, als ich in das Geſchäftslokal trat, und er rief mich zu ſich und gab mir für mich und meine Freunde die Ein⸗ ladung, auf die Wemmick mich vorbereitet hatte.

Keine Uuiſtände, machte er zur Bedingung,keine beſondere Kleidung, nnd morgen.

Ich fragte, wo wir ihn treffen ſollten(denn ich wußte nicht, wo ſeine Privatwohnung lag), worauf er erwiederte, wahrſcheinlich

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machen:

Kommen Sie hierher, und ich werde Sie mit mir nach Hauſe führen.

Bei dieſer Gelegenheit will ich bemerken, daß er, wie ein Zahn⸗ arzt oder Chirurg, die Gewohnheit hatte, ſich ſtets zu waſchen, ſobald ſeine Klienten von ihm abgefertigt worden waren. Zu dieſem Zwecke hatte er neben ſeinem Zimmer ein mit den nöthigen Erforderniſſen verſehenes Kabinet, welches nach der wohlriechenden Seife ſo ſtark roch, wie ein Parfümerieladen. Ein ungewöhnlich großes Handtuch hing an der Thür, und jedesmal, wenn er von einem Gerichtshofe heim kam oder einen Klienten aus ſeinem Zimmer entlaſſen hatte, wuſch er ſich die Hände und trocknete ſie mit dem ganzen Handtuche ab. Als wir, meine Freunde und ich, ihn am folgenden Tage um ſechs Uhr dort aufſuchten, ſchien er mit einem ungewöhnlich ſchwar⸗ zen Verbrechen zu thun gehabt zu haben, denn wir fanden ihn da⸗ mit beſchäftigt, ſich nicht blos die Hände, ſondern auch das Geſichtng zu waſchen und ſich den Mund zu reinigen. Und nachdem er alles dieſes gethan und das Handtuch von einem Ende bis zum andern be⸗ nutzt hatte, zog er noch das Federmeſſer hervor, um den böſen Fall auch unter den Nägeln hervor zu kratzen, ehe er ſeinen Rock anzog..

Als wir auf die Straße hinaustraten, ſchlichen, wie gewöhnlich, mehrere Leute umher, die ihn augenſcheinlich gern ſprechen wollten; allein in dem Geruch von wohlriechender Seife, der ihn umgab, lag 4 etwas ſo Entſcheidendes, daß ſie den Verſuch für dieſen Tag aufgaben. Während wir unſeren Weg weſtwärts verfolgten, wurde er häufig von einzelnen Perſonen im Straßengedränge erkannt, und ſo oft dies geſchah, ſprach er lauter mit mir; aber nie beachtete er ſelbſt eine ſolche Pekſon, oder verrieth auf andere Weiſe, La er erkannt wor⸗ den war.

Er führte uns nach Gerard Street, Soho Square, und in ein Haus, welches auf der ſüdlichen Seite dieſer Straße lag. Es war ein ſtattliches Gebäude in ſeiner Art, aber ſah äußerlich ſehr vernach⸗ läſſigt aus und hatte ſehr ſchmutzige Fenſter. Er zog ſeinen Schlüſ⸗ ſel hervor und öffnete die Thür, worauf wir ſämmtlich in einen öden, ſteinernen Hausflur traten, und von hier aus eine finſtere Treppe empor ſtiegen, welche zu drei neben einander belegenen dunkeln Zim⸗ mern des erſten Stockwerks führte. An den mit Holz bekleideten Wänden waren geſchnitzte Guirlanden angebracht, deren Anblick mich, als er unter ihnen ſtand, um uns zu bewillkommnen, unwill⸗ kürlich an gewiſſe Schlingen anderer Art erinnerte.

In dem beſten dieſer Zimmer ſtand der gedeckte Tiſch; das zweite war ſein Ankleidezimmer, und das dritte ſein Schlafgemach. Er ſagte aus, daß er das ganze Haus inne habe, aber ſelten mehr da⸗ von benütze, als diejenigen Räume, welche wir ſahen. Der Tiſch war reichlich verſehen, aber natürlich ohne Silbergeſchirr, und neben ſeinem Stuhle ſtand ein geräumiger Seitentiſch, mit verſchie⸗ denen Flaſchen und Karaffinen und vier mit Obſt gefüllten Schüſſeln zum Deſſert. Ich machte am ganzen Abend die Bemerkung, daß er Alles unter eigener Kontrole hatte und ſelbſt vertheilte.

In demſelben Zimmer ſtand ein Schrank, mit Büchern gefüllt, deren Rückſeiten mir ſagten, daß ſich ihr Inhalt auf Kriminalgeſetz⸗ gebung, kriminaliſtiſche Biographien, gerichtliche Unterſuchungen und dergleichen bezog. Das Mobiliar des Zimmers war ſolid und gut, wie die Uhrkette des Beſitzers; aber es hatte ein geſchäftsmäßiges Ausſehen und enthielt nicht ein einziges Stück, das nur als Zierrath⸗ hätte dienen können. In einer Ecke ſtand ein kleiner, mit Papieren bedeckter Tiſch, und auf demſelben eine Schirmlampe, ſo daß es ſchien, als wenn Mr. Jaggers ſeine Schreibſtube mit nach Hauſe brächte, ſie Abends dahin rollte, und dann von Neuem an die Ar⸗ beit ginge.

Da er meine drei Gefährten bis jetzt kaum geſehen hatte, denn er war den ganzen Weg nur mit mir gegangen, ſo ſtellte