Unter Griechenlands und Italiens ſchönem Him⸗ mel, zwiſchen 36° und 39° 46“ n. Br., liegen in drei Gruppen geſchieden, längs den Küſten von Alba⸗ nien, Akarnanien, Aetolien und Morea, ſieben größere, von 40 kleinen, zum Theil unbewohnten Eilanden und Klippen umgebene Inſeln, die Republik der joni⸗
ſchen Inſeln, welche England neuerer Zeit, ſeit
Griechenlands Aufſtand im vorigen Jahre, ſeinem Kan⸗ didaten für den griechiſchen Thron als Ausſteuer zu⸗ gedacht hat: das olivenreiche Korfu, das Korcyra der Griechen und Römer, der Schlüſſel des adriatiſchen Meeres mit 8 Nebeninſeln, darunter Fano, Mer⸗ lera, Samotraki, Paxo, nebſt den menſchenlee— ren Antipaxo; dann Santa Maura, mit den Inſeln Meganiſi, Kalamo und andern, die alte
Leucadia(Levkadha), die einſt als Halbinſel mit dem
gegenüberliegenden Vorgebirge Leucata, jetzt Kap Ducato, zuſammenhing; dann Kephalonia, die größte unter den joniſchen Inſeln, mit ihren cyklopiſchen Mauer⸗
trümmern; Zante, die wald⸗ und fruchtreiche Za⸗ kynthos des Strabo, die noch jetzt von den Italie⸗
nern ihrer Fruchtbarkeit wegen il fiore di Levante genannt wird, und zuletzt, öſtlich von Kephalonia, Thiaki, ſonſt Ithaka. Dieſe ſechs Hauptinſeln liegen im joniſchen Meere, in welches ſich das adria—
tiſche nach ſeiner Verengung zwiſchen dem Kap d'O⸗
tranto und Kap Linguetta öſtlich von Calabrien nach der griechiſchen Küſte hin erweitert. Die ſiebente Haupt⸗ inſel Cerigo, das alte Kythera, liegt ſüdlich von Morea: am Eingange ins Aegäiſche Meer, und bildet mit den kleinen Inſeln Cerigotto, Ovo, Dra— gonera und Pori, zwiſchen Cerigo und Kandia, die ſüdliche Gruppe des im Ganzen 51 ½ Quadr.⸗Meilen,
mit 250,000 Seelen umfaſſenden Joniſchen Inſelſtaa-
tes, deſſen Lage es deutlich erkennen läßt, warum ſein Beſitz allen Völkern, die den Handel des Mittelmeers und der Levante in Anſpruch nehmen, von jeher ſo wichtig war.
Unter Hellas Schutze blühten die ſieben Eilande, die durch Homers Geſänge und Odyſſeus Irr⸗ fahrt auf die ſpäteſte Nachwelt gekommen, als beſon⸗ dere kleine Staaten. Heroenzeit Scheria, und war die Heimath der„reiche Gaben ſpendenden Phäaken“, die der joniſche Sänger als ein zur See mächtiges Volk ſchildert. nach Homer, von reizenden Gärten umgeben, der Palaſt des Alkinoos, reich an den ſeltenſten Kunſt⸗ werken in Metall; dort empfing die ſchöne Königstoch⸗ ter Nauſikaa den Odyſſeus, der die Kephalonier vor Troja geführt, und nach langer Irrfahrt an der Küſte von Scheria Schiffbruch gelitten hatte. Auf die⸗ ſer Inſel legte im 5. Jahrh. v. Chr. Korinth eine Kolonie an und nannte ſie Korcyra, die bald an Macht und ausgebreiteter Schifffahrt mit der reichen Mutterſtadt wetteiferte. Bei dem Ausbruche des pelo— ponneſiſchen Krieges, den Korcyra vorzüglich mit ver⸗ anlaßt hatte, ſtand die Kolonie auf dem Gipfel ihrer Macht. Später, als Griechenland unter Makedoniens, dann unter Roms Herrſchaft gekommen war, verlor Korcyra, gleich den übrigen joniſchen Inſeln, ſeine
Die joniſchen Inſeln.
Das heutige Korfu hieß in der
Dort lag,
Selbſtſtändigkeit, und unter Vespaſian ſeine Freiheit. Nach der Theilung des römiſchen Reichs gehörten die joniſchen Inſeln zu dem byzantiniſchen Kaiſerthume. Im 13. Jahrhundert ward Korfu von dem Normanen⸗ führer Roger von Sccilien erobert, und gehorchte jetzt den Königen von Neapel bis zum Jahre 1385, wo ſich dieſe wichtige Inſel der Königin des adriati⸗ ſchen und des Mittelmeeres, der Republik Venedig, unterwarf, die deren Beſitz im Jahre 1401 um 30,000 Dukaten von Neapel erkaufte, und die Stadt Korfu als eine Vormauer gegen die Türken befeſtigte. Spä⸗ ter bemächtigte ſich Venedig auch der übrigen Inſeln und regierte ſie durch Proveditoren, und die Inſeln ſelbſt bildeten, nebſt den venetianiſchen Beſitzungen auf dem Feſtlande(in Albanien), die Provinz Levante Veneto. Der Friede von Campo Formio, 1797, brachte ſie unter die Herrſchaft Frankreichs, aber ſchon 1799 bemächtigten ſich ihrer die verbündeten Türken und Ruſſen, worauf Kaiſer Paul das geſchäftliche Leben der alten Freiheit wieder erweckte, indem er ſie durch den Vertrag mit der Pforte vom 21. März 1800 unter dem Namen der„Sieben“ vereinigten Inſeln“ in einen Freiſtaat verwandelte, der von den Vornehmen des Landes regiert, unter der Hoheit der Pforte ſtehen und dieſer tributar ſein ſollte. In der That aber blieb der ruſſiſche Schutz ſo überwiegend, daß Korfu eine ruſſiſche Beſatzung erhielt. Innere Zerwürfniſſe rie⸗ fen 1803, unter den berühmten Grafen Capo d'Iſtrias, Vater und Sohn, die damals die Verhältniſſe der von Frankreich und Großbritannien anerkannten Republik ordneten, eine ariſtokratiſche Verfaſſung hervor, die durch Frankreich aber, das durch den Tilſiter Frieden wieder in den Beſitz der Inſeln kam, aufgehoben wurde. Im Jahre 1810 beſetzten die Engländer die wichtig⸗ ſten der Inſeln, mit Ausnahme Korfu's, und erlang⸗ ten auch dieſen wichtigen Vorpoſten des Levanteben durch die Pariſer Konvention vom 23. Durch Uebereinkunft vom 5. Nov. 181 endlich Oeſterreich, Großbritannien, Preuß land zu Paris das politiſche Schickſal der joniſchen Inſeln, und begründeten, den ſchon vorläufig auf dem Kongreſſe zu Wien verabredeten Beſtimmungen gemäß, das völkerrechtliche Daſein dieſes wiederbelebten Staats⸗ körpers. Nach dem Traktate vom 5. Nov. 1815, den Caſtlereagh, Wellington, Raſſumowsky und Capo »'Iſtria unterzeichneten, wurde die„Republik der ver⸗ einigten Staaten der joniſchen Inſeln“ unter den un⸗ mittelbaren und ausſchließenden Schutz Großbritanniens geſtellt, und die übrigen Mächte entſagten allen und jeden Anſprüchen, die ſie auf dieſe Inſeln haben könn⸗
ernennen, mit der Vollmacht, eine geſetzgebende Ver⸗ ſammlung des joniſchen Inſelſtaats zu berufen, damit dieſelbe einen Verfaſſungs⸗Entwurf bearbeite und der Krone Englands zur Beſtätigung vorlege. Großbri⸗ tannien ſollte ferner das Beſatzungsrecht der Feſtungen der Inſeln haben, und die Streitkräfte der Republik ſollten dem Oberbefehlshaber der britiſchen Truppen untergeordnet ſein; und Alles, was ſich auf Unterhal⸗ tung der vorhandenen Feſtungen und auf die Beſoldung
ten. Großbritannien ſollte einen Lord⸗Oberkommiſſär
delsflagge freien un


