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und Flinten zugleich.
ſaapfere Häuptling wußte ſeine Leute in einer ziemlich
ihr Ende neben ihr geſeſſen und ihren letzten Athemzug bewacht hätte. Ja er war es, der ihr die Augen zu⸗ drückte, und wiederum nur er war es, der ihrer Hülle im Garten die letzte Ruheſtätte gab! So wie er jedoch dieſe Pflicht erfüllt, ſo war wie mit Einem Schlage ſowohl aus ſeinem Geſichte als aus ſeiner Haltung Alles verſchwunden, was an Simon Girty erinnern konnte, und wie er aus dem Hauſe trat, um zu ſei⸗ nen in der Nähe kampirenden Kriegern zu ſtoßen, ſo hätte ihm, dem ſtolzen Häuptling, kein Menſch auf Erden zugetraut, daß noch vor wenigen Stunden die zarteſten Gefühle ſein Herz bewegten.
Was nun folgte, iſt bald erzählt. Wikokalendies war an der Spitze eines großen indianiſchen Heerhau⸗ fens in den oberen Theil Kentucky's— den unteren Theil hatten ein paar andere Häuptlinge zu beſtrafen übernommen— eingerückt, um die dortigen Coloniſten zu Paaren zu treiben, und da ſich ein großer Theil von ihnen mit Weib und Kind und Allem, was ſie Werthvolles beſaßen, in das Fort Bryant geflüchtet hatte, ſo mußte ſeine Abſicht natürlich vor Allem dahin gehen, dieſe Feſte mit ihrem ganzen Inhalt in ſeine Gewalt zu bekommen. Dies war aber leichter geſagt, als gethan, denn obwohl alle Befeſtigungswerke nur aus Backſteinen oder gar nur aus Holz beſtanden, ſo beſaß dagegen die angreifende Parthie gar keine Belage⸗ rungswerkzeuge, und war ſo zu ſagen nur allein auf die Kraft ihrer Hände angewieſen. Ueberdem hatte man das Fort mit einem tiefen waſſergefüllten Graben, ſowie mit außerordentlich ſtarken Palliſaden umgeben, und um dem Werke die Krone aufzuſetzen, waren die Wälle ſogar mit etlichen kleinen Kanonen beſpickt, welche Tod und Verderben in die Reihen der Feinde ſchleudern mußten. Bedenkt man nun ferner, daß die Garniſon aus mindeſtens hundertundzwanzig kräftigen Männern, lauter geflüchteten Anſiedlern mit ihren Söhnen und Knechten, beſtand, ſowie daß es an Lebensmitteln kei— neswegs mangelte, ſo wird man wohl begreifen kön⸗ nen, warum innerhalb des Forts Bryant, ſelbſt unter Den vielen Frauen und Kindern, welche mit den Co—
loniſten dahin geflohen waren, die größte Zuverſicht
herrſchte. Allein nur zu bald ſollte es ſich zeigen, daß man ſeine eigene Kraft allzu weit überſchätzt, die des Feindes dagegen viel zu ſehr unterſchätzt hatte. War doch dieſer letztere nicht weniger als fünfhundert Mann ſtgrt und was noch weit ſchwerer wog— wurde er doch von einem Manne geleitet, der Wikokalendies
hieß, und nicht mit einem ſonſtigen Indianerhäuptling
verwechſelt werden durfte! Am vierzehnten Auguſt erſchien Wikokalendies mit
ſeinem Heerhaufen vor dem Fort, deſſen beide Thore
natürlich feſt geſchloſſen waren, und die Beſatzung em⸗ pfing ihn ſofort mit einem heftigen Feuer aus Kanonen Die Schüſſe machten aber mehr Lärmen als Schaden, denn der eben ſo vorſichtige als
geſicherten Entfernung zu poſtiren, und begnügte ſich für den erſten Anfang mit einer engen Einſchließung der Feſtung. Dies hielten die Belagerten für Feigheit, und beſchloſſen, trotz des Abrathens eines erfahrenen alten Grenzjägers, der ſich in ihrer Mitte befand und
nicht genug vor dem überlegenen Kriegergenie des An⸗
führers der Rothhäute zu warnen wußte, noch in der
Nacht auf den fünfzehnten einen Ausfall zu machen,
der den Feind in alle Welttheile zerſtreuen ſollte. Wi⸗ Feierſtunden. 1863.
ihm nähern konnte, ohne ſein Leben laſſen zu müſſen⸗
kokalendies aber war auf ſeiner Hut und hatte überall Schildwachen ausgeſtellt, wie erfahrene Kapitäne zu thun pflegen. So ward er denn von der Bewegung der Garniſon noch rechtzeitig genug unterrichtet, um ſeine Vorkehrungen zu treffen, und der Ausfall ward daher nicht blos zurückgeſchlagen, ſondern endigte mit einem ziemlichen Verluſt der Weißen. Ja beinahe wäre es den Indianern gelungen, mit den Retirirenden zu⸗ gleich in das Fort einzudringen, und nur die größte Kraftanſtrengung rettete für diesmal noch die Belager⸗ ten! Da hatten denn dieſe letzteren bereits einen Vor⸗ geſchmack deſſen, was da kommen würde, und der Jammer der Weiber und Kinder, deren Väter und Männer bei dieſem Kampfe gefallen waren, erinnerte die Uebrigen daran, von nun an mit größerer Vorſicht und beſonders auch mit größerer Achtung des Feindes voranzugehen.—
Am fünfzehnten war Waffenruhe, welche die Be⸗ lagerten dazu benützten, um ihre Todten— im Gan⸗ zen etliche und zwanzig— zu beſtatten, während die Belagerer, obwohl in ſicherer Schußweite, große Sie⸗ gesfeſtlichkeiten veranſtalteten, und unter mißtönigem Geſchrei um ihre angezündeten Feuer herumtanzten. Dieſe Feſtlichkeiten hörten auch nicht auf, als die Nacht eintrat, und die Belagerten, welche in Folge deſſen der vollſten Ueberzeugung waren, daß die Wilden im Vollauf mit ſich ſelbſt beſchäftigt ſeien, überließen ſich daher ſämmtlich, die wenigen Schildwachen ausgenom⸗ men, der ihnen nach der Aufregung der letzten vier⸗ undzwanzig Stunden ſo überaus nöthigen Nachtruhe. Allein noch war die Mitternachtsſtunde nicht herange⸗ kommen, da wurden die beiden Thore plötzlich unter dem wildeſten Kriegsgeſchrei attacquirt, und es entſtand nun eine wirklich grenzenloſe Verwirrung. Der Feind hatte offenbar die Kriegstänze nur veranſtaltet, um die Garniſon in Sicherheit zu locken, und dieſe Liſt gelang ihm auch ſo gut, daß eines der Thore beinahe geſtürmt worden wäre. Als daher endlich nach einem mehr als dreiſtündigen Kampfe, der um ſo ſchrecklicher war, als eine faſt complete Finſterniß herrſchte, die Rothhäute ſich unter, wie es ſchien, großem Verluſte zurückzogen, gratulirte man ſich im Fort hiezu von ganzem Herzen, denn nie waren Belagerte mit knapperer Noth der Ueberrumpelung entgangen, als diesmal die im Fort Bryant Eingeſchloſſenen. Ja man gratulirte ſich nicht blos, ſondern man triumphirte ſogar über den Sieg, beſonders da man diesmal nicht viele Todte und Ver⸗ wundete zu beklagen hatte, und nicht Wenige meinten höhniſch, daß die Indianer bald mit langer Naſe ab⸗ ziehen würden. Aber— wie urplötzlich änderte ſich am andern Morgen dieſe ſich ſelbſt erhebende Stim⸗ mung, als man nun gewahr wurde, daß der Feind in dieſer Nacht der Feſtung das Trinkwaſſer abgeſchnitten habe? Außerhalb der Palliſaden nämlich an einer et⸗ was niedriger gelegenen Stelle entſprang eine ſtarke Quelle, welche man mittelſt eines bedeckten, tief gezo⸗ genen Kanals in die Feſte hineingeleitet hatte, und der beſagte Born lieferte ſo viel Waſſer, daß gar nie ein Mangel an dieſem ſo nothwendigen Material entſtehen konnte, ſo lange er ſich in der Gewalt der Belagerten befand. Solcher Gewalt aber konnte er faſt unmög⸗ lich entriſſen werden, da er von einer der Kanonen der Feſtung beſtrichen wurde, und folglich kein Feind ſich
Nicht nur war der
Doch— wie ſah es jetzt aus?


