Teil eines Werkes 
Band 1
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gerade zog, einer Menge von Klapperſchlangen zum Aufenthalte diene, von denen offenbar die Thiere ge⸗ biſſen worden waren. Ein furchtbarer Schrecken er⸗ griff die ganze Carawane, und Alle trieben ihre Thiere zur tollſten Eile an, um aus der gefährlichen Nach⸗ barſchaft zu kommen. Am furchtſamſten und eigen⸗ ſüchtigſten gebärdeten ſich dabei die deutſchen Mitglie⸗ der der Geſellſchaft, denn die Amerikaner hielten doch wenigſtens ſo lange an, bis ſie die Effekten ihrer zwei Landsleute, denen das Zugvieh ebenfalls crepirt war, auf ihren Wägen vertheilt hatten, die Deutſchen aber fuhren davon, ohne ſich um die Bitten des Badenſers, ihn und die Seinigen doch nicht zu verlaſſen, nur im Geringſten zu kehren. Wenn nur ſie heil davon kamen, was lag ihnen an allem Uebrigen? So blieb Freds Schwager mit ſeiner ganzen Familie verlaſſen in der Wildniß zurück und wahrhaftig ein Glück war's, daß er einen entſchloſſenen feſten Geiſt beſaß,

denn ein Anderer wäre in ſeiner Lage verzweifelt. Er 3 5

aber? Nun er that, was ſchon viele Hunderte vor ihm ebenfalls gethan haben, d. h. er ſuchte zuerſt einen paſſenden Platz, wo er ſich für die nächſte Zeit häus⸗ lich niederlaſſen könnte, und brachte dann mit Hülfe der Seinigen alle ſeine mitgenommenen Effekten, Lebens⸗ mittel und ſonſtigen Utenſilien dahin.Robinſon, dachte er,und viele Andere nach ihm waren weit

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ſchlimmer daran, als ich, denn ich kann mir aus mei⸗ nem Wagen eine Wohnung bauen und habe genug Lebensmittel, um Monate lang davon zu leben. Ueber⸗ dies beſitze ich eine Büchſe nebſt Pulver und Blei und ſogar an Ackerwerkzeugen, ſo wie den nöthigen Säme⸗ reien fehlt es mir nicht. Was brauche ich alſo mehr? So richtete er ſich häuslich ein, ſo gut es ging, und lebte nun faſt anderthalb Jahre da, immer hoffend, daß ein glücklicher Zufall einen Carawanenzug, der ihn und die Seinigen mitnehme, an ſeiner Thalwoh⸗ nung vorbeiführen werde. Er hoffte übrigens verge⸗ bens, einfach, weil die Carawanen ſeither, eben der Klapperſchlaugen wegen, eine viel weiter ſüdliche Rich tung einhielten, und wenn alſo uns nicht der Zufall oder vielmehr die Bärenjagd hierher verſchlagen hätte, wer weiß, wie lange ſeine Erlöſung noch ausgeblieben wäre.

Was ſoll ich nun noch weiter hinzuſetzen? Der Leſer kann das Ende errathen, ohne daß wir ihm da⸗ bei behülflich ſein müßten. Schließlich nur noch ſo viel, daß Fred mit ſeinem Schwager jetzt eine ausge⸗ dehnte Farm im Staate Oregon beſitzt, woſelbſt der lange Tom ebenfalls ganz heimiſch iſt, denn ganz in der nächſten Nähe befinden ſich noch großartige Wal dungen, in welchen er ſeiner Jagdluſt nach Belieben nachgehen kann.

Der Strick des gehängten.

Herr C. in Paris war früher Chokolade⸗Fabrikant geweſen, hatte ſich aber allmählig dem Trunk ergeben, ſein Geſchäft verkaufen müſſen und brachte ſich jetzt mühſam als Arbeiter fort. Er ſank immer tiefer, machte einige Male Selbſtmordsverſuche, wurde aber in ſeinem Vorhaben immerdar geſtört. Kürzlich kehrte er Abends in trunkenem Zuſtande wieder nach Hauſe zurück. Er fand ſeine Frau im erſten Stock mit Wäſche beſchäftigt; nm ihren Vorwürfen auszuweichen, ſprach er:Keinen Lärm, meine Liebe! Ich mache dir keinen Kummer mehr; ich will mich hängen!Wie oft du mir das ſchon geſagt haſt, antwortete ſeine Ehe⸗ hälfte,das kümmert mich wenig!

C. begab ſich in den zweiten Stock und ſchloß die Thüre. Einige Augenblicke hörte ſeine Frau ihn noch auf⸗ und abgehen, dann trat tiefe Stille ein. Erſtaunt darüber begab ſie ſich jetzt ſelbſt in das Zimmer, wo es bereits ziemlich dunkel war. Sie ſah undeutlich ihren Mann aufrecht in einer Ecke deſſelben, da er aber ganz ſonderbare Bewegungen machte, eilte ſie zu der Thürſchließerin hinab. Mit ihr kehrte ſie zurück, faßte dann ihren Mann bei der Hand und ſagte:Laß das Schmollen jetzt, geh' zu Bette, da wird dir beſſer ſein. Als ſie ſah, daß er wie eine träge Maſſe hin und her ſchwankte, erſchrak ſie.

Nun, ſeht Ihr nicht, daß er ſich gehängt hat? rief die Schließerin;er ſieht jedoch aus, als ob er noch nicht ganz todt wäre; ich will es doch den Haus⸗ herrn wiſſen laſſen.

Ich, fiel Frau C. ein,bleibe nicht allein hier, ſondern warte auf der Treppe.

Damit verließen ſie den armen Gehängten in ſei⸗ nen letzten Convulſionen. Der Hausherr erſchien mit

Th. Gr. einigen andern Miethsleuten.Der Mann athmet noch, bemerkte Einer der letzteren,man muß ihn

losſchneiden.

Sie würden mir etwas Schönes anſtellen, er⸗ wiederte der Hauseigenthümer ernſt,wiſſen Sie nicht, daß man einen Gehängten vor Ankunft des Polizei⸗ kommiſſärs nicht berühren darf? Ich will ſogleich einen holen. Auf der Straße traf er einen Stadtſergeanten. Es hat ſich Jemand bei mir erhängt.Iſt es ſchon lange her?Nein.Haben Sie ihn abgeſchnitten?Das laſſe ich vor Ankunft des Kommiſſärs wohl bleiben.

Der Sergeant eilte die Treppe hinauf und ſchnitt zum großen Aergerniß des Hausherrn den Gehängten ab. Mittlerweile hatte aber der Trunkene zu leben aufgehört.

Der Sergeant meldete nun den Vorfall dem Kom⸗ miſſär vom Stadtviertel des Luxembourg. Der Beamte erſchien und machte vor Allem den Anweſenden lebhafte Vorwürfe, daß ſie allem Anſchein nach mit ihrem al⸗ bernen Vorurtheil an dem Tode des Menſchen ſchuldig ſeien. Darauf begehrte er den Strick zu ſehen. Man zeigte ihm ein Stückchen von kaum einigeu Centimeter⸗ längen. Aber damit konnte er ſich noch nicht hängen!

Da ſchauten ſich alle Anweſenden an und zogen endlich aus ihren Taſchen Jeder ein Stückchen Strick von gleicher Länge hervor. Sie hatten gewiſſenhaft den ganzen Strick getheilt, ohne zu wiſſen, daß der Aber glaube nur dem Strick von Hingerichteten, und nicht von Selbſtmördern zauberhafte Kräfte zuſchreibt!

Solches geſchah im 19. Jahrhundert und in der Hauptſtadt von Frankreich.

Dr. B.