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von zwei Fuß und ſechs Zoll—, ſo erwies er ſich doch als ein äußerſt grimmiges und wildes Thier, das ſich durchaus nicht bezähmen laſſen wollte, ſondern viel⸗ mehr nach allen Seiten hin biß und kratzte. Demnach ſchnitt Einer von ihnen, während die vier Andern die junge Beſtie feſthielten, einen gabelförmigen Stecken
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zurecht, in welchen ſofort der Nacken des Thieres ein⸗
gepreßt wurde, und nun hatten ſie daſſelbe, nachdem ſie ihm auch noch Hände und Füße mit Weiden zu⸗ ſammen geflochten hatten, vollſtändig in ihrer Gewalt, d. h. ſie konnten es an einem langen Stabe, den ſier durch die zuſammengebundenen Füße und Arme ſteckten, forttragen.
Du⸗Chaillu freute ſich ungemein, als ſeine Neger mit der gefangenen Beſtie ankamen, denn er hoffte, es werde ihm möglich ſein, dieſelbe groß zu ziehen und zu zähmen. Er ließ deßhalb ſogleich einen großen Käfig aus ſtarken Bambusſtäben verfertigen, welche man ſo eng an einander reihte, daß nur ein ganz kleiner Raum zum Durchſehen zwiſchen ihnen blieb, und nun brachte man den jungen Gorilla in ſeine neue Behauſung. Allein es war demſelben darin offenbar nicht wohl, denn er warf gar wilde Blicke um ſich und brüllte dazu ſo heftig, daß die Neger ganz erſchreckt zurück⸗ fuhren. Ueberdem ſchlug er ſeine Klauen mit aller Macht in die Zwiſchenräume der Bambusſtäbe, indem er ſie zugleich mit ſeinen Zähnen packte, um ſie aus⸗ zureißen oder zu zertrümmern, und benahm ſich über⸗ haupt ſo toll und wild, als ob er nicht erſt ſo zu ſagen ein Mutterkind, ſondern vielmehr ein ausgewach⸗ ſener Gorilla wäre.
Und doch bewies ſein ganzes Ausſehen, daß er, wie ſchon oben geſagt, unmöglich viel über zwei Jahre zählen konnte! Geſicht und Hände waren nämlich ganz ſchwarz, während ſie bei den Erwachſenen eine bräun⸗ lichte Farbe annehmen, und ebenſo deutlich zeigte ſich ſeine Jugend in den Augen, denn dieſe lagen noch nicht ſo tief in den Höhlen, wie bei denen, welche vier und mehr Jahre zählen. reits auf eine merkwürdige Weiſe, und zwar begann dieſe Behaarung gleich über den Augenbraunen, von wo ſie über die Stirne zu dem Unterkiefer herablief, indem ſie das Geſicht gleichſam wie mit einem ſtarken Barte einrahmte. Auch die obere Lippe war mit Haar bedeckt, die Augenlider dagegen erſchienen ganz dünn und durchſichtig, während hinwiederum die Augenbrau⸗
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Klauen des Thieres erfaſſen zu laſſen. Waren doch dieſe ſo ſcharf, daß ſie Alles vernichteten, was ſie nur irgend durch die Zwiſchenräume der Bambusſtäbe er⸗ reichen konnten! Weil nun aber der Gorilla ſo zu ſagen mit jedem Tage wilder wurde, und ſich in ſeinem Käfig geberdete, als wollte er die ganze Welt in Stücke zer⸗ reißen, ſo verſuchte es Du⸗Chaillu, ob er ſich nicht vielleicht mit dem wilden Thiere dadurch näher bekannt und befreundet machen könnte, wenn er ihm immer'nur ſeine Lieblingsſpeiſen, wie z. B. Ananas⸗Blätter ꝛc., und zwar ſtets in eigener Perſon, reichte; allein der Gefangene nahm lediglich keine Notiz davon, und war
den einen Tag ſo wild als den andern.
Behaart war er jedoch be⸗
nen ganz borſtig ausſahen und überdem die Länge von
etwa Dreiviertels⸗Zoll hatten. Der ganze übrige Kör⸗ per erſchien wie in einen Pelz gehüllt; nur war der
Unterſchied, daß das Haar des Pelzes auf dem Rücken
eine eiſengraue Farbe hatte, während es in der untern Bauchgegend weißlicht wurde und dagegen an den Füßen und Händen in's Dunkelſchwarze ſpielte. So lang haarig aber und ſo dicht bewachſen wie bei den Erwach ſenen zeigte ſich der Pelz nirgends. —D
wie ſich von ſelbſt verſteht, eine naturgemäße, d. h. man ſuchte für ihn Waldbeeren und dergleichen Dinge und reichte ſie ihm in den Käfig hinein. Allein er er
Die Nahrung, welche man dem Thiere reichte, war,
wies ſich außerordentlich ſcheu und rührte nichts an,
als bis ſich der Futterreicher auf eine gewiſſe Entfer⸗ nung zurückgezogen hatte. Ueberdies ſchoß er auf Je⸗ dermann los, der ſich dem Käfige allzu ſehr näherte, und wehe dem, der ſo unvorſichtig war, irgend ein Kleidungsſtück oder gar ein Glied ſeines Leibes von den
So trieb man es beinahe eine ganze Woche lang mit ihm; da zeigte es ſich am Morgen des ſechsten Tages, daß er aus ſeinem Käfig verſchwunden ſei. So jung er nämlich noch war, ſo reichte doch ſeine Kraft hin, um zwei von den dicken Bambusſtäben zu zertrümmern, und natürlich dachte man nun, er werde durch das hiedurch entſtandene Loch das Weite geſucht haben. Deßwegen ordnete Du⸗Chaillu augenblicklich eine allgemeine Streife an, und er ſelbſt rannte in ſeine Wohnung, um ſich zu bewaffnen, weil er ebenfalls an der Parthie Theil nehmen wollte. Aber ſiehe da, wie er in ſein Zimmer trat, bemerkte er den jungen Gorilla unter ſeinem Bette verſteckt! Er rief ſofort Hülfe her⸗ bei, während er zugleich die Fenſterläden feſt ſchloß, allein kaum waren einige ſeiner ſchwarzen Diener in's Zimmer getreten, ſo fuhr der Gorilla wie wüthend un⸗ ter dem Bette hervor, und es blieb, wenn man nicht mit ſeinem furchtbaren Gebiſſe näher Bekanntſchaft machen wollte, nichts übrig, als das Lokal ſo ſchnell als möglich zu verlaſſen und die Thür hinter ſich zu verſchließen. Nun erſt wurde der Affe wieder ruhig und betrachtete ſich mit neugierigem Blicke alle die Ge⸗ genſtände, welche Du⸗Chaillu daſelbſt aufgeſtellt hatte. Beſonders ſchien eine europäiſche Standuhr ſeine Auf merkſamkeit auf ſich zu ziehen, und er ging langſam auf ſie zu, wie wenn er ſie für ein lebendiges Weſen, dem nicht ganz zu trauen ſei, hielt. Es war alſo große Gefahr vorhanden, das Thier möchte eine ziemliche Ver⸗ wüſtung im Zimmer anrichten, daher beorderte Du⸗ Chaillu ſeine Leute, ein ſtarkes Netz herbeizubringen, welches er ſonſt zur Einfangung wilder Büffel ver wandte. Vorſichtig öffnete man nun die Thüre, und in der That gelang es ſchon beim erſten Wurfe, dem Gorilla das Netz über den Kopf zu werfen; allein der⸗ ſelbe, obwohl nun an ſeinen Bewegungen gehindert, ſchlug und ſtieß doch ſo wüthend um ſich, daß vier ſtarke Männer nöthig waren, um ſeine Arme und Beine feſt zu halten. Hieraus kann man den Schluß ziehen, welch' ungeheure Kraft einem erwachſenen Gorilla inne wohnen muß, denn die vier Männer wären nicht im Stande geweſen, dieſen milchbärtigen Jungen zu überwältigen, wenn das ſtarke Netz ihn nicht feſtgehal⸗ ten hätte. So aber gelang es, denſelben in den in⸗ zwiſchen geflickten Käfig zurückzuſchieben, und ihn dort ſeiner unmächtigen Wuth zu überlaſſen.
Nunmehr verſuchte es Du⸗Chaillu mit„civiliſirten“ Speiſen, und ließ der kleinen Beſtie nichts anders mehr zukommen, als Brod, Gemüſe und gekochtes Fleiſch.
Aber die Speiſen blieben ſämmtlich unberührt ſtehen,
und der Gorilla ließ ſich unter keinen Umſtänden dazu bewegen, etwas von ihnen zu genießen. Er hungerte alſo volle zwei Tage lang, und ſeine Kraft ſchien in


