Heft 
(1859) 11 11
Seite
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Die verlegene Braut. 343

und indem er die Uhr zog, ſetzte er hinzu:Wir werden ja ſehen; ſpäter, ſpäter, liebes Kind.

Liſette fand nicht mehr Zeit, ihre Unzufrie⸗ denheit über dieſe unbeſtimmte Antwort auszudrü⸗ cken, denn eben kehrte Toldi zurück, um ſeinen Freund zur Balletprobe abzuholen. Flocke ſtürzte mit dem räthſelhaften Briefe in der Hand auf den Eintretenden zu und beſchwor ihn, die wenigen Zeilen noch einmal zu leſen.

Du haſt alſo noch immer nicht Deine Augen⸗ gläſer gefunden? fragte Toldi lächelnd, indem er bereitwillig nach dem Briefe griff.Werther Herr, ſing er darauf zu leſen an, ſtockte aber ſo⸗ gleich, als ihm Liſette heimlich ein Zeichen gab.

Werther Herr! alſo lautet die Ueberſchrift; iſt das ganz gewiß? fragte Flocke, der der Sache auf den Grund zu kommen trachtete.

Ganz gewiß, verſicherte Toldi.

Jetzt, Liſette, lies Du, wandte ſich nun Flocke an ſeine Freundin, und da dieſe zu ſeinem größten Erſtaunen die Lektüre mit dem WorteUn⸗ geheuer anhob, rief er mit der Miene eines Rich⸗ ters aus:Jetzt ſehe ich klar, Jemand von euch beiden kann nicht leſen!

Nun war es freilich nicht leicht für ihn zu ergründen, wer von den Zweien des Leſens unkun⸗ dig ſei, denn beide behaupteten mit Entſchiedenheit, dieſe Kenntniß zu beſitzen. Als der Vergleich der beiden Lesarten weiter geführt werden ſollte, warf Liſette hinter Flocke's Rücken einen ſo inſtän⸗ dig flehenden Blick auf Toldi, daß letzterer zur Nachgiebigkeit bei dieſer verwickelten Frage ſich be⸗ wogen fühlte. Auf Toldi's Unterſtützung rech⸗ nend, buchſtabirte ſie mit einem Eifer, der einer beſſern Sache werth geweſen, in folgender Weiſe: W⸗e⸗r un th⸗e⸗r ge H⸗e⸗r⸗r heuer Ungeheuer.

Toldi ſah bei dieſer wiſſenſchaftlichen Erör⸗ terung bald Liſetten, bald Herrn Flocke an und zu letzterem gewendet fragt er:Nun, Freund, was ſagſt Du jetzt dazu?

Ich, mein Lieber? antwortete Flocke ver⸗ legen.Was ſoll ich zu dem Buchſtabiren ſagen, Du weißt ja, daß ich die Brille nicht zur Hand habe.

Die ganze Sache iſt ſehr einfach, erklärte Toldi;wir buchſtabiren und leſen nach zwei ver⸗ ſchiedenen Methoden; ich nach der alten Buchſta⸗ bir⸗, Liſette nach der neuen Lautirmethode.

Aber es ſcheint, entgegnete Flocke,daß es noch eine dritte Methode geben muß, da es ſich

doch in dieſem Briefe zu allererſt um Tanzlektionen

handelte.

Das kann ſchon ſein, gab Toldi zu,aber Liſettens Methode iſt die neueſte und richtigſte. Doch, Freund, es iſt Zeit in die Balletprobe, gehſt Du jetzt mit mir?

Ich folge gleich! rief Flocke dem ſich em⸗ pfehlenden Freunde nach. Der Brief beſchäftigte ihn jedoch noch derart, daß ihm die Löſung des Räthſels

weit wichtiger ſchien, als alle Künſte Terpſichorens. Auch Liſette empfahl ſich und zwar mit der Be⸗ merkung, ſie wolle ihrer Tante die Nachricht von der bevorſtehenden Hochzeit bringen. Flocke blieb allein zurück. Ihn quälte der Gedanke, ob er plötz⸗ lich ein Narr geworden ſei, ohne es zu wiſſen, denn ihm war in der That von allem, was er heute erfahren: ſeiner unerreichbaren Dame, ſeinem Schuldner mit drei Namen, ſeiner Frau mit zwei Kindern der Kopf ſo wirr geworden, als ſchwirrte daſelbſt eine Wolke von Maikäfern herum. *(Schluß folgt.)

Die verlegene Braut.

Von Karl Ciſcher.

Iys iſt wohl Jedermann bekannt,

Daß man im Altenburger Land

* Wohl mehr als irgend in der Welt Auf Ehrbarkeit und Sitte hält. Da trifft man auch noch dann und wann Den echten deutſchen Biedermann. Der Jüngling reift voll Kraft und Muth Zum Mann mit unverdorb'nem Blut; Und manche Dirn' in Unſchuld ganz Mit Ehren trägt den Jungferkranz. So ſtellt' auch jüngſt ein Bauersmann Der Tochter eine Hochzeit an. Das Mädchen, ſchön und wohlgeſtalt, Erſt achtzehn frohe Sommer alt, Heran geblüht in Häuslichkeit, Bei Arbeit, Zucht und Sittſamkeit, In Unſchuld an der Mutter Herd, War ſie des beſten Mannes werth. Der Schulzenſohn vom Erbgericht, Ein Burſch mit rundem Angeſicht, Vom echten Altenburger Stamm, War ihr erwählter Bräutigam. Nun kurz, man ging zum Traualtar, Voran die Muſikanten⸗Schar, Die Sippſchaft drauf im ernſten Schritt, Ein Chor bekränzter Jungfern mit; Und jedes Aug' voll Neugier ſchaut Die ſchmucke, ſchanerglühte Braut. Nachdem die Trauung war vorbei, Das Gratuliren nach der Reih': Zog man vergnügt in's Hochzeitshaus, Und ſetzte ſich zum Abendſchmaus. Nur eine Tafel war gedeckt, Ein einzig's Licht nur aufgeſteckt, Doch fehlt' es nicht an Speis und Trank, An derbem Scherz und munt'rem Klang. Zuletzt kam noch nach Sitt' und Brauch (So war's beim Urgrößvater auch), Daß alles in der Ordnung ſei, Ein ſchmalzbegoß'ner Hirſebrei.