Heft 
(1859) 11 11
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G

Gefüllt bis an den obern Rand, Gleich vor der Braut die Schüſſel ſtand, Und mancher Krug von Zinn umher

In bunter Schau gefüllt und leer.

Die arme Braut, vom Durſt gequält, Die ſchleichenden Minuten zählt,

Wo endlich ſie, vom Zwang befreit, Entkäm' der Durſtverlegenheit.

Gleich vor der Braut beim Schüſſelrand Ein erſt gefüllter Humpen ſtand:

Doch duldet ſie des Durſtes Qual, Verleidet ſich das frohe Mahl

Aus allzugroßer Züchtigkeit,

Aus falſcher Scham und Ehrbarkeit. Reicht auch ein Gaſt von Ungefähr ZumProſit! ihr den Humpen her, So netzt ſie an des Kruges Saum Trotz allem Durſt die Lippen kaum. Doch jetzt ein halbbetrunk'ner Gaſt

Die ſchnuppenvolle Scher' erfaßt

Und putzt mit tölp'ſcher Hand das Licht;

Und putzt es aus der plumpe Wicht!

Jetzt, denkt die Braut, iſts rechte Zeit, Wo man vom Dunmſte ſich befreit;

Dem Krug von Zinn ſieht man's nicht an, Daß ich mir gütlich d'raus gethan;

Und eh' die Stube Licht erhellt,

Hab' ich den Krug ſchon hingeſtellt. Demnach die Braut mit blinder Haſt Den erſt gefüllten Krug erfaßt,

Und trinkt v'raus ſo nach Herzensluſt, Daß ſie beträufelt Kinn und Bruſt. Doch, eher als ſie ſich's verſah,

Kommt man mit Licht dem Zimmer nah, Und eh' die Stube Licht erhellt,

Hat ſie den Krug ſchon weggeſtellt. Allein, wie bebt die arme Braut,

Als ſie beim Licht ihr Unglück ſchaut! Das gute Kind ſtirbt faſt vor Scham,

Als nun an's Licht ihr Wagniß kam; Ihr Blut erſtarrt vor Schreck wie Blei: Der Bierkrug ſtand im Hirſebreil!

Ein Spielchen am Abend.

(Zu der Bilder⸗Beilage dieſes Heftes.)

Per Spiel, wie dort, im Kerzenſchein

. 2. Der Stube wie im Kämmerlein,

D'

Wo mild des Mondes Dämmerlicht

Durch's grünumrankte Fenſter bricht.

Hier Kartenſpiel, dort Liebesſpiel. Der Unterſchied beträgt nicht viel;

V V V

4 V

.

Aus Herrn Schwätz's Notizenbuche.

Eih deutſches Sprichwort ſagt zwar:

Mann ohne Weirb. Haupt ohne Leibn

aber gerade der Verheiratete weiß oft nicht, wo

ihm der Kopf ſteht.

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Worin kommen Schornſteinfeger und Schmeich⸗ ler überein? Beide Jommen durch Kriechen in die Höhe..

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Es heißt, Fleiß und Begeiſterung ſeien die Eltern des Ruhmes. Der Ruhm von heute denkt ſich: Du ſollſt Vater und Mutter verlaſſen und dem Weibe anhängen, und ſo folgt er der Reklame.

Von allen Mesalliancen

Mag wohl die ärgſte ſein,

Wenn ſich mit gemeinem Waſſer Verbindet der edle Wein.

Der Nächſte ſoll dir immer vorgehen, darum ärgere dich nie ſelbſt zuerſt, ſondern lieber Andere.

Man pflegt zu ſagen:Alte Liebe roſtet nicht. Das kommt wohl daher, weil kein Liebesband von Eiſen iſt.