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Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
am Genicke hängt ein Haarſchopf. Der Menſchen⸗ ſchlag der Hana iſt überaus ſchön und wohlgebildet.
Der Hanak iſt gutmüthig und freundlich; beim Gruß ſtrengt er ſich jedoch nicht ſehr an, und char— akteriſtiſch iſt ſeine Weiſe, wie er mit der Hand nach dem Hinterkopfe, fährt, den Hut ein wenig in die Höhe drückt und ſich bei dieſer Gelegenheit hinter V dem Ohre kratzt. Betritt der Fremde einen Tanz⸗ boden, findet er ein freundliches Willkommen, wel⸗ V ches darin beſteht, daß ihm ein Mädchen oder ein Mann mit dem Bierkruge entgegengeht.
Der Tanz iſt ſehr einfach, er beſteht in einem einförmigen Herumdrehen. Lebendiger, plaſtiſcher er⸗ ſcheinen die Schwänke und Tänze der Burſchen, welche ſie zur Beluſtigung der Frauen aufführen.
Die Nahrung der Hanaken iſt überaus ein⸗ fach; ſie beſteht meiſt in Mehlſpeiſen, Fleiſch wird nur an Feſttagen genoſſen.
In der Hana haben ſich viele eigenthümliche Gebräuche erhalten, deren Erforſchung dem Ethno⸗ grafen eine reiche und intereſſante Ausbeute ge⸗ währen kann.
Böhmiſche Faſchingsſpiele.
Von Alfred Waldan. III. Voraeky.
A f 8 ine in ſehr vielen Dörfern Böhmens noch heutzutage lebenskräftig waltende Faſtnachts⸗ ce ſitte iſt das Feſt Voradky. Am Faſchings⸗ G ſonntag nämlich beſtellen die Burſchen die J Muſikanten und gehen mit ihnen in alle Häuſer, wo Mädchen ſind. Jedes muß zu
dem genannten Feſte einen Geldbetrag beiſteuern, manchmal ſelbſt fünf Gulden Konv.⸗Münze. Jene Maid, welche die größte Freigebigkeit zeigt, kann verſichert ſein, daß ſie nicht blos während der drei Faſchingstage, ſondern auch bei allen Muſiken im Jahre von den dankbaren Burſchen am meiſten zum Tanze genommen wird. Ihr widerfährt auch noch die beſondere Auszeichnung, daß man ſie Abends feierlich zum Tanze abholt. Mit den gewonnenen Geldern bezahlen die Burſchen die Muſikanten, trak⸗ tiren die Mädchen mit Roſoglio und Zuckerwerk, und tanzen, ſingen und jubeln faſt ohne Unterbre⸗
chung bis zum Anbruch des Aſchermittwochs. Am Faſchingsdienſtag haben die Mädchen das Recht,
ihre Tänzer zu wählen, zahlen aber dafür Trunk und Muſik. So geſchieht es z. B. in der Gegend von Tauß(Domallice), und dieſe iſt noch eine von den wenigen, wo die idylliſch einfache altböh⸗ miſche Tanzmuſik noch eine Lebenskraft beſitzt; ihre Repräſentanten ſind der Dudelſackpfeifer und der
Geiger(dudâk a houdek). Keine Melodie iſt den dortigen Landleuten lieber und theurer, als die des Dudelſackes; ſelbſt nach dem Ballorcheſter eines Strauß könnten ſie nicht vergnügter und beſſer im Takte tanzen, als nach den bizarren Tönen jenes patriarchaliſchen Inſtrumentes. Darum kann man ſie auch ſo oft rufen hören:„Dudàâk a houdek, to jsou chlapci, ti hraju, ax srdce V téle skäde!“ (Der Dudelſackpfeifer und Geiger, das ſind Bur⸗ ſchen, die ſpielen, daß das Herz im Leibe hüpft!)—
In vielen Dörfern, wo die Voradky gehal⸗ ten werden, ſind mit denſelben auch diverſe Mas⸗ keraden in Verbindung gebracht. Am Faſchings⸗ dienſtag Vormittag ziehen einzelne kleine Gruppen von Kindern, als Bären verkleidet, von Haus zu
Haus. Ein Knabe hält ein mit drei oder vier Schnüren ſaitenartig überſpanntes Brettchen und
ahmt die Handbewegungen! eines Guitarreſpielers nach, während ſich die übrigen um ihn herum in der Stube drehen, den Bärentanz gut nachahmend, und dabei in dumpfen Tönen brummen:
„Der alte Bär aß
Schon eine Woche nicht;
Die alte Bärin
Briet ihm eine Lunge,
Daß er eſſe.“
Hernach bekommen ſie von der Hausfrau einige Krapfen geſchenkt und verfügen ſich in das nächſte Haus, wo ſie die nämliche Szene aufführen. Am Nachmittage kommen dann in der ſchon zu Anfang beſchriebenen Weiſe die Erwachſenen und auch ſie ſind ſehr oft maskirt. Dieß geſchieht häufig auf eine ſehr einfache Weiſe. Das Geſicht wird mit Eidotter beſchmiert und nun bläſt man in einen Mehlkaſten, was die natürlichſte Larve gibt.— Nachdem die Umzügler ihren Tribut„auf Bier“ in Empfang genommen, müſſen alle Frauensper⸗ ſonen des Hauſes, junge und alte, mit ihnen län⸗ gere Zeit in der Stube tanzen, damit dem Volks⸗ glauben gemäß im nächſten Sommer eine lange Gerſte wachſe.
Nach der Rückkehr in das Wirthshaus wer⸗ den allerlei witzige Späße und Mummereien aus⸗ geführt. In der Regel wird ein koloſſales Paar vorgeſtellt, die Frau in einem ungeheuren Reifrock, mit obligatem Buſen aus Werg und einer Locken⸗ perücke aus Stricken.—
Wenn die Voracky ſich ihrem Ende zuneigen und ſomit auch ſchon die Trauerfahnen des Aſcher⸗ mittwochs heranwehen, da heißt es nun, in der Schänke„den Faſching zu begraben“(pochovati masopüst). Da wird die Baßgeige(gewiſſermaßen die verkörperte Faſchingsluſt) mit Frauengewändern bekleidet, mit Bändern geſchmückt und auf zwei Stühle gelegt; zahlreiche Buben fangen an zu flennen und den Tod der Baßgeige zu bejammern. Indeſſen ſtellen zwei Muſikanten die Miniſtranten des dritten dar, ſchwingen Mörſer ſtatt Rauchfäſ⸗ ſer und verrichten allerhand parodiſtiſche Begräb⸗


