Heft 
(1859) 11 11
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338Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

jetzt iſt, gehört es der Neuzeit an, iſt von Schwan⸗ thaler ziemlich treu dem alten verwitterten, im Jahre 1318 geſetzten Steine nachgebildet und von den Mainzer Frauen und Jungfrauen dem zarten Dichter holder Frauenminne geweiht.

Das hohe Schiff der Kirche ſtützen Säulen⸗ reihen, ſchmücken Gemälde und Seitenkapellen, den hohen Chor mit dem Hochaltar ſchöne Glasmale⸗ reien und manch' andere kunſtreiche Verzierungen. Vierundzwanzig große und kleine Altäre befinden ſich in der Hauptkirche und den Kapellen, an denen zu verſchiedenen Zeiten Meſſen geleſen werden. Der Dom zu Mainz iſt die vierzehnte größte chriſtliche Kirche der Welt und ſein hohes, ſäulengetragenes Gewölbe erfüllt die Seele mit Staunen und Ehr⸗ furcht, wie die geheimnißvoll ſtillen Niſchen und Seitenkapellen das fromme Gemüth zu heiliger Andacht. Doch eilen wir die breiten Stufen hinan auf den Hauptthurm, um, ehe wir den Dom verlaſſen, noch einen Blick über die Stadt und das ganze ſchöne Rundgemälde zu werfen. Wohl ließe

ſich noch vieles Intereſſante in den, engen Gaſſen erſpähen, denn manches alte klöſtedliche Gebäude

erhebt ſich in dunkler Maſſe zwiſchen ethnen, manch' hoher Giebel erweckt Erinnerungen äns der Ge⸗ ſchichte und erzählt von dahingegangenen Geſchlech⸗ tern, ihrem Ruhme, ihrem Glücke un ihrem Ver⸗ falle, mancher berühmte Name Wi uns herauf⸗ tönen, doch uns erfaßt Sehnſucht nach der ſchönen heiteren Gegenwart und raſch erheben wir das Auge von dem Gewirre der Häuſermaſſen über die Feſtungswerke hinweg und ſchauen hinaus in die helle, lachende Welt, auf den theuct Strom mit ſeinen dampfenden und bewimpelten Schiffen, und hinüber und herüber, auf⸗ und abwärts, wo in buntem Felde freundliche Dörfer, in grünem Walde leuchtende Schlöſſer ſich zeigen. 4 Es zieht uns mächtig hinaus in die freie N⸗ tur zu Vögelſang und Blüthenduft, und der ſchönte ſtädtiſche Park lockt uns jetzt vor Allem an. Wenige Schritte vor dem nach Süd⸗Oſt gelegenen Muthore betritt man dieſe geſchmackvolle Anlage, die in früherer Zeit im churfürſtlichen Park mit einem Luſthauſe war und nach ſeinergZerſtörung bei der Belagerung von Mainz am Ende des vorigen Jahr⸗ hundertes ein Eigenthum der Stadt wurde, die einen öffentlichen Garten hier anlegen ließ. Wo jetzt das Reſtaurationsgebäude ſteht, lag einſt das große Kloſter der Karthäuſer⸗-Mönche.Es iſt dieß der höchſt gelegene Punkt des Gartens, und auf dem freien Platze hier hat man eine ſo großartige und reizende Ausſicht, wie man ſie wohl ſelten ſchöner in Deutſchland treffen dürfte. Zu dem Genuſſe einer wahrhaft bezaubernden Natur kommen auch noch

Taunusbädern, Soden, Wiesbaden, Schlangenbad und Schwalbach ſtrömen an dieſen Tagen Tauſende in die Mainzer Anlagen, um zu hören, zu ſehen, zu ſtaunen und zu bewundern, wohl auch mitunter um geſehen und bewundert zu werden. Die Meiſten wohl kehren am Abende befriedigt in ihre Heimat zurück.

Wir durchwandern ſchnell den Park, denn von ſeiner Terraſſe aus ziehen uns gar zu ſehr die ſon⸗ nigen Hügel des Rheingaues an. Der kleine Wald⸗ meiſter fällt uns ein, der dort mit der Prinzenſſin Rebenblüthe ſein Vermälungsfeſt feierte, und wohl alljährlich wiederkehrt, um mit ſeiner ſüßen Ge⸗ malin auf ihrem ſchönſten Beſitzthume in Luſt und Wonne zu ſchwelgen, und in liebenswürdiger Hu⸗ manität den fröhlichen Menſchenkindern etwas da⸗ von mitzutheilen.

Dort auf dem Rheine ruht ein Dampfer zur ſchnellen Fahrt aber nein er eilt uns zu ungemüthlich dahin; ein kleiner Nachen ſteht beſcheiden daneben; der ſoll uns langſam abwärts rudern, an den grünen Auen vorüber nach Bieb⸗ rich; dort landen wir, und begrüßen und be⸗ ſchauen dieſen reizenden Ort und ſeine freundliche Umgebung.

(Fortſetzung folgt.)

Volkstrachten in Oeſterreich. mI. Die Hanaken.

ener geſegnete Landſtrich Mährens, welcher ſich rings um Olmütz zu beiden Seiten der SMarch, am weiteſten aber in nordöſtlicher und (39 ſüdöſtlicher Richtung, ausbreitet, iſt die durch Jeihre Fruchtbarkeit bekannte Hana, der Wohn⸗ f ſitz des durch eigenthümliche Tracht und Sitte merkwürdigen Stammes der Hanaken. Indem wir auf die ethnografiſche Schilderung dieſes Völkchens, welche das Märzheft derErinnerungen 1857 brachte, zurückverweiſen, laſſen wir hier theils zur Ergänzung der erwähnten Skizze, theils zur Er⸗ klärung des beigedruckten Trachtenbildes einige No⸗ tizen folgen.

Der Boden der Hana iſt mit Ausnahme eines kleinen Theiles dieſes Landſtriches ſpiegeleben, ſchwarz von Farbe und fettig anzufühlen. Wie ſehr auch den Oekonomen dieſe Beſchaffenheit des Bodens

erfreuen mag, ſo findet hingegen der Landſchafts⸗

zu Zeiten recht feſſelnde Kunſtgenüſſe, die den Som⸗

mer über Tauſende von Fremden hier zuſammen⸗ 5

führen. Die Muſikchöre der preußiſchen und öſter⸗ reichiſchen Garniſon geben abwechſelnd Konzerte hier

im Freien. Von Frankfurt, Manheim, den nahen

T

maler daſelbſt keine feſſelnden Reize. In der gan⸗ zen weiten Ebene ſind unendlich wenig Bäume zu ſehen, da der Hanak auf Obſtkultur wenig hält. Die meiſten Dörfer haben zwei, drei wilde Birn⸗ bäume, welche den einzigen Zierath in den Lehm⸗ bauten bilden.