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Paul Stein: Skizzen aus dem Rheingau. 337
ſicht kehrt der Erfinder der Buchdruckerkunſt dem Muſentempel zu. Gegen Morgen ragt in ſeiner Nähe der koloſſale Dom empor und ſchaut ernſt zu dem Manne hernieder, der durch ſeine große Erfindung auch der fernen Zeit, welcher jener Bau ſeine Ent ſtehung verdankt, freundlich die Hand reichte, um ihre tiefe religiöſe Bedeutung auch der fernſten Nachwelt auſzubewahren.-
Begeben wir uns in dieſes unſtreitig merk würdigſte Gebäude der Stadt, in den Dom, an welchem Jahrhunderte gebaut wurde. Schon 978 legte der fromme Erzbiſchof Willigis den Grund ſtein, doch wurde damals im Jahre 1009 nur ein kleiner Bau von Holz vollendet, der bei ſeiner Einweihung in Brand gerieth und gänzlich wieder zerſtört wurde. Aehnliches Schickſal hatten ſpätere Bauten und erſt im Jahre 1340 wurde faſt von Grund aus der Dom in ſeiner jetzigen Geſtalt be gonnen und im Laufe der Zeiten vollendet; doch auch in maſſiverer Form hatte er noch manch' zerſtörende Gewalten zu überwinden. Blitzſtrahl und Kanonendonner beſchädigten ihn zu verſchiedenen Malen und neue Wunden brachte ihm auch die Kataſtrophe des 18. Nov., doch ſind dieſe weniger be merklich als die kopfloſen Seitenthürme, welche ſehr laut die Zerſtörungswuth der neueren Zeit anklagen.
Eine der intereſſanteſten Sehenswügndigkeiten des Domes zeigt ſich, noch ehe man denſelbenbe⸗ tritt. Es ſind dieß die ſogenannten Willigisthüren an dem Haupteingange der Nordweſtſeite. Sie ge hörten früher zu der Liebfrauenkirche, die neben dem Dome ſtand, wurden bei deren Demolirung hieher gebracht und paſſen ganz genau an dieſen Eingang. Sie ſind von Erz und auf ihnen iſt der Inhalt eines Freibriefes eingegraben, den Adal bert I. Mainz aus Dankbarkeit ertheilte, als ſeine muthigen Bürger ihn aus harter Gefangenſchaft befreiten, in welcher Heinrich V. ihn hielt.
Nahe an dieſer Eingangspforte befindet ſich das älteſte Denkmal, das wir deßwegen und weil ſich eine Sage an Karl den Großen daran knüpft, näher betrachten wollen. Es iſt freilich nur eine ganz einfache Marmortafel mit den arabiſch⸗gothi ſchen Ziffern 794, aber ſie erweckt viele Erinne rungen und unſere Phantaſie ſieht ſogleich auf ihr jenes prachtvolle Denkmal ſich erheben, welches Karl der Große ſeiner heißgeliebten Faſtrada errichten ließ. Dieſe einfache Tafel war wohl nur der Grabesdeckel, den man aus der St. Albans kapelle in den Dom rettete, als jenes reiche Mar⸗ mormonument mit Gold und Bildſäulen verziert zerſtört worden war, deſſen Inſchrift in lateiniſcher Sprache, wie Geſchichtsforſcher ſagen, alſo lautete: „Eingeſcharret ruhet allhier Faſtradens welkende Leiche, Welche der ſchreckliche Tod, da ſie noch blühte, gemäht. Selbſt eine Fürſtin war ſie mit dem mächtigſten Für⸗
ſten vermälet, Aber als himmliſche Braut iſt ſie jetzt edeler noch.
Uns iſt von ihr der beſſere Theil, der König geblieben;⸗—
Ihm geb' der gütige Gott längeres Leben als ihr.“ Erinnerungen. 1859.
Die Sage erzählt: Kaiſer Karl liebte dieſe ſeine dritte Gemalin ſo überaus, daß er ſich nie von ihr trennen konnte, und als ſie ſtarb, ſich ſelbſt an ihren verweſenden Leichnam ſo feſt gefeſſelt fühlte, daß er ihn nicht zur Erde beſtatten ließ. Dieſe übermäßige und für ſeine Umgebung höchſt unangenehme Zuneigung ſchrieb man einem gehei men Zauber zu; und es ergab ſich auch, daß es alſo war. Die ſchöne Faſtrada beſaß einen Zauberring, den ſie vor ihrem Tode noch in ihre langen Haare einflocht, und der Kaiſer vermochte nicht, ſich von ihr zu trennen, ſo lange der Ring an ihrem Körper haftete. Der Erzbiſchof von Mainz entdeckte zuerſt dieſes Geheimniß, auf welche Weiſe, iſt unbekannt, und löſte den Ring aus dem Haare der todten Kaiſerin und ſteckte ihn zu ſich. Da gab Karl den Bitten ſeiner Höflinge nach und Faſtrada'’s Leichnam wurde von Frankfurt nach Mainz gebracht und dort in der St. Albanskapelle beigeſetzt, wo der Kaiſer ihr jenes herrliche Denk mal ſetzen ließ.
Der Erzbiſchof frohlockte über die Zauberkraft des Ringes, denn die kaiſerliche Gunſt überhäufte ihn jetzt mit Zeichen der Gnade aller Art; doch dieſe große Vorliebe des Kaiſers für den Erzbiſchof wurde ſo außerordentlich, daß dem guten Herrn bald angſt und bange wurde. Der Kaiſer wollte ſeine Nähe gar nicht mehr entbehren und die geiſt liche Macht ſah ſich ſtörend beengt durch die kai ſerliche Liebe. Da beſchloß der Erzbiſchof, ſolch' übermäßigen Glückes überdrüſſig, dieſe unnatürliche, unchriſtliche Zauberei zu löſen und warf den Ring unter beſchwörenden heiligen Formeln in die Ge wäſſer bei Aachen und glaubte damit das Teufels ſpiel beendet. Aber der Liebeszauber wirkte fort. Zwar wurde die Perſon des geiſtlichen Herrn da von befreit, doch Aachen, in deſſen Quellen der Zauberring der geliebten Faſtrada lag, wurde dem Kaiſer jetzt vor allen andern Orten theuer. Er ließ ſich einen prächtigen Palaſt dort erbauen, gründete allda eine Stadt und beſuchte nur noch höchſt ſelten die früher bevorzugten Städte Ingel heim, Mainz, Frankfurt, Worms und andere mehr, wo er einſt mit Faſtrada ſo glücklich geweſen, und lebte ausſchließend in Aachen bis an das Ende ſeiner Tage. Der Zauberring ſoll aber auch noch die ganz beſondere und geheime Kraft beſeſſen ha⸗ ben, von der jedoch nur der Kaiſer zu erzählen wußte, daß er nämlich, trotz anderer Liebhabereien, die er hervorrief, das ſchöne Bild Faſtradens nie in ſeinem Herzen erlöſchen ließ.
Keine Kirche in Deutſchland iſt wohl ſo reich an Monumenten und Grabmälern, als der Dom zu Mainz. Seine Säulen und Kapellen ſind faſt überladen damit und zeigen manches ſchöne und ſinnige Kunſtwerk. In dem großen Kreuzgange be⸗ findet ſich unter andern auch das Monument Hein⸗ rich Frauenlob's, dieſes berühmten Minneſän⸗ gers aus dem dreizehnten Jahrhunderte. Wie es
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