Heft 
(1859) 11 11
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Paul Stein: Skizzen aus dem Rheingau. 335

die verhängnißvollen, ſchauererregenden Pulver thürme. Wendet man den Blick davon ab und hin über nach der rechten Seite des Rheines, ſo fällt er auf Kaſtell, dieſe kleine Feſtung neben der gro ßen; doch ſieht man außer dem Brückenkopfe und der am Ufer des Rheines lange ſich hindehnenden Kaſerne wenig von ſeinen Befeſtigungswerken. Das

ſtrome und der Mündung des Mains iſt äußerſt günſtig für Handel und Induſtrie, was durch die Eiſenbahnen noch ſehr gefördert wird, allein die beengenden Feſtungsmauern ſtehen ſtörend einem ſo raſchen Aufſchwunge entgegen, wie er ſich in der letzten Friedensperiode in andern größeren Ufer ſtädten des Rheines geltend machte; doch iſt zu

kleine Städtchen ſieht freundlich aus mit ſeinem erwarten, daß die Intelligenz der Regierung hier

belebten Bahnhofe. In der Ferne aufwärts erblickt man den Odenwald mit dem weißen Thurme auf dem Gipfel des Melipokus; ge gen Nordoſt die hohen ab gerundeten Formen des gro ßen und kleinen Feldberges und des Altkönigs, nach Nordweſt dehnt ſich die lange Kette des üppig be⸗ waldeten Taunus oder Rheingaugebirges aus. So maleriſch und ſchön die Lage von Mainz iſt, eben ſo intereſſant iſt ſeine Geſchichte und Bedeutſam keit in früherer Zeit, eben ſo merkwürdig ſeine Denkmale, die aus der älte ſten Zeit, von Druſus bis in die Gegenwart reichen und aus jedem Jahrhundert Gedenkzeichen tragen. Die Ueberbleibſel von den Germanen und Römern reihen ſich denen des älteſten Chriſtenthums

an, dieſe wieder jenen des Mittelalters mit ſeinen

romantiſchen Thaten und großartigen Werken, aber auch ſeiner Verwilderung und ſeinem Aberglauben. Aus dieſer Zeit ſtrahlt die Erinnerung an Guten berg als ein leuchtender Stern; man ſieht die Stel len, wo er geboren wurde, wo er gelebt, gewirkt und gelitten hat, man ſieht das ſchöne Monument, das die dankbare Nachwelt dem großen Manne ſetzte, deſſen Erfindung ihm ſelbſt ſo trübe Lebensgeſchicke be⸗ reitete.

Mainz hat große und glückliche Zeiten geſehen, doch auch Zeiten der Schmach und des Unglücks, wie das wechſelvolle Schickſal es Städten und Ländern bringt. Nach der langen Periode ſei⸗ nes Churfürſtenthums, die abwechſelnd gute und böſe Häupter an die Spitze dieſer geiſtlichen Herr ſchaft ſtellte, wurde es Frankreich einverleibt, dann eine heſſiſche Provinzialſtadt und deutſche Bundes feſtung. Seine glückliche Lage an dem breiten Rhein

Ein Haus nach ver Pulverexploſion in Mainz.

hilfreiche Hand biete, damit der lebensfrohe Mainzer ſeine Vaterſtadt bald wie der nicht nur das ſchöne, ſondern auch das goldene Mainz nennen dürfe. Doch machen wir jetzt einen Gang durch die alte Rheinſtadt und ſehen wir uns von ihren Merkwür digkeiten erſt Einiges ge nauer an, ehe wir weiter ziehen nach dem ſchönen Rheingaue und uns dort feſſeln laſſen durch die an⸗ muthsvolle Pracht ſeiner üppigen Natur mit ihrer romantiſchen Färbung, die bald da, bald dort Bilder aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinzaubert und dieſen herr lichen Fluren einen ganz eigenthümlichen⸗Reiz ver leiht, indem ſie ihre Kloſtertrümmer, ihre verfalle nen Burgen, ihre Haine und den Fluß, der ſie durchſchlingt, mit Geſtalten längſt dahingegangener Jahrhunderte bevölkert, die bald in menſchlicher Größe und Schwäche, bald als geſpenſtige Weſen erſcheinen. Kehren wir vor allen Dingen in Mainz ein, und zwar recht vornehm zuerſt in dem ehemaligen chur fürſtlichen Schloſſe, einem vielverſprechenden, großarti gen Gebäude, welches die geiſtlichen Herrſcher erbau ten, als ihr früherer Wohn⸗ ſit, die alte Martinsburg, ihnen nicht mehr genügte. Dieſer ältere Wohnſitz der Churfürſten iſt gänzlich von

Der Mänſethurm. der Erde verſchwunden;

dagegen iſt das im Jahre 1627 erbaute Schloß noch wohlerhalten, und wo der Zahn der Zeit daran genagt, von der jüngſten Generation ſeiner jetzigen Beſtimmung entſprechend wieder hergeſtellt worden. Es hat ſich die einſtige Pracht der hohen Hallen und weiten Gemächer völlig umgeſtaltet, der luxuriöſe Prunk iſt ver ſchwunden und dafür haben Kunſt und Wiſſenſchaft ihren Sitz hier aufgeſchlagen. Alle Kunſtſchätze und