Heft 
(1859) 11 11
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Paul Stein: Skizzen

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aus dem Rheingau.

Skizzen aus dem Rheingan.

Von Paul Stein.

D inige Stunden oberhalb der Bundesfeſtung Mainz verkünden die am linken Ufer des Rheines ſanft auf⸗ ſteigenden Anhöhen, ſowie G) das näherrückende Taunus⸗ 0 gebirge eine immer inter⸗ eſſanter und romantiſcher werdende Umgebung die⸗ ſes ſchönſten deutſchen Stromes.

Das rheinheſſiſche Städtchen Oppenheim bil⸗ det gleichſam den Anfang davon.

Bieten auch die Städte Worms, Manheim, Speyer und noch manche andere am deutſchen Ober⸗ rhein in geſchichtlicher, induſtrieller und ſocialer Dezichan ungemein viel mehr Intereſſe dar, ſo fehlt ihnen doch das, was das Auge des Reiſenden nur ungern vermißt, eine romantiſche Umgebung, und eine ſolche hat das kleine Stüdtchen Oppen⸗ heim. Seine Lage Iſt ſehr maleriſch und feſſelt auf den erſten Blick. Die durch das Auge angeregte Phantaſie verliert ſih ſogleich bei der Ruine, welche über dem Städtchen lagert und durch eine alte Mauer mit demſelben zuſammenhängt, in längſt vergangene Zeiten, ſchmückt ſie aus und verweilt mit beſonderem Intereſſe an den bedeutſamen Er⸗ eigniſſen, unter denen dieſe einſt wichtige und feſte Stadt entſtanden und verſchwunden iſt, und wie auf ihren Trümmern der kleine Ort ſich wieder erhob, der ſo fpeundlich die Ueberreſte alter Herrlichkeit umgibt.

Oppenheim iſt eine uralte Stadt. Schon Dru⸗ ſus legte ein Kaſtell zum Schutze des Rheines auf jener Höhe an, wo man jetzt die Ruine ſieht, die in ſpäterer Zeit eine wichtige Feſte wurde und Landskron hieß. Lothar II. erbaute dieſe; ſie war zum zeitweiſen Aufenthalt des Kaiſers beſtimmt.

Die Hauptzierde der Stadt jedoch iſt die herr⸗ liche St. Katharinenkirche, eines der ſchönſten Werke deutſcher Baukunſt aus der Zeit ihres reinſten Styles. Ihr Bau wurde im Jahre 1262 begon⸗ nen und 1317 vollendet, theilweiſe im wechſelvol⸗ len Laufe der Jahrhunderte wieder zerſtört und ein

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größerer Theil ſeines Innern in der neueſten Zeit wieder hergeſtellt.

Eine majeſtätiſche Erinnerung vergangener gro⸗ ßer Zeiten, ragt dieſer Tempel aus dem modernen Städtchen mit ſeinem geſchäftigen Treiben und ſei⸗ nem dampfbewegten Leben empor. Seine drei Thürme ſtreben bedeutungsvoll himmelwärts, eine ernſte und troſtreiche Mahnung dem flüchtigen Men⸗ ſchenleben, das ſich unter ihnen bewegt. Zwölf Säulen aus rothem Sandſteine mit prachtvollen Knäufen ſtützen die dreifache Wölbung der Kirche, und ſchöne Bildwerke, wohlerhaltene und erneuerte Glasmalereien Firren ihr Inneres. Auch findet man einige intereſſante alte Grabmale daſelbſt.

Aus dieſem Heil Athumne wird man in zwei Gewölbe geführt, die ſich hinter demſelben befinden, allein die feierliche, friepliche Stimmung, welche man von da mitbringt, weicht hier einem Schau⸗

der, einem Entſetzen über menſch liche Thaten. Dieſe Gewölbe ſind angefüllt mit

Todkenſch ädeln und menſchlichen Gebeinen, welche, wie die zeage gel ht, von Saheden dund Spaniern herrühren, die im mit Aander i ſorhten in dem die Waffen des Schwedenkönigs ſiegten, der nach zweitägiger Schlacht die Stadt eroberte und nach einem etwas länger

andauernden Angriffe auch die Feſte Landskron nahm, welche die S

panier mit der äußerſten Hart⸗ Der ſpaniſche General

näckigkeit vertheidigten. Stadt und Feſte

Spinola hatte zehn Jahre früher genommen.

Oppenheim verfiel während dieſes Langen und grauſamen Religionskrieges manch' wechſelvollem Schickſale, doch erſt ſpäter, im Jahre 1689, wurde es ganz zerſtört durch den berüchtigten franzöſiſchen Melac, der ſeine Mord⸗ und Brandluſt auch hier zeigte und die Stadt an ſechs Orten zugleich anzünden ließ. Sie wurde ein Schutthaufen; nur ein einziges Haus und die hoch oben gelegene St. Katharinenkirche blieben von den Flammen verſchont.

Mit dieſer furchtbaren Kataſtrophe ging die Bedeutſamkeit von Oppenheim zu Ende; es konnte ſich aus dieſer gänzlichen Zerſtörung nicht mehr zu ſeinem früheren Glanze erheben; ſeine großen rei⸗ chen Gebäude waren vernichtet und ihre Beſitzer ſuchten ſich andere Wohnplätze. Nach und nach aber erhob ſich wieder auf den Trümmern alter Herrlichkeit und den Ueberbleibſeln früheren Glan⸗ zes ein blühender Ort, in dem Wohlſtand, Luſt und Freude einkehrten.

Auf ſeinen Höhen und in ſeiner Ebene. ge⸗ deihen ein vorzüglich feuriger Wein, edles Obſt und Feldfrüchte aller Art; in Mitte ſeiner alten Mauern herrſcht ein reges Leben, denn in ihnen drängen ſich Handel und Induſtrie, Gewerbe, Wein⸗ und Ackerbau treibende Menſchen zuſammen. Seine jetzigen Bewohner ſind ein friſches, lebenskräftiges

Völkchen, das in jeder Beziehung den Fortſchritten