332 Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
ich dachte nur auf Euern Fall! Jakob weiß Alles, ich habe Euch verrathen. Er iſt in der Nähe mit ſeinen Trabanten. Um meines Heiles willen flieht Cäſar, flieht noch, daß nicht auf mir der ſchwere Vorwurf laſte, Euer Blut vergoſſen zu haben!“
Johanna fiel in ihren Seſſel, und barg ſchluchzend das Antlitz in den zitternden Händen. Cäſar ſprang, ſeiner nicht mächtig, auf und riß den Dolch aus der Scheide.
„Ihr habt mich verrathen, der ich reuig zu Euch kam? So erſterbe denn der letzte Funke menſchlicher Regung in meiner Bruſt!“
„Seid barmherzig, Cäſar, meines, Eures Heiles willen!“
„Barmherzig? Mit Dir, ſchwaches elendes Weib? Fürchte nichts, dieſer Stahl hat ein ande⸗ res Ziel als Dein Herz!“
„Jakob, willſt Du noch jetzt Rache?“ rief Johanna und halb ſich erhebend blickte ſie mit fieberiſch glühenden Augen nach der Thür, wo Jakob von einigen Bewaffneten umgeben erſchien.
„Ich will ſie!“ rief er.„Cäſar, Euer Mord⸗ ſtahl trifft nicht meine, ſondern— Eure Bruſt!“
Einen Augenblick ſtand Cäſar wie nieder⸗ gedonnert da. Keine Fiber zuckte in ſeinem Geſichte. Doch bald löſte ſich die ſtarre Lähmung. Mit blitzen⸗ den Augen, furchtlos, herausfordernd ſchritt er gegen Jakob.
„Zittre nicht!“ rief er,„ich danke es dem Ver⸗ rathe, der verhindert, daß ich meine Hand ent⸗ weihe. Genug des Schlimmen iſt geſchehen, als ich Dir zu Seite ſtand. Ich danke Dir, wenn Du mir den Tod gibſt, denn Verſöhnung ſtrömt mir erlöſend aus ihm entgegen. Als Sterbender ſtehe ich vor Dir und furchtbar ſchalle Dir mein letztes Wort: Laß die Königin, die echte Erbin des Thro⸗ nes, an Deiner Seite das Land beherrſchen, dann blüht Segen und Heil Dir und dem Lande. Doch verharrſt Du auf Deinem jetzigen Thun, ſo verkünde ich Dir, daß aus meinem Blute mein und Jo⸗ hanna's Rächer erſtehen wird!“—
Ruhig ließ ſich JZulius Cäſar von Capua in ſein Gefängniß nach Vicaria führen.
Auf König Jakob wirkte dieß Ereigniß mäch⸗ tig ein, eine gewaltige Warnung war ihm Cäſar's That. Der Freund, welchem er Dank und Liebe ſchuldig war, hatte gegen ihn den Dolch erhoben; konnte Cäſar nicht Nacheiferer finden im unzufriede⸗ nen Neapel und die Kunde von ſeinem Falle nicht neue Erbitterung ſchaffen? Den einzigen Ausweg zeigten Cäſar's letzte Worte, und ihrem Rathe folgend erleichterte Jakob Johanna's Los, theils von Dank geleitet, daß ſie ſein Leben erhalten, theils von Furcht getrieben.
Julius Cäſar's Schickſal war beſchloſſen. wei T cei 1 1 4 Zwei Tage reichten hin, um ihn zu verurtheilen und das Schaffot beſteigen zu laſſen. Mit ſeinem Schreiber Alfonſo wurde er enthauptet, ihre Kör⸗
hätte.
per wurden in der Nunziata beſtattet, die Häupter aber zur eig'nen Schmach Jakob's, der an ſeinem ehemaligen Freunde noch im Tode ſo hart handelte, auf einen Pfahl geſpießt und öffentlich ausgeſtellt.
In Neapel herrſchte gedrückte, trübe Stim⸗ mung; kein Herz ſchlug mehr frei. Jakob's Macht ſchwebte drohend und jede Regung ſogleich blutig unterdrückend über der Stadt, und keiner der Edel⸗ leute fand ſich, der tollkühn ſich dagegen erhoben Doch Johann a'’s Freiheitstag, wie ihn Cäſar vorhergeſagt, mußte doch erſcheinen.
Im Jänner 1416 fiel Cäſar, und im De⸗ zember desſelben Jahres war auch Jakob's Herr⸗ ſchaft zu Ende. Als einſt in Neapel ſich die Nachricht verbreitete, Johanna ſei bei einem Feſte in der Stadt anweſend, das ein reicher florentiniſcher Kauf⸗ mann in ſeinem Garten veranſtaltet, während der König im Caſtel nuovo verweile, da tauchte blitz⸗ ſchnell in Jedem der Gedanke auf, jetzt oder nie könne Johanna befreiet werden. Volk und Adel ſcharten ſich bewaffnet zuſammen, und als Jo⸗ hanna abgehärmt, traurig lächelnd durch die Stadt ritt, brach die Empörung aus. Mit dem Rufe:„Es lebe Königin Johanna!“ führten die jungen Edelleute Ottina Caraccioli und Anec⸗ chino Mormile ſie in den erzbiſchöflichen Palaſt, wo ſie ihre Reſidenz aufſchlug und vor dem das Volk jubelnd Wache hielt.
Jakob flüchtete auf die Kunde davon in das Caſtel del Ovo, hinter deſſen vom Meere beſpül⸗ ten Mauern er ſich für ſicherer hielt, doch die be⸗ geiſterten Neapolitaner erklärten laut, ſie wollten unumſchränkte Herrſchaft Johanna's und ver⸗ langten zum Sturme auf das Caſtel del Ovo ge⸗ führt zu werden.
Jakob mußte nachgeben, und ein Vertrag kam zu Stande, der nämliche, der ſchon Anfangs gelten ſollte. Johanna ſollte Jakob als ihren Gatten anerkennen, der zum Großvikar des Reiches ernannt wurde, ſich aber ſonſt in Johanna's Regierung nicht einzumengen hatte.
Sforza und ſein Sohn Francesco— der nachmalige Herzog von Malland, kehrten reich⸗ beſchenkt und mit hohen Würden bekleidet an Jo⸗ hanna's Hof zurück, und Friede herrſchte in Ne⸗ apel— doch nur für kurze Zeit, denn Johanna's Schwäche brachte bald wieder neue Verwirrungen hervor.
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