330 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Sünden meines Lebens, ich will ſie geduldig tra⸗ gen, will nicht durch thörichte Hoffnungen meinen Frieden und das Leben Anderer in Gefahr bringen.“
„Königin, der Groll glüht fort in Eurem Herzen! So vernichtet Euch ſelbſt, Ihr wollt das, da Ihr mir nicht vertrauen könnt! Kein günſtiger Stern leitete mich zu Euch und ſo walte denn
auch fortan das böſe Geſchick!“
Julius Cäſar wollte das Zimmer verlaſ⸗ ſen, die Königin hielt ihn zurück, ein neuer Vorſatz ſtieg in ihrem Herzen auf.
„Cäſar, ich will Euch glauben,“ ſprach ſie leiſe,„verzeiht der oft Getäuſchten ihren Argwohn.“
„So folgt Ihr mir?“ rief Cäſar freudig. „O, ſprecht noch ein Wort der Zuſtimmung, der Verſöhnung, ehe ich ſcheide!“
In dieſem Augenblicke öffnete ſich die Thüre, Berlingiero ſtand an der Schwelle. Cäſar, ſich verrathen wähnend, fuhr erſchrocken zuſammen. Die Königin riß ihn aus der Verwirrung, indem ſie ſprach:
„Alſo, Cäſar, vergeßt nicht auf den von Euch verſprochenen Schmuck. Ihr wißt, auf die
rung deckte die Gegend.
die Edelleute Neapels feierten, um durch den rau⸗ ſchenden Jubel den Unmuth in ihrem Innern zu betäuben. Doch freudig und hoffend blickten ſie auf Cäſar's ernſtes Sinnen, das ihnen ein ſicheres Zeichen ſeiner auflebenden Thatenluſt dünkte, und ſein Erſcheinen bei ihrem Feſte war ihnen Bürge, daß er mit ihnen für die Königin wirken wolle. Gerne gaben ſie ſich dieſen angenehmen Träumen hin und ſtürzten ſich jubelnd in die Arme der Luſt.
Alfonſo, der Geheimſchreiber des Grafen von Capua, trat zu dieſem.
„Haſt Du Alles vorgeſehen? Wir ſind auf unſere eigene Kraft gewieſen! Blick hinein in die⸗ ſes Hin⸗ und Herwogen, wo Alle dem Vergnügen ſich hingeben, als ob die geſegneteſte Zeit Neapel lächelte! Keiner wagt ein offenes, kühnes Auftreten! So will ich denn allein handeln!“
„Alles iſt bereit; am frühen Morgen iſt die gelegenſte Zeit zu unſerem Vorhaben!“ antwortete Alfonſo.—
Cäſar trat an's Fenſter. Graue Dämme⸗ Im Oſten begann ſich
der Horizont leiſe zu röthen.
Herrſchaft habe ich verzichtet und nach Pracht allein
ſehnt ſich mein Herz. Lebet wohl!“
Erleichterten Herzens verließ Cäſar das Ge⸗ mach. Die Königin athmete auf, als der Gehaßte aus ihrer Nähe war, in deſſen ſo lockendem Plane ſie nur ein Gewebe neuen Truges ſah. Sollte ſie ihm vertrauen und Jakob triumphiren laſſen, daß ſie in ſeine von Cäſar ihr ſchlau geſtellte Falle gegangen, oder ſollte ſie dagegen Allem vorbeugen und das Geſchehene Jakob offenbaren? War Cäſar angeſtiftet, ſo mußte der König mit der beſtandenen Prüfung ihrer Treue zufrieden ſein; meinte es Cäſar aber aufrichtig, ſo mußte ſie durch Jakob's Rettung die Gunſt des Königs und Cäſar's längſt erſehnten Sturz erreichen.
Johanna entſchied ſich für das Letztere.
„Berlingiero, kann ich meinen Gemal ſprechen?“
Dieſer nickte und verließ das Gemach. Nach einigen Augenblicken trat König Jakob ein, um zu ſeinem größten Erſtaunen aus dem Munde der von ihm gehaßten Johanna von Cäſar's Plane Kunde zu erhalten und hiedurch aus ſeinem Ver⸗ trauen auf Cäſar's Treue für immer geriſſen zu werden.
„Euch bereitete ſeine Falſchheit dieſe Trübſal,“ rief er,„und auch mich will er verderben! Daß ich Euch, Johanna, meine Rettung danke, werde ich nie vergeſſen. Er aber ſoll ſich ſein Verderben ſelbſt bereitet haben!“
Nächſtens erwarte ich Euch.
VII.
Düſter vor ſich hinblickend lehnte Julius Cäſar von Capua an einer Marmorſäule, theil⸗ nahmslos beim freudigen Gewoge des Feſtes, das
„So iſt bald die Zeit gekommen! Nun denn, an’s Werk!“—
Schweigend ſchritt Cäſar durch die Reihen der Edelleute dem Ausgange zu.
„Ihr wollt uns ſchon verlaſſen?“ riefen dieſe ihn aufhaltend.
Cäſar blieb ſtehen.
„Genug der Luſt,“ ſprach er ernſt,„die Nacht ſank herab und der Tag ruft zum Handeln. Be⸗ grüßt ihn, denn er ſtrahlt bald Eurer Freiheit!“
Verwundert ſahen ihm Alle nach, als er den Ort verließ, und ſuchten vergebens eine richtige Deutung ſeiner Worte.—
Julius Cäſar von Capua war im Caſtel nuovo angelangt. Sein Antlitz war geröthet, ſei es durch den Ritt am frühen Wintermorgen, ſei es durch die innere Aufregung und Sorge wegen ſeiner gewagten Unternehmung. In einem kleinen Gemache nahe dem Thore, das nach ſeinem An⸗ langen wieder geſchloſſen wurde, blieb er mit ſei⸗ nen als Kaufleute verkleideten Begleitern.
Hähmiſch lächelnd erſchien bald Berlingiero, ihm meldend, daß die Königin bereit ſei, ihn zu empfangen.
Cäſar verließ das Gemach und ſeine Beglei⸗
ter, dem voranſchreitenden Franzoſen folgend. Die Königin erwartete ihn.
„Alſo kann ich Euch wieder ſehen,“ ſprach er,
als Berlingiero ſich entfernt hatte,„Ihr habt
eingewilligt und ſo darf ich Eure Freiheit hoffen!“ „Ihr dürft es, Graf von Capual Die Wun⸗
den, die Ihr mir geſchlagen, werden nimmer ver⸗
narben, doch werde ich den lindernden Balſam, den
Ihr mir ſpenden wollt, nicht von mir ſtoßen! Ich komme gewährend Eurer Bitte entgegen, doch alle Verantwortung falle nur auf Euch!“
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