Heft 
(1859) 11 11
Seite
328
Einzelbild herunterladen

328 Erinnerungen. Illuſtrirte Bätter für Ernſt und Humor.

Streite gekommen, trotz der Uebermacht hätten wir uns zur Gewaltthätigkeit hinreißen laſſen, wenn nicht Jakob plötzlich in unſerer Mitte erſchienen wäre und ſich mit feſter ruhiger Stimme um unſer ſo laut angebrachtes Anliegen erkundigt hätte. ‚Un⸗ ſere Königin wollen wir begrüßen! lautete die Ant⸗ wort. Jakob war verlegen, was er thun ſollte; endlich entſchuldigte er Johanna mit Unwohlſein, das ihr es unmöglich mache, die Huldigung ihrer treuen Unterthanen entgegenzunehmen, weshalb er uns bitte, durch ihn unſern Gruß ihr zukommen zu laſſen. Mit ſeinem ſtechenden Blicke ſah Jakob uns an. Da trat der junge Ottina Caraccioli vor und rief:König Jakob, weniger zur Königin wollten wir als zu Euch, Euch wollten wir an Eure Pflichten erinnern. Ihr vergeſſet ſie. So höret denn unſer Wort: Behandelt Eure Gemalin, die wir ſtets unſere Königin nennen werden, wie es der Enkelin ſo vieler Könige ziemt. Und nur wenn Ihr ſie ehren werdet, werden wir Euch ehren und uns Eurer Herrſchaft fügen! Nach dieſen Worten drängten wir uns Alle um Jakob, der in der Noth verſprach, ſeine Pflichten zu erfüllen. Doch keine Frucht erwuchs aus unſerem Unterneh⸗ men, Jakob behandelt Johanna ſtrenger wie vor, er vermehrt ſtets ſeine Macht, um jeden Auf⸗ ruhr ſogleich erſticken zu können und der Unwille ſchleicht wie eine verzehrende Krankheit durch die Herzen Aller. Graf Julius Cäſar von Capua, auf Euch ſind Aller Blicke gewendet, man kennt Eure Abneigung gegen Jakob und hofft alles Gute von Eurer Erhebung!

Aufmerkſam hörte Cäſar ſeinem Geheim⸗ ſchreiber zu, dann ſprang er auf.

Man hofft auf mich, ich ſoll ihr Führer ſein? So grüße ich die That! Alfonſo, keine Macht reißt Jakob nieder, meine Hand allein ſoll ihn zerſchmettern!

Cäſar's Plan ſtand feſt, er reiſte mit Al⸗ fonſo nach Neapel.

Dort angelangt begab er ſich in's Caſtel nuovo und verlangte zur Königin geführt zu werden. Ber⸗ lingiero kam ihm entgegen; ſein lauernder Blick ruhte forſchend auf Cäſar, indem er ſprach:

Zur Königin wollt Ihr, Herr Graf? Iſt Euch denn nicht bekannt, daß ihr Unwohlſein jeden Beſuch bei ihr unmöglich macht?

Ihr Unwohlſein? rief Cäſar höhniſch; ſeit wann iſt es denn Sitte in Neapel geworden, durch ſolchen jämmerlichen Vorwand die Edlen von ihrer Herrin entfernt zu halten?

Seit Ihr, Herr Graf, meinem Gebieter zur Krone verholfen. Vergeßt Ihr ſo ſchnell Euren Dienſt? Das iſt ſeltene Tugend!

Cäſar biß die Lippen zuſammen. Berlin⸗ giero fuhr fort:

Was drängt Euch zur Königin? Unſeres Königs Gunſt ruft Euch an einen anderen Platz. Oder ſtrebt Ihr den edlen jungen Baronen nach,

die unlängſt ſo glühend hier eindrangen und ſo abgekühlt den Ort verließen?

Es ändert ſich Manches; der jetzt Triumphi⸗ rende kann ſelbſt verſpottet werden. Doch mit Euch will ich keinen unwürdigen Streit, nur frage ich noch einmal, wollt Ihr mir den Zutritt zur Köni⸗ gin geſtatten?

Es läuft meiner Pflicht zuwider. Nein!

Wenn Ihr nicht wollt, ſo ſchaffe ich mir ihn ſelbſt! rief Cäſar und wollte Berlingiero bei Seite drängen;noch iſt Eure Herrſchaft nicht ſo feſt, daß ſie gegen die Eingebornen ſich ſo keck erheben darf!

Wio, ſolche Reden führt Cäſar von Capua?

Ja, ſolche führt er, und er erreicht, was er will!

In dieſem Augenblicke trat König Jakob ein und wendete ſich zu Cäſar, der bei ſeinent plötz⸗ lichen Erſcheinen verlegen daſtand.

Willkommen, Graf von Kgpua, ſehr er⸗ wünſcht iſt es mir, Euch wieder an meinem Hofe zu ſehen. Ihr ſeid mein treueſter Diener und Freund, deſſen Anweſenheit ich lange ſchmerzlich entbehren mußte.

Eure Majeſtät, ſprach Cäſar unſicher, meine Pflicht war erfüllt, ich zog mich zurück zur nöthigen Ruhe, um jetzt wieder Euch meine Kraft zur Verfügung zu ſtellen.

Ich danke Euch, Cäſar, ſprach Jakob, in deſſen Seele kein leiſer Schatten von Mißtrauen gegen Cäſar aufſtieg, der ihm als mächtiger Stütz⸗ punkt gegen die Barone willkommen war;doch ſaget, was hatte Euch ſo ereifert, als ich eintrat?

Cäſar hatte ſchnell alle ſeine Kühnheit und Feſtigkeit wieder gewonnen.

Der Schimpf, der einen Edelmann aufs Tieſſte verwunden muß! ſprach er mit einem Seitenblicke auf den ruhig ſeitwärts ſtehenden Berlingiero.

Ein Schimpf? Euch hier angethan? rief Jakob befremdet.Redet klarer, Cäſar.

Der Zutritt zur Königin ſteht den Edlen ſtets offen. Und ſollte ich von einem Fremden mich wie einen Bettler abweiſen laſſen? Eure Ma⸗ jeſtät, das kann unmöglich Euer Wille ſein!

Jakob's Mißtrauen begann ſich zu regen. Cäſar, dieß bemerkend, trat zu ihm.

Mißverſteht mein Thun nicht. Vergeßt nicht, was ich geweſen und noch bin! Edles Mitleid nur führte mich in dieſes Gemach. Mein Arm iſt Euer, werdet Ihr nicht vergönnen, daß ein bloßer Gruß der Königin werden dürfe?

Ich vertraue Euch! ſprach Jakob und er⸗ hob ſeinen Blick zu Cäſar, der mit argloſer, ru⸗ higer Miene daſtand.Berlingiero, unterſchei⸗ deſt Du nicht meinen treueſten Freund von meinen Gegnern, daß Du ihn beleidigſt? Cäſar, beſucht Johanna wann Ihr wollt und vergeſſet nicht, daß ich Euch dann mit Ungeduld und Gewogenheit erwarte.