Heft 
(1859) 11 11
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Julius Cäſar von Capua.

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wie von den Sehnen einer Catapulte geſchleudert, ſauſt dieſer im Kreisſprung durch die Luft. Doch der Hexenſohn iſt auch gefeit gegen Wurfgeſchoß; ſein Haar ſtreifend iſt der wohlgezielte, harte Klumpen ohne Wirkung gefallen und widerprallend vom ſtarren Boden rollt er mit Gepolter den Abhang hinab.

Schmiedemichel duck Dich! zieh' Deine Hörner ein! höhnt jetzt Eichkatze zurück und die geflügelte Antwort auf deſſen in unrechte Fährte abgeirrten rauhen Boten: ein Kieſel von der Größe einer Fauſt ſchmettert einſchlagend gleich einem Meteorſtein, mit hirnbetäubender, entſetzlicher Sicherheit auf Glutſchlacker's Stahlhaube, daß Funken vor ſeinen Augen wirbeln und er verdumpf⸗ ten Hirnes rücklings taumelt.

Höllenſohn! brüllte der wieder ſich Erraffende, und wenn Satan in eigener Perſon Dich ſchirmt, ſo ſollſt Du doch heute unter den Händen eines recht⸗

ſchaffenen Chriſten Dich ohnmächtiger winden, denn

die Natter zwiſchen der Zange. Im Namen Gottes und aller Heiligen jetzt gilt's!

Die Wuth eines Löwen peitſchte die Muskeln des Verletzten nun zu raſender Behendigkeit und Kraftentfaltung, ſelbſt der ſchnellkräftige Bube fand es nicht mehr gerathen, ihn auf gefährliche Nähe zu Leib kommen zu laſſen, windesſchnell wie das gehetzte Reh vor dem Wolfshunde warf er ſich in

den Schutz des Waldes der Verfolgende hinter

ihm drein.

Noch immer iſt, dem Geräuſch der Tritte im

dürren Laub nachſtürmend, Glutſchlacker zwiſchen den verſtreuten Bäumen vom Zwielicht begünſtigt, dem Flüchtling hart auf der Ferſe, da ſchwingt dieſer plötzlich, von einem im raſchen Aufſchwung erfaßten ſchnellkräftigen Baumaſt getragen, ſich über einen Haufen dichtgeſchichteten Reiſigs in den Wald⸗ ſtrom der Schmied, mit ganzer Wucht ſeines Leibes ſich in dieß Geäſt werfend ihm nach.

Feuer und Schwert! ich bin verloren! ze⸗ terte es jetzt durch die Nacht; ein dumpfes Kra⸗ chen und Praſſeln, ein Weichen des trügeriſchen Grundes unter ſeiner Ferſe belehrt den Unglück⸗ lichen zu ſpät daß er in eine Fallgrube ge kommen.

In der Ferne aber hört der leberliſtete das triumphirende Gelächter das Buben verhallen und den höhnenden Zuruf:Gut' Nacht: Schmiede⸗ michel, gut' Nacht! Jetzt ſind Deine Nüſſe, mein guter Wächter, denn doch um einen Handgriff feil.

(Schluß folgt.)

Julius Cäſar von Capua. Hiſtoriſche Erzählung von. Z.

(Schluß.)

VI.

püſtere Nacht lag auf der Gegend, ein kalter G Wind wehte Julius Cäſar entgegen, als SDer auf ſeinem ſchäumenden Roſſe nach Mor⸗ 95D rone, ſeinem Wohnſitze, ſtürmte. Sforza's warnende Stimme verhallte in dem Aufruhr der Leidenſchaften, der mit erneuter Heftig⸗ keit in Cäſar's Herzen zu gähren begann.

Als er in Morrone ankam, traf er daſelbſt ſeinen Geheimſchreiber Alfonſo, der ihn erwar tete und ſich inzwiſchen damit beſchäftigte, Cäſar's Waffen zu muſtern und zu putzen.

Das iſt Dein Thun, rief dieſer ihn bemer⸗ kend,hoffſt Du ſo mir am Beſten zu dienen? Doch ſprich, was brachte Dich ſobald aus Nea⸗ pel her?

Das Streben, Euch zu dienen, Euch Euren düſtern Träumen zu entreißen.

Wie meinſt Du das? was läßt Dich an meine düſtern Träume glauben?

Euer ganzes Thun, entgegnete Alfonſo auf Cäſar's kurz und barſch herausgeſtoßene Fra⸗ gen;Ihr wißt, daß ich Euch treu mit Leib und Seele ergeben bin, warum verſchließt Ihr ein Ge⸗ heimniß vor mir, das mir doch Euer Benehmen deutlich verräth?

So rede, was Du weißt.

Seid Ihr nicht ergrimmt über König Ja⸗ kob? wollt Ihr nicht der Königin wieder Eure Dienſte weihen, da Ihr Euch zurückgeſetzt und un⸗ befriedigt fühlt?

Cäſar ließ ſich auf einen Stuhl nieder und ſtützte das Haupt in ſeine Hand. Alfonſo, vor ihm ſtehend, fuhr fort:

Ihr ſeht, daß ich richtig gerathen. Doch glaubet nicht, Ihr ſeiet der einzige, dem Johan⸗ na's Geſchick nahe geht. Wie eine Wolke breitet ſich der Unmuth über Neapel aus und nur eines kräftigen Willens bedarf es, daß ſich das Gewitter entlade. Jakob verfährt ſtreng mit ſeiner Gemalin. Ein Franzoſe Berlingiero genannt iſt ihr ſtets zur Seite, um auf's Sorgfältigſte jeden Schritt derſelben zu bewachen. Unzufriedenheit herrſcht in der Stadt, der junge Adel ſehnt ſich nach dem vorigen Glanze. Er ſcharte ſich zuſam⸗ men und drang in das Caſtel nuovo, um die Kö⸗ nigin zu befreien. Doch Jakob's Söldner ſtellten ſich ihm mit drohender Ueberlegenheit entgegen.Wir wollen unſerer Königin Grüße der Ergebung brin⸗ gen! riefen Mehrere, doch Berlingiero lächelte höhniſch über dieſen Vorwand und. wies uns ab. Da brach der Unwille aus, es wäre zum blutigen

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