meiner 1 Rache wackerer und
gieriger ſiehen ſchirm⸗ m Ru⸗ hob die Mai⸗ me der Rotten⸗ ſchnelle, r Dinge am und blind⸗ bſeindes ung des Mauer dürften
Ferd. Lauffer: Städtlein und Herrenburg. 323
jetzt nicht ein halb Hundert Mütter um ihre Söhne weinen.“
„Der Erfolg war ſo ſicher, wie Ja und Amen!“ gegenredete mit trotzigem Ausdruck der Schmied.„Hätte der Hauptmann unſere Freiſchar mit ſeinem gewappneten Heerbann zu rechter Zeit unter⸗ ſtützt, als wir die Mauern von Mödlitz berannten, ſo war das Thor in Trümmer, ehe die Wildſtei⸗ ner wie vom Teufel gerufen, mit ihrem Lanzen⸗ rechen und Pfeilhagel uns in den Nacken kamen.“
„Er kam zu rechter Zeit!“ betonte der Alte, „ſonſt könnteſt Du Undankbarer heute nicht grollen und lägeſt ſchweigſam und friedlich unter dem⸗Moos. Nur ſeiner Klugheit und Tapferkeit mögt ihr nächſt Gott euer Leben verdanken. Es war ein furchtber Wagſtück in die eherne Ringmauer eurer ſiegenden Gegner einen Keil zu treiben und gradaus für euere Rettung ſie mit dreifachſchwächerer Streiter⸗ zahl zu durchbrechen.“
„Zu ſpätl zu ſpät!“ entgegnete abweiſend und unüberzeugt der Schmied.„Vom Geſichtspunkt des verknöcherten Alters mag's alſo erſcheinen, wie Ihr ſagt— wir, deren Knochen noch markig in Jugendkraft, fühlen's anders! Narr iſt, wer hungrig wartet unterm Baume, bis ihm der Apfel zur Naſe fällt, wenn er mit einem Handgriff und Sprung ihn erreicht. Wäre unſerm Heermeiſter nicht Schwert und Thatkraft eingeroſtet, ſo hätte er einen Hauptſturm mit des Städtleins aoger verfügbarer Streitmacht gewagt und nicht den traurigen Ruhm: Trümmer gerettet— ſondern den herrlichen: un⸗ ſern Freiheitsbaum über Trümmer gepflanzt zu ha⸗ ben, hätte er heimgebracht.“
„Junges Blut! ſiedendes Blut!“ ſprach der Alte mit ernſtem Kopfſchütteln,„rennt wider die Mauer an und ſpringt vom Dach, ohne fliegen zu können. Dir fehlt es an redlichem Eifer nicht, junger Menſch, doch ganz an Erfahrung! Wo die Thatkraft zu eignem Schaden, am Unmöglichen er⸗ lahmen mußte, tritt Klugheit, die zuwartende, bedächtige, gar wohl in ihre Rechte ein. Die Mauern und Eichenboh len des Thors von Möd⸗ litz fallen unter Deinen Gedanken im Traum wohl früher, als in der Wirklichkeit unter dem Sturm⸗ bock. Uebrigens fehlten ja damals unſerer Stadt die Rüſtzeuge für eine ordentliche Belagerung und das Heergeräth ganz. Hattet ihr doch nicht mehr, denn eine einzige Sturmleiter zur Verfügung. Und — ſelbſt auch im Beſitz aller Werkzeuge der Zer⸗ ſtörung, war eure Mühe eitel— der wie ſturm⸗ getriebnes Wettergewölk einbrechende Feindesgenoſſe ließ euch nicht Zeit, ſie mit Nachdruck in An⸗ wendung zu bringen.“
„In dem liegt ein Körnlein Wahrheit!“ ſagte nach einer Pauſe des Nachdenkens der Schmied; „ein böſer Wind hat uns die Wildſteiner wirk⸗ lich wie einen Heuſchreckenſchwarm urplötzlich über'n Rücken geblaſen. Doch das war ſeltſamer Zufall, der außer jedes Kriegsmeiſters Berechnung ſtand.“
„Zufall war's nicht!“ ſprach mit beſtimm⸗ tem Ausdruck der Veteran,„dahinter ſteckt mehr, als jetzt in unſer Auge ſpringt und wir mit Ver⸗ ſtand und Händen erfaſſen können. Die Löſung des Räthſels: wie und warum der Wildſteiner Inahaſhen durch eine Menſchenſtimme, ſo plötzlich zur Hilfe erſcheinen konnte, müſſen wir der Zeit überlaſſen, die— ſo gewiſſe Anzeichen mein altes Aug' nicht trügen, durch Klugheit— hörſt Du! durch die von Dir mißachtete, mit Mangel an That⸗ kraft zuſammengeworfene Klugheit, uns nahe gerückt ſein dürfte!“—
Der alte Kriegsmann bedeutete nun den ar⸗ beitenden Männern, aus der genug tiefen Höhlung ſorgſam das Beinwerk aufzuleſen und vorläufig an geſchütztem Ort zur Säule zu ſchichten. Dann wandte er ſich einem hölzernen Gerüſte zu, Kraft deſſen, unter Anwendung von Hebebäumen, Hebeln, Rad⸗ werk und armsdicken Strängen die mächtige Laſt des Maibaumes eine Minute ſpäter gehoben, und unter der zugreifenden Männer gewaltiger Anſtren⸗ gung ruckweiſe und langſam ſich aufrichtend, end⸗ lich in lothrechte Stellung kam.
Als der letzte Stützpfahl am Fuße des Bau mes unter dem Dreiſchlag wuchtiger, aus knorriger Steinbuche gehauener Fäuſtel in den Bodenggetrie⸗ ben war, entfernte ſich der Alte, dem Herrn Stadt⸗ vogt Kunde und Meldung zu bringen; die Uebri⸗ gen aber, hochaufathmend vor Erſchöpfung, warfen ſich zur Raſt auf den Boden.
„Hei!“ meinte Kluger, nachdem er den Schweiß von der Stirn gewiſcht,„da ſteht denn der Luſtbaum, als lebten wir nicht unterm Schwert des Erbfeindes von heut bis morgen, ſondern im tiefſten Gottesfrieden. Eine Nacht liegt noch zwi⸗ ſchen dem Feſt— mich will's ger nuthen, als wür⸗ den uns von alledem droben zur Nachleſe nur taube Schalen bleiben.“
„Der in den Kern beißen will, wird vorher alle Zähne laſſen, ſo lange ein ehrlicher Waffen⸗ ſchmied Hüter des Baumes iſt!“ betonte Glut⸗ ſchlacker mit Selbſtgefühl
„Du? der Einzelmann?“ fuhr ungläubig Klu⸗ ger fort,„ein ganzes Fähnlein, ſo fern der Stadt, iſt hier ein verlorener Poſten. Der Mödlitzer hat ſeine Spürhunde überall, er wird Nachts nicht auf der Bärenhaut liegen, wo's Etwas für ſeine Klaue zu haſchen, den Städtlern einen Schur anzuthun gibt.“
„Er ſtreckt ſeine Klaue nicht aus!“ ſprach
Glutſchlacker beſtimmten Tones,—„ſeine Pfote iſt verbranntl Seitdem er vom Schwert des Unbekannten— Gott ſegne das wackere Herz
— ſo arg am Schädel gezeichnet iſt, hat er bei Androhung des Todes ſeinen Mannen verboten, während ſeines Siechthums die Rache der Städtler durch Schädigung herauszufordern. Er weiß gar wohl, was das Gezücht ohne ihn iſt, um ſeine eigene Sicherheit von ihrer blindwüthigen Willkür unabhängig zu halten. Der Wildſteiner iſt für 1 4¹*


