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(1859) 9 09
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wieder ſich ſelbſt z. B. in

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6 n zu erauſchter,

Feuilleton. 285⁵

ckungen zuſammen, ſondern ſchnalzte mit der Zunge und rief:Noch ein Glas! Nicht Gift, ſondern Arac de Goa hatte er getrunken. Natürlich folgte eine rüh⸗ rende Verſoͤhnung!

Wie man in Amerika Kaſſemachtl So man⸗ cher arme deutſch⸗amerikaniſche Bühnen⸗Direktor mar⸗ tert ſein Gehirn vergebens ab, um eine Kriegsliſt zu erſinnen, die das ſtörrige Publikum nach ſeinem Muſen⸗ tempel ziehen könnte. Auf eine ſolche iſt vor Kurzem der in Berlin wohlbekannte W. Böttner, gegenwärtig in Chicago, gerathen. In dem Theater des deutſchen Hauſes gibt es nämlich Abends 11 Uhr einenfreien Lunch. Nachdem der Geiſt ſeine Nahrung aktweiſe er⸗ halten, beginnt die Fütterung des ſterblichen Leibes; erſtdie Räuber und dann Auſtern, erſtMenſchen⸗ haß und Reue und dann Schweinsknöchel mit Sauer⸗ kraut.

Es gibt in Wien derzeit eine Innung, welche aus einer einzigen Perſon beſteht. Es iſt dieß die Faßzieher⸗Innung. Der einzige noch lebende Faßzieher in Wien hält in ſeiner Perſon die Innung noch auf⸗ recht, er vertritt alle ihre Gerechtſame und trägt alle ihre Laſten, er bezahlt die geſtifteten Jnnungsmeſſen im St. Stefansdome und wohnt ihnen mit ſeinen Arbei⸗ tern bei, er vertritt mit ſeinen Arbeitern die Innung bei der Frohnleichnams⸗Prozeſſion und läßt von einem derſelben die Innungsfahne tragen, kurz, er iſt der letzte Mohikaner der Faßzieher⸗Innung und wahrt ihre Rechte mit rührender Treue.

Jüngſt fand in Audenarde ein großer Konkurs ſtatt, an dem ſich viele Bürger betheiligten, um denje⸗ nigen, welche am beſten das Krähen des Hahnes und das Gackern der Henne nachahmten, einen in einer ſil⸗ bernen Medaille beſtehenden Preis zuzuerkennen. Der erſte Preis wurde einem Herrn Auval zuerkannt, der zweite einem Herrn Van Wyndale. Beiden brachte man eine Serenade de coquericos.

Ein Deutſcher in Cincinnati hat einen Pudel, der ſeiner Klugheit wegen in der halben Stadt bekannt iſt. Jeden Morgen holt er ſeinem Herrn die deutſche ZeitungDer Volksfreund. Die Leute in dem Bureau machen ſich bisweilen den Spaß und reichen dem vier⸗ füßigen Boten eine andere Zeitung, er nimmt aber nur die dentſche Volkszeitung und man kennt kein Beiſpiel, daß es einmal gelungen wäre, ihm ein anderes Blatt unterzuſchieben.

In Maſſachuſetts führte ein Mann eine blü⸗ hende Braut am 9. März zum Altar, am 10. wurde er Vater und am 11. forderte er in den Zeitungen das Publikum auf, ſeiner Frau nichts zu borgen.

Der Hauptmann einer Zigeunerbande, die bei Indianopolis lagert, bietet die Hand ſeiner Tochter mit einer Mitgift von 10,000 D. öffentlich demjenigen acht⸗ baren Manne an, der ſie heiraten will.

Mannigfaltiges.

Es iſt England gelungen, die Canna(Oreas Canna), eine der größten Antilopenarten aus dem ſüd⸗ lichen Afrika, zu akklimatiſiren. Viele der vornehmen Thierzüchter beſitzen dieſe Thiere, die ſich leicht fort⸗ pflanzen, und die in England geworfenen Jungen wer⸗ den ſtärker und fetter als die aus Afrika eingeführten. Die Canna iſt leicht gezähmt und ihr Fleiſch iſt ſchmack⸗ hafter als unſer Rindfleiſch. Im vorigen Jahre ſchlach⸗ tete man eine Canna, die in Europa geworfen und ge⸗

zogen, aber nicht gemäſtet worden war. Sie wog über 1000 Pfund und lieferte äußerſt zartes und ſchmackhaf⸗ tes Fleiſch.

In Zablagen in Württemberg hat der Buchdrucker Helgerad 160 Taubſtumme zu Schriftſetzern ausge⸗ bildet und die Druckerei desſelben wird von ihnen auf's Beſte bedient. Der König von Württemberg hat ihm dafür eine goldene Medaille verliehen.

Die Handels⸗Lehr⸗Anſtalt für Mädchen, welche im verfloſſenen Jahre in Stuttgart gegründet worden, hat ſoeben ihren Kurs beendigt; die veranſtal⸗ tete öffentliche Prüfung hat überraſchende Erfolge erge⸗ ben. Die Arbeiten, Hauptbücher, Tagebücher, Inventa⸗ rien, Rechnungen, Geſchäftsbriefe ꝛc., welche vorlagen, zeigten, daß die Schülerinen die Bedeutung einer ge⸗ regelten Geſchäftsführung vollkommen inne und jenen Ordnungsſinn ſich angeeignet hatten, ohne den in kei⸗ nem Geſchäfte ein nachhaltiges Gedeihen zu hoffen iſt.

Aus dem Kanton Genf meldet man, daß ſich die Gemeinde Rigrin zu einer Genoſſenſchaft vereinigt hat, welche Maſchinen anſchafft und gegen Lohn arbeiten läßt. Die Preiſe ſind ſehr gering. Der Gewinn, welchen die Landwirthe dabei machen, iſt ſehr bedeutend, aber auch die Geſellſchaft, welche die Maſchinen auf ihre Ko⸗ ſten angeſchafft hat und verleiht, macht brillante Geſchäfte.

Auch in Rußland ſoll man beabſichtigen, den mehr⸗ ſtimmigen Männergeſang populär zu machen. Der Kaiſer Alexander II. hat ſogar anbefohlen, verſchiedene Geſanglehrer in Paris zu gewinnen, um in dieſer An⸗ gelegenheit in Rußland zu wirken.

Am 26. März, Abends um 9 Uhr, fand in Wien im Fernkorn'ſchen Gußhauſe der Hauptguß des Erzher⸗ zog Karl⸗Monumentes ſtatt. Dreihundert Zentner Erz floſſen in die vier Klafter tiefe Gußgrube, welche das Modell umſchloß. Nächſt der Bavaria war es der größte Guß, der in neueſter Zeit in einem Gußhauſe vorgenommen worden iſt. Die Nachricht von dem Ge⸗ lingen des Guſſes erfüllte alle Freunde der Kunſt mit aufrichtiger Freude, mit der ſich die wieder lebendig gewordene Erinnerung an den großen Heerführer innig verbindet.

Wir entnehmen einem Briefe der Priorin derDa⸗ men des heiligen Paulus in Cayenne an ihre Schwe⸗ ſter in Paris folgende Erzählung:Die Deportirten, welche in Cayenne ankommen, ſind von der fixen Idee beſeſſen, daß ſie, einmal auf dem Lande angekommen, mit Leichtigkeit entwiſchen können. Kürzlich flohen meh⸗ rere dieſer Unglücklichen in die Wälder, ohne Lebens⸗ mittel, ohue Alles. Nach mehreren Tagen ſtellte ſich Hunger ein und da ſie nicht mehr hinreichend Fiſche, Schildkröten und Wildpret fanden, ſo beſchloſſen ſie, unter ſich einen auszuwählen, welcher den Uebrigen zur Nahrung dienen ſolle. Es waren ihrer vier; einer wurde getödtet, Herz und Leber ausgeriſſen, gebraten und ver⸗ zehrt, während die übrigen fleiſchigen Theile als Pro⸗ viant mitgenommen wurden. Als dieſer aufgezehrt war, ſollte der Jüngſte von ihnen an die Reihe kommen; dieſer aber entfloh und kam glücklich in die Strafanſtalt Zurück. Die beiden Anderen trieb der Hunger ebenfalls zur Rückkehr und ſie kamen mehrere Tage ſpäter an. Sie erzählten was geſchehen war und wurden nach Cayenne geſchafft, wo die beiden Hauptſchuldigen hin⸗ gerichtet wurden, während man den dritten zu fünf Iahren verurtheilte. Zugleich mußte er die beiden Köpfe ſeiner hingerichteten Kameraden nach dem Hoſpitale tra⸗ gen. Wie die Brieſſtellerin berichtet, konnte er kaum gehen und ſank vor Schwäche zu Boden; auch ſchien er vollſtändig den Kopf verloren zu haben.