Heft 
(1859) 9 09
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Volkstrachten in Oeſterreich. 273

Mönchen auch Menſchen, die Perücken oder Augen⸗ gläſer tragen(grüne Augengläſer ſchaden mehr als weiße), magere Leute und alle blaſſen und dabei unangenehmen Geſichter. Den meiſten Schaden brin⸗ gen vhät ienſhe und Belobungen, die von den Lippen ſolcher Leute dargebracht werden. Sagt der jettatore Uüber ein Kind:Hübſcher Knabe, er möge Euch glücklich zedeihen dann zittert die Mutter um esſelbe Der Reiter geräth in Zorn, wenn ein ſolcher Menſch zu ihm tritt und ihm ſagt: Sie reiten ein herrliches Thier. Gleitet dem Bauer das Maulthier auf ebenem Pflaſter aus, bricht an einem Schiffe das Steuerruder, wird in der Lotterie eine Nummer gezogen, die nur um ein Auge von der differirt, die der Lazzarone ge⸗ ſpielt, verſpielt Jemand trotz guter Karten, ſo trägt irgend ein bekannter oder unbekannter jetta⸗ tore die Schuld. Zum Bannen derartigen Zaubers bedient man ſich folgender Mittel: Entweder ſpricht man leiſe die Worte:Böſe Augen ſind hier nicht thätig, oder man bildet aus einer Hand eine Fauſt, wobei der Zeige⸗ und kleine Finger nach Art von Hörnern ausgeſtreckt werden. Auch trägt man gol⸗ dene oder beinerne Hörner von ganz kleiner Art, die man bei Behexungen ergreift, was ſehr wirk⸗ ſam ſein ſoll.

Von Alters her war Virgil in den Augen des Volkes ein mächtiger Zauberer, deſſen Ruhm noch heutzutage in vielen Traditionen ſich erhält. Er war es ja, der Poſilippo durchbrochen und die Wundergrotte ausgehauen hatte, durch welche der Weg nach Puzzuoli führt. Er war auch Neapels Gründer, der aus dem Wunder-Ei das Schloß del Ovo geſchaffen. Auf einem Thurme hing er an einer Kette einen Apfel auf; hätte dieſen Je⸗ mand berührt, ganz Neapel hätte dann gezittert; wäre er aber entwendet worden, ſo hätte Neapel einſtürzen müſſen. Die Kloaken und neapolitaniſchen Aquädukte ſollen Virgil's Werk ſein, ebenſo die Schwefel quelle von St. Lucia und die alterthümli⸗ chen Bäder in Puzzuoli. Der gute Virgil ſchuf auch einen von einer unſichtbaren und undurch⸗ dunlichen Mauer umgebenen Garten auf Poſi⸗ lippo, der, wiewohl niemals vom Regen befeuchtet, reichlich Obſt, Blumen und heilſame Kräuter trug. Hier ſtand ein bronzener Hornbläſer, der den ſchäd⸗ lichen Wind Sirocco in ſein Horn auffing und ihn mit mächtigem Stoß gegen das Meer trieb.

Ritter⸗ und Heldengeſchichten enthaltende Werke findet man viele. Der Lieblingsheld der romanti⸗ ſchen Poeſie iſt jedoch Rinaldo, neapolitaniſch: Li⸗ nardo. Wer es ſich beikommen läßt, einen anderen Helden höher zu ſchätzen, läuft Gefahr, in Unan⸗ nehmlichkeiten und blutigen Zwiſt zu gerathen.

Die Dozenten leſen und erklären alle Tage öffentlich die Werke der berühmteſten Dichter, als da Taſſo und Arioſto ſind. Der Neapolitaner iſt mit einem Worte ſo phantaſiebegabt, wie alle ſeine italieniſchen Brüder; er liebt die Poeſie und beſitzt

Erinnerungen. 1859.

namentlich Talent zur Improviſation. Dieſe Gabe zeigt ſich beſonders in den unterſten Volksſchichten durch Deklamiren improviſirter Verſe, Lieder und Erzählungen, die zwar an und für ſich wenig Werth haben, jedoch als Werke maomentaner Eingebung träftigen Eindruck üben. Die Improviſatoren, auf die man in Deutſchland, in Frankreich ſtößt, ſtehen weit hinter den italieniſchen.

Mit Unrecht wird der Neapolitaner dumm genannt; er beſitzt ſehr viel Mutterwitz, oft be⸗ ſchämt er ſogar die Vernünftigſten mit ſeinem na⸗ türlichen geſunden Verſtande, wenn er auch leider bei d vernachläſſigten Schulen ohne die geringſte Bildung bleibt. Der gemeine Bauer kann ſelten ſchreiben, und der wird für gelehrt gehalten, der ſchreiben gelernt hat. Die Leute höherer Klaſſen heüteß eine nur mangelhafte und Linſeltigo Erzie⸗ hung, die nur auf oberflächl liche Kenntniß der reli⸗ giöſen Ceremonien, auf Beſchäftigung mit Muſik und Verſen und auf Erlangung der Eleganz im Benehmen hinzielt; der Geiſt wird faſt gar nicht ausgebildet.

Volkstrachten in Oeſterreich.

II.

Die Tiroler.

hie Bewohner von Tirol ſind größtentheils 31 Deutſche, nur von Süden dringt der romaniſche Stamm in das Gebirge ein So und beherrſcht das Etſchthal und ſeine Sei⸗ tengegenden bis zur Einmündung des öſtli⸗ chen Aviſio und des weſtlichen Nosbaches. Weiter aufwärts im Etſchthale vermiſcht ſich die italieniſche Sprache mit der deutſchen, ſo daß man dort echt deutſche Worte mit romaniſcher Fügung vernehmen kann, wie crauti Kräuter, il wagerle Wägelchen, il trager Träger, il tisler Tiſchler, il slosser c. Der deutſche Volksſtamm verkündet durch die Verſchiedenartigkeit ſeiner Mundart die Verſchiedenheit ſeiner Abſtammung. Faſt den gan⸗ zen Oſten der Alpenwelt nimmt der bojoariſche, den Weſten der allemanniſche Stamm ein, zwiſchen beiden hinein haben ſich auch Volksſtämme des höheren deutſchen Nordens gedrängt. In den Vintſchgauern vermuthet man ſogar Ueberreſte der mongoliſchen Horden Attila's und ſucht in den Ortsnamen des Vintſchgaues: Compatſch, Latſch, Matſch, Flatſch, Gratſch, Tartſch, Tarſch, Tſchars

u. ſ. w. hiefür eine ſuracht iche Beſtätigung.

Trotz dieſer Stammesverſchiedenheit haben die Tiroler doch ihr eigenthümliches Gepräge, ſo daß man ſie leicht von den Bewohnern der angrenzen⸗ den Provinzen, den Salzburgern und Steirern,

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