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Das neapolitaniſche Volk.
men in die Tiefen jener äußert, die Zeugniß von der mehr als oberflächlichen und blos nachahmen⸗ den Thätigkeit Screta's; neben der lebendigen, kräftigen Geſtaltung in ſeinen Porträts zeichnen ſich in ſeinen Heiligenbildern namentlich die weiblichen Köpfe durch hohe Zartheit und Gefühlsinnigkeit aus. Als Beleg ſeien blos zwei Beiſpiele angeführt: das Antlitz der Madonna auf dem ſogenannten „Maleraltar“ im Teyn, Demuth und Seelenadel in ſeinen Mienen einend, und die im Schauer des Todes mild verklärten Züge der hl. Roſalie auf einem Bilde in der Kirche bei St. Stefan zu Prag, das Screta drei Jahre vor ſeinem Tode malte und das man nebſt einer Taufe Chriſti in derſelben Kirche(beide Gemälde mahnen an Guido Reni) an die Spitze ſeiner Werke zu ſtellen berechtigt iſt. Wie viele Gemälde wir dem durch ein halbes Jahr⸗ hundert thätigen Pinſel Screta’'s verdanken, genau anzugeben, iſt eigentlich unmöglich; noch fehlen die hiezu nöthigen ausgebreiteten Forſchungen. Schal⸗ ler in ſeiner Topograſie Prags und der ſechzehn Kreiſe hat der erſte die über das ganze Land ver⸗ breiteten Gemälde des Meiſters bei der Beſchrei⸗ bung der einzelnen Kirchen, Schlöſſer ꝛc. erwähnt und nie verſäumt, bei einem jeden gewiſſenhaft den Künſtler zu nennen, in deſſen Manier es ausge⸗ führt iſt; Dlabae in ſeinem Künſtlerlexikon be⸗ nützte und ergänzte Schaller's Daten, doch ſind dieſelben, da man von vielen, im Privatbeſitz in Vergeſſenheit gerathenen oder verſchleppten Stücken durchaus keine Kenntniß beſitzt(ſo ſind einige Ge⸗ mälde aus dem ehemaligen Profeshauſe der Jeſui⸗ ten bei St. Niklas auf der Kleinſeite ganz ver⸗ ſchollen), noch lange nicht zum Abſchluſſe gebracht.
Unter Screta'’s Schülern, deren ſich bald nach ſeiner Rückkehr aus Italien eine bedeutende Anzahl um ihn ſammelte, war unſtreitig der begabteſte und tüchtigſte ein Würzburger, Johann Bartholo⸗ mäus Kloſſe, der drei Jahre lang ſeinen Un⸗ terricht genoß und deſſen Gemälde neben den beſten Screta'ſchen Bildern hochgeſchätzt wurden. Im Jahre 1670 in die Bruderſchaft der Prager Maler auf⸗ genommen, folgte er bereits 1679 ſeinem Meiſter im Tode nach. Neben demſelben zeichneten ſich noch Johann Schindler, der fünf Jahre Screta's Schüler war, und Franz Paling unter den Uebrigen aus. Nach ſeinen Werken ſtachen die be⸗ ſten Kupferſtecher ſeiner Zeit, deren Zahl in Böh⸗ men keine geringe war: ein J. Sandrart, Da⸗ niel Wuſſin, Kaspar Droms, M. Küſel u. v. A. m., und wahrhaft unzählbar iſt die Menge von Theſen, Titelblättern, Illuſtrationen zu Bilder⸗ werken, Gelegenheitsblättern ꝛc., die nach ſeinen Zeichnungen und Entwürfen angefertigt wurden. Von gleichzeitigen Schriftſtellern wird er häufig mit der größten Auszeichnung genannt und nament⸗ lich iſt es der gelehrte Jeſuit Bohuſlaus Balbin,
der keine Gelegenheit vorübergehen läßt, mit gro⸗
ßer Pietät des„böhmiſchen Apelles“ zu gedenken.
Ihm verdanken wir eine für damalige Anſchauun⸗ gen recht charakteriſtiſche Anekdote aus Screta's Leben: Der Künſtler hatte den Auftrag erhalten, eine Kopie des Gnadenbildes der hl. Maria auf dem hl. Berge nächſt Pribram zu machen; trotz der oft. wiederholten Verſuche ſoll es ihm jedoch nie gelungen ſein, die in ihrer Schroffheit und Ge⸗ bundenheit charakteriſtiſchen Typen, die ſcharfen, ecki⸗ gen Formen dieſes Werkes mittelalterlicher Skulp⸗ tur befriedigend wiederzugeben, ein Fall, der ſich genugſam erklärt, wenn man die an eine ſchwung— volle Linienführung, an die Darſtellung gerundeter, voller Formen gefeſſelte Manier Screta's in Er⸗ wägung zieht. Balbin aber kann im frommen Er⸗ ſtaunen nicht umhin, Mirakel zu ſchreien und allen ſkeptiſchen Rationaliſten ſeiner Zeit zuzurufen: Ri- dete, quidquid est domi cachinnorum! Cur- rente rota cur urceus exit?— Gleichzeitig findet ein anderer, bekannterer Vorfall aus Screta's Leben hier ſeinen Platz, da er neben des Künſtlers hoher Trefflichkeit auch ſeine Beſcheidenheit in's ſchönſte Licht ſtellt: Er bot einem böhmiſchen Edel— manne ein Bild als eine Kopie nach Annibal Ca⸗ racci, das dieſer jedoch als gänzlich verfehlt und mißlungen ſchnöde zurückwies. Screta nahm die Beleidigung ſtillſchweigend hin, verſah aber, ſeiner Sache gewiß, das Gemälde an einer minder be⸗ merkbaren Stelle mit ſeinem Monogramm und ſchickte es zum Verkaufe nach Florenz. Und dort ſoll es eben jener Edelmann, der kurz darauf eine italieniſche Reiſe unternahm, als einen echten Ca⸗ racci erworben und nach ſeiner Rückkehr prahlend mit ſeiner Kennerſchaft dem Künſtler vorgewieſen haben, der nun die Genugthuung haben konnte, ihn durch einen Fingerzeig zum beſchämenden Schwei⸗ gen zu bringen.
Das neapolitaniſche Volk.
(Schluß.)
h aß die Leidenſchaftlichkeit und natürliche Roh⸗ 9— heit des Neapolitaners zuweilen in Barbarei (ch ausartet, iſt nicht zu wundern. Das Vieh Lr) wird unbarmherzig gemartert. Der Eſel wird — mit einem ſpitzigen Eiſen an wunden Stel⸗ len geſtochen. Die Pferde werden im Zorn fürchterlich geprügelt; darum wird Neapel„die Hölle der Pferde“ genannt. Die Hühner werden früher gerupft und dann erſt abgeſtochen. Die Fleiſchhauer ſchlagen den Schafen, ehe ſie dieſe ſchlachten, vor⸗ her eiſerne Haken durch die Füße. Die Buben bin⸗ den dem Vogel, der in ihre Hände geräth, einen Bindfaden an einen Fuß und laſſen ihn dann flie⸗ gen, den Faden in der Hand haltend. In Sor⸗ rento wird alljährlich ein Feſt abgehalten, das mit


