270 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
das Poſſenhafte, Komödienartige desſelben nicht ohne Verzerrung in kecken, belebten Szenen zur Darſtel⸗ lung brachte. Screta mag mit der univerſellen Seite ſeines Talentes auch dieſe Richtung zu er⸗ faſſen nicht verſchmäht haben, wenigſtens bewahrt die Galerie patriotiſcher Kunſtfreunde zu Prag eine Karnevalsſzene, die, inſoweit es bei einem Nach⸗ ahmer des Guido Reni möglich iſt, ſo ziemlich an eine„Bambocciade“ mahnt. Großen Fleiß verwen⸗ dete er in Rom auf das Studium der Antike: ein reicher Schatz von Zeichnungen, Skizzen und Ent⸗ würfen nach Werken der alten bildenden Kunſt, den ſein Sohn nach dem Tode des Vaters nebſt ande⸗ ren anſehnlichen Kunſt⸗Sammlungen nach Nürn⸗ berg verkaufte, gibt Zeugniß von demſelben; auch lernte er wohl erſt hier Raphael gründlich ken⸗ nen, deſſen Zeichnungen er in einigen Bildern wie⸗ derzugeben verſuchte; ſo ein engliſcher Gruß in der Teynkirche und, nach Schaller, ein hl. Schutzengel in der biſchöflichen Kirche zu Leitmeritz. Screta genoß allgemeine Achtung und Anerkennung ſeines Talentes bei den Italienern, namentlich bei den Bologneſen, die ihm als einen der bedeutendſten Vertreter ihrer Richtung kurz vor ſeiner Rückkehr nach Böhmen ein Lehramt an der Akademie zu Bologna anbieten ließen, welchen Antrag, der die würdige Stellung Screta's zur Schule und ſeinen Rang in derſelben beweiſt, er jedoch ausſchlug. Ge⸗ gen Ende der dreißiger Jahre kehrte er in ſeine Vaterſtadt zurück.
Daſelbſt war er bereits von Italien aus be⸗ kannt und es entfaltete ſich nun ſeine künſtleriſche Thätigkeit mit einer Produktivität, für welche die bisher noch gar nicht konſtatirte große Anzahl ſei⸗ ner Gemälde, welche man faſt in jeder Kirche Prags, über ganz Böhmen hin in Kirchen, Klöſtern, Schlöſ⸗ ſern und in mehreren anſehnlichen Galerien des Auslandes findet. Er arbeitete ſehr viel im Auf⸗ trage des hohen böhmiſchen Adels und auch des Kaiſers Ferdinand III., und von ſeiner Hand rührt eine reiche Zahl Familien⸗Porträts her. Im Fache des Bildniſſes hatte er ſich eine gewiſſe Selbſtändigkeit des Styls gewahrt und ſeine Por⸗ träts mahnen in erfreulicher Weiſe an die gediege⸗ nen Schöpfungen gleicher Art, die aus den Schulen der Niederländer und Holländer hervorgehen. Es ſind noch wahrhaft hiſtoriſche Porträts, in denen ſich die ganze bedeutſame Allgemeinheit ihrer Zeit, dieſer Zeit der wildbewegten Charaktere, der Em⸗ porkömmlinge, der kriegeriſchen Staatsmänner und höfiſchen Würdenträger der Kirche, abgeſpiegelt in der ſcharf getroffenen individuellen Beſonmerheit, die kriſtalliniſch ſich aus dem Zeiten⸗ und Lebenslaufe herausgeſtaltete, dort jenes„hiſpaniſch klugen Haup⸗ tes“, hier des Kriegsoberſten mit krauſem Schwe⸗ denkopf, güldner Gnadenkette und breitem Ring⸗ kragen. Einige ſeiner Porträts befinden ſich in der Galerie patriotiſcher Kunſtfreunde, darunter auch ſein eigenes, das wir in einer Zeichnung hier un⸗
ſern Leſern vorführen. Screta lebte unter ſehr gün⸗ ſtigen Umſtänden, allgemein geachtet und beliebt: der Prager Magiſtrat verlieh ihm das Bürgerrecht und im Jahre 1644, am 8. Mai, wurde er Mit⸗ glied der 1348 von fremden Künſtlern geſtifteten Malerbrüderſchaft in der Altſtadt Prag, aus wel⸗ chem Anlaſſe er das Hochaltarblatt im Teyn, eine Himmelfahrt Mariens, in der Manier des talentir⸗ ten, aber etwas handwerklich arbeitenden Schülers des Caracci, Giovanni Lanfranco, malte. 1652 wurde er Oberälteſter der Geſellſchaft, welche ſein Andenken durch eine in Gold und Silber ge⸗ prägte Medaille mit ſeinem Bruſtbilde dankbar ver⸗ ewigte; dieſes Amt legte er jedoch wieder nieder. Kaiſer Ferdinand III. würdigte Screta's künſtle⸗ riſche Verdienſte, indem er ihm den Adel, welchen ſeine Familie unter Ferdinand II. nach der Schlacht am weißen Berge verloren hatte, wieder verlieh. So verlebte unſer Meiſter ein nach innen und außen reiches, ſchönes Künſtlerleben, als Koryphäe neben den Beſten ſeines Landes ſtehend, geachtet von ſeinem Fürſten, geehrt von ſeinen Landsleuten, geprieſen im ganzen Gebiete der Kunſt,— ein Leben, deſſen ſich außer Peter Paul Rubens und den erhabenen Künſtler⸗Fürſten Italiens nicht viele Künſtler als eines ähnlichen am Ende ihrer Tage rühmen können. Screta ſtarb im Jahre 1674, ungefähr im 70. Jahre ſeines Alters, und wurde mit großem Gepränge in der Pfarrkirche zu Sanct Gallus vor dem Hochaltare beigeſetzt. Man hat vor einigen Jahren die üdee dedent das Anden⸗ ken dieſes Mannes durch Aufſtellung ſeiner Büſte in der genannten Kirche, oder wenigſtens durch die Errichtung einer Gedenktafel neu zu beleben, iſt aber bisher auch nur bei der Idee dieſes der Bedeutung Screta's in der vaterländiſchen Kunſtgeſchichte ganz angemeſſenen Projektes geblieben.
Es iſt wahr, Screta war, im Großen und Ganzen genommen, Manieriſt, er hatte ſich in die wenn auch noch ſo weit gezogenen Grenzen eines gewiſſen Bormenſchemattmät verrannt, doch iſt es das Selbſtändige, Bewußte, man wäre faſt ver⸗ ſucht zu ſagen Stylvolle ſeiner Manier, das allen ſeinen Werken— vermag man nun von dieſem auch mit Beſtimmtheit anzugeben, es ſei nach Guido Reni, und von jenem, das ſei der Styl Annibale Caracci's— den Charakter der Urſprünglichkeit, den Stempel der Originalität des ſchaffenden Geuies auf⸗ drückt. In lebendigſter Anſchauung, tiefſtem Erfaſſen begründet, ſteht ſeine Nexroduten als ein berechtig⸗ ter, organiſcher Prozeß künſtleriſchen Schaffens, un⸗ beſchade t ihrer Vepeutſankeit neben der Originalität manches Künſtlers unter ſeinen Zeitgenoſſen, von de⸗ nen ſih faſt keiner vom Eklektizismus fern zu halten vermochte. Geht man bei Feiden Bildern zur Be⸗ trachtung und Prüfung des Einzelnen über, ſo findet man, daß ſich bei allem kirchlich-oſtentiöſen Prunk in denſelben eine Sammlung und maßvolle Aus⸗ gleichung in der Idee, ein Zurücktreten der For⸗


