Heft 
(1859) 9 09
Seite
269
Einzelbild herunterladen

K. Born: Zur Geſchichte der Kunſt in Böhmen. 269

Ganz im Geſchmacke der Gönner und Kunſtbeför⸗ derer damaliger Zeit gehalten, waren es nament⸗ lich dieſe Bilder, die ihm ſpäter in ſeinem Vater⸗ lande ſeine Beliebtheit erwarben und ſicherten. Von den in Prager Kirchen befindlichen Bildern wären hier anzuführen: Eine hl. Familie im Teyn, der hl. Thomas, Almoſen ſpendend, in der Auguſtiner⸗ Kirche und die Marter der hl. Barbara in der Mal⸗ theſer⸗Kirche auf der Kleinſeite.

Das nächſte Ziel ſeiner Wanderung war Flo⸗ renz, wo neben Nachahmern des Michel An⸗ gelo und dem geiſtvollen Allori, die mehr den Bologneſen und vorzugsweiſe dem Domenichino verwandte Schule des Matteo Roſelli blühte, unter deſſen zahlreichen Schülern namentlich der

zarte, theilweiſe bis zur Verzücktheit ſentimentale Carlo Dolci den etwas älteren Screta durch die Feinheit ſeiner Pinſelführung und die höfiſche Auffaſſung des katholiſchen Himmels in ſeinen Hei⸗ ligen-⸗Bildern, wie ſie bereits Correggio angebahnt hatte, anregte und feſſelte; mehrere ſeiner Bilder ſind mit Abſicht in der Manier dieſes geſchmeidig⸗ ſten und einſchmeichelndſten unter den Malern ge⸗ malt. Mißglückt ſind ſeine gleichzeitigen Verſuche, die monumentale Größe und Erhabenheit Michel Angelo's, die mächtige Linienführung und Gruppi⸗ rung dieſes Künſtlers, mit ſeinen übrigen künſtleri⸗ ſchen Erfahrungen zu vereinen. Im Jahre 1634 begab er ſich endlich mit ſeinem Freunde Wilhelm Baur nach der ewigen Stadt, nach Rom. Seit

dem Ende des ſechzehnten Jahrhunderts, wo im

=

Karl Sereta.j;,

Anſchluß an die übrigen oberitalieniſchen Städte auch in Rom die Nachahmung des Michel Angelo in affektirter Großartigkeit, aber flüchtiger Hand⸗ werklichkeit das Gebiet der Malerei beherrſchte und eine kleine Anzahl Künſtler in dieſem Sinne wirk⸗ ten: Siciolante da Sermoneta, Taddeo und Federico Zuccaro, Ceſari, il Cavalier d'Arpino, gab es daſelbſt keine eigentliche, einheimiſche Schule, die etwa die große Erbſchaft des Urbiners angetreten und weiter vermittelt hätte; ſondern eine große Künſtlerrepublik, die ihre Bür⸗ ger in allen Ländern des kunſtſinnigen Europa's warb, bevölkerte den klaſſiſchen Boden, verbunden in dem Verſuche, die verſchiedenartigſten Richtun⸗

gen im Studium der Antike in Einklang zu brin⸗ gen. Vorzugsweiſe ſtark vertreten waren die Spa⸗ nier(obwohl ſie ſich auch zahlreich nach Neapel wandten), Franzoſen, für welche ſogar eine eigene Akademie gegründet wurde, und Niederländer, die, minder hochfahrend als ihre Nachbarn, ihren Mit⸗ telpunkt in einer Kneipe fanden und als fröhliche Schänkengeſellſchaft,Schilderbent genannt, vaterländiſche Kunſt auf fremdem, wälſchen Boden wacker förderten. Screta ſchloß ſich an die letzteren an, wurde in dieSchilderbent aufgenommen und erhielt als Mitglied derſelben den ziemlich renommi⸗ ſtiſch klingenden Namen Eſpadron. Unter dieſen Künſtlern machte ſich eine gewiſſe barok⸗geniale Auffaſſung des gemeinen Lebens geltend, welche