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K. Born: Zur Geſchichte der Kunſt in Böhmen. 267
dolf II. im Hinblicke auf einen Papſt Julius Il., Leo X., auf das Haus Medici an einer Stätte, deren Namen in der Geſchichte der deutſchen Kunſt aus den Tagen des vierten Karl bereits einen guten Klang hatte, in Prag, den Künſtlern ein heimatliches Aſyl, den Künſten eine dauernde Pflanzſtätte ſchaffen wollte: da waren es zumeiſt, und was die bedeutenderen anbelangt, faſt einzig italieniſche oder niederländiſche Künſtler, die, dem Rufe des kunſtſinnigen Monarchen folgend, an deſ⸗ ſen Hofe die Prager Künſtlerakademie bilden halfen. So finden wir als Baumeiſter thätig den Venetianer Vincenzio Scamozzi, des großen Palladio Schüler, der im Style der reichen Renaiſſance die Einfahrtshalle zum Prager Shloſſe baute, und Ferrabosco del Lagno, deſſen Werk das be⸗ reits unter Ferdinand I. nach Meiſter Stella's Plane erbaute Belvedere iſt. Als Maler waren thätig Roland Savery und der Sammt⸗ oder Blumen⸗Breughel, die zu tüchtigſten Gliedern der üppigen, glänzenden Schule der Land⸗ ſchaftsmalerei zu Brabant zählen, ſowie Bar⸗ tholomäus Spranger und Johann v. Achen, die, obwohl Deutſche von Geburt, manieriſtiſch im Sinne der römiſchen Schule arbeiteten. Daher kam es, daß allen den wohlgemeinten Einrichtungen des Kaiſers, daß ſeiner Akademie, ſeinen ausge⸗ dehnten Kunſtiennmlunaen⸗ eine weſentliche Bedin⸗ gung ihrer Exiſtenz abging, es fehlte ihnen gänz⸗ lich jedes nationale Element; ſie dankten einer wenn auch noch ſo rühml ichen Fürſtenlaune ihr Entſtehen und boten als bloße Hofgebilde dem Volke, unter dem und mit dem zu gedeihen und fortzubeſtehen ſie beſtimmt waren, nichts Ver⸗ wandtes, nichts Congeniales, ſo daß jenes theil⸗
nahmslos an ihrem Wirken und Schaffen vor⸗
überging, kalt ihrem endlichen Vergehen und Ver⸗ wehen zuſah. Dazu geſellte ſich noch der Umſtand, daß es in den Prinzipien der Akademie als ſolcher begründet lag, jene Einheit des Strebens, jenes bewußte Stylgefühl einer„Schule“, das der aus aller Herren Ländern konzentrirten Künſtler⸗Gilde nothwendig mangeln mußte, durch den koloſſalen Apparat und Formenzwang einer artiſtiſchen Lehr⸗ anſtalt im Sinne der gleichzeitigen italieniſchen In⸗
ſtitute, welche aber von dem, ſo zu ſagen, vater⸗
ſtädtiſchen Kunſtgefühle ihrer Jünger und Schüler getragen und gehalten wurden, zu erſetzen und die Wiſſenſchaft der Kunſt im gegliederten Syſteme von Generation zu Generation zu propagiren. Dem war aber nicht ſo. Der Gunſt des Augenblickes, der Gunſt der Verhältniſſe entſproſſen, konnten die Schöpfungen dieſer Akademie das Nachlaſſen der Spannkraft, welche das Gehobene der Stimmung bewirkt hatte, nicht überdauern, und ſelbſt eine min⸗ der bedeutende Kriſis, als turz nach dem Tode Rudolſ's eintrat, hätte genügt, den ganzen ſtolzen Bau in Trümmer zu werfen, die Glieder planlos und wüſt umherzuſtreuen.
Bald nach dem Ableben Rudolf's, als der kaiſerliche Hofhalt von Prag weg wieder nach Wien verlegt wurde, wohin auch, namentlich unter Fer⸗ dinand II., die bedeutendſten Schätze der Prager „Kunſt- und Vende Kammer⸗ wanderten, und wirren verließnn die Künſit er, großteinheils Prote⸗ ſtanten, die vereinſamte Hauptſtadt Böhmens, da⸗ hin und dorthin, zumeiſt nach den Niederlanden oder nach den norde⸗italieniſchen Städten als Stätten der einzelnen Schulen ſich wendend. In Prag ſtockte alle künſtleriſche Produktion, die Prgehtdat äſte ſtanden leer und öde, Galerien und Bibliotheken, Samm⸗ lungen und Muſeen, die der Adel d kaiſerlichen Beiſpiele nacheifernd gleichfalls angelegt hatte, ver⸗ fielen in wüſter Unordnung, ein offener Tummel⸗ platz bilderſtürmender Pfälzer und beuteluſtiger Schweden.
Inmitten dieſer troſt⸗ und hoffnungsloſen Zeit⸗ läufte geſchah es aber, daß, von einander unabhängig und getrennt, zwei ihrem innerſten Weſen ebenſo wie ihrem äußeren Entwickelungsgange nach durch⸗ aus verſchiedene künſtleriſche Talente nach einander ſich heranbildeten, denen es in der zweiten Hälfte des ſiebenzehnten Jahrhundertes gelang, auf einer, wenn auch, vorzüglich bei dem einen, durchaus nicht ſpezifiſch nationalen, ſo doch dem damaligen Zeitgeiſte entſprechenden Baſis durch das Bedeut⸗ ſame ihrer Schöpfungen auf dem Gebiete der Malerei Sinn und Empfänglichkeit für die Kunſt bei den Gebildeten des Landes zu wecken und den Grund zu einer künſtleriſchen Thätigkeit zu legen, deren Entwickelung und Fortgang man in Böhmen bis zum Anſchluſſe an modernere Richtungen um die Mitte des vorigen airhunderiei verfolgen kann. Die Namen dieſer beiden Künſtler ſind Karl Screta Sotnovsky von Zaworic uud der etwas ſpätere Peter Johann Brandel.
Beide gingen in ihren Studien von den kurz vorher namentlich in der Schule der Caracci zu Bologna zur vollendeten Geltung gekommenen Prinzipien des ſogenannten ellektiſchen Styles aus, wweſch r auf die großen italieniſchen Zeichner und Koloriſten des fünfzehnten und ſechzehnten Jahr⸗ hunderts, auf Michel Angelo ſo gut, wie auf Raphael und neben Tizian auf Paolo Vero⸗ neſe zurückgehend, Erneuerung der Klaſſizität durch die Wiederbelebung der als muſtergiltig aufgeſtell⸗ ten Formen jener Meiſter anſtrebte. Dieß war, wie bereits erwähnt, namentlich die leitende Idee der ausgedehnten Schule der Bologneſen, deren Jünger für die weitere Verbreitung derſelben in Frankreich und Deutſchland ſorgten. Doch konnte es nicht aus⸗ bleiben, daß bald Modifikationen auf das Weſen der Ellektik umgeſtaltend einwirkten, welche ein Auseinandergehen derſelben nach zwei Richtungen zur Folge hatten, deren eine in dem Formencanon der Akademie ſich fortbewegend bald die Freiheit der Produktion einzubüßen und in einen gewiſſen
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