266 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
chelhaften Antrag, ſie nahmen ihn an mit den üblichen Klauſeln von Ferien, Gaſtſpielen u. ſ. w.
Nichts iſt mehr geeignet ſeine Runde im Mo⸗ ment durch alle Kreiſe zu machen, als das Uner⸗ wartete. Ein Künſtler, der ſo plötzlich auftaucht, gehört eben ſo gut zu den Aufſehen erregenden Din⸗ gen, wie die größte Zeitungsente.
Die Namen Otto's und Emm a's, natür⸗ lich nicht ihre wirklichen Namen, ſondern jene, welche ſie zum Behufe ihrer Künſtlerſchaft wählten, erlangten im Laufe von wenigen Monaten einen Ruhm und einen Glanz, der ſie neben die Erſten ihres Standes ſtellte.
Es erübrigt uns noch einen Moment aus ihrem Künſtlerleben hervorzuheben.
Wir kehren in Otto's Vaterſtadt zurück. In Kaffeezirkeln, bei Tiſche, auf der Promenade war ein Thema an der Tagesordnung: das erſte Auf⸗ treten zweier berühmten Gäſte, welches auf den heutigen Tag feſtgeſetzt war. Man war neugierig, geſpannt, man konnte kaum glauben, daß die ſtets übertreibende Fama dießmal nicht auch etwas zu viel gethan haben mochte. Aber die Ueberzeugung lag nahe, wenige Stunden nur, und die Kunſtver⸗ ſtändigen hieſiger Stadt hatten ſich ſelbſt ihr kriti⸗ ſches Urtheil gebildet und den Geſchmack von ſo und ſo berühmten Kunſtrichtern kontrolirt. Es ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt, daß alle Logen⸗ und Sperr⸗ ſitzbeſiter ſchon vor der eilften Vormittagsſtunde jenes Tages, auf welchen die Vorſtellung angekün⸗ digt war, ihr Prioritätsrecht geltend machten, und der Abend brachte eine ſolche Zahl von Zuſchauern in alle Räume, wie dieß nur bei der Anweſenheit berühmter Komiker zu ſein pflegte, obſchon weder der eine, noch der andere von den heute auftre⸗ tenden Gäſten in einer komiſchen Rolle beſchäftigt war.
Es iſt unnöthig den Erfolg des erſten Auf⸗ tretens unſerer wohlbekannten Künſtler zu ſchildern. Wir werfen dafür einen Blick in eine nahe an der Bühne liegende Rangloge, in welcher wir alte Bekannte finden, nämlich den Kommerzienrath, ſeine Frau und ſeinen Bruder.
Die Drei waren zuerſt überraſcht von der Aehn⸗ lichkeit, welche zwiſchen dem Gaſte und ihrem Otto herrſchte, dem Taugenichts, der, wer weiß wo, in der Welt herumbummelte. Auch der alte Onkel Hauptmann war ſeinem Liebling gram geworden, weil dieſer nichts von ſich hören laſſe.— Wenige Minuten genügten jedoch die Drei zu überzeugen, daß der berühmte Gaſt, der jetzt ſchon in der erſten Szene mit Beifall überſchüttet wurde, kein anderer ſei als Otto, der Verlorene.
Seltſame Empfindungen waren es, welche die drei Seelen in der Loge bewegten. Die Kommerzien⸗ räthin war entrüſtet, daß ihr Sohn ſich zum Schauſpieler erniedrigen konnte; der Kommerzienrath brummte:„Mir iſt es am Ende einerlei, was der Junge iſt, wenn er nur zu etwas taugt“; der Haupt⸗ mann ſagte:„Ein Teufelskerl, der Otto, der hat
das Zeug,'s iſt was rechts in ihm. Donnerwetter, hätt's nicht gedacht, ein Teufelsjunge das, könnt' ihm vor Freude gleich um den Hals fallen.“
Inzwiſchen nahm die Vorſtellung ihren Ver⸗ lauf, und die Gäſte erwärmten die Herzen der Hörer immer mehr und riſſen ſie endlich in Sturm mit ſich fort. Die Kommerzienräthin wurde nach und nach auch mit hingeriſſen, der Kommerzienrath ſah auf die Bühne mit weit aufgeriſſenen Augen, und der alte Hauptmann gab ſich keine Mühe die hervorquellenden Thränen zu verbergen.
Die Vorſtellung war beendet, auch der nicht enden wollende Applaus war vorüber, das Publi⸗ kum drängte ſich aus den Pforten, aber die Loge, in welcher unſere Bekannten ſaßen, wurde nicht leer. Es war keinem von ihnen eingefallen das Theater zu verlaſſen. Sie ſprachen nichts, ſie ſahen auf den
Vorhang, der vor ihrem Otto nieder gefallen,
und hinter dem ſie ihn jeden Augenblick hervortre⸗ ten zu ſehen glaubten.
Da öffnete ſich die Thür hinter ihnen und Otto trat herein mit Emma.
Die Mutter breitete ihm ihre Arme entgegen, ſie preßte ihn an ihre Bruſt.“
„Mein Ottol Mein Otto!“ rief ſie,„mein Sohn!“
„Und hier Deine Tochter,“ ſprach Otto, und Emma nahm ſeinen Platz ein am mütterlichen Buſen.
Zur Geſchichte der Kunſt in Böhmen.
Eine Skizze von K. Born. I.
(deben der reichen Kunſtblüthe, die ſich zu ¼ Anfang des ſiebenzehnten Jahrhundertes in Ge den üppigen Niederlanden und dem be⸗ 6 nachbarten Holland, dort in der glühen⸗ —— den Farbenpracht der Schule des großen Rubens, hier in den tiefſinnigen und in⸗
nigen Schöpfungen Rembrandt' und ſeiner Nach⸗ folger, entfaltete, waren es nur Vereinzelte, und eben in ihrer Vereinzelung verkümmernde Triebe, die den mächtigen Wurzeln des noch vor einem Jahrhundert himmelan ſtrebenden Baumes deut⸗ ſcher Kunſt auf heimiſcher Mutterrede entſproß⸗ ten. Die künſtleriſch ſchaffende Kraft des deutſchen Genius ſchien in dem mächtigen Stürmen und Drängen der Geiſter des fünfzehnten Jahrhunderts erdrückt, gebrochen worden zu ſein. Als daher in eben dieſer Periode ein deutſcher Fürſt, von den verwirrten Bahnen ſeiner Zeit ablenkend, die lei⸗ tenden Fäden einer Idee wieder anknüpfen wollte, welche ein unheilbarer Riß ſeinen Zeitgenoſſen in unverſtandene Fernen gerückt hatte,— als Ru—
F
S==S
G6. S


