Heft 
(1859) 9 09
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Walter Lindau: Der Verlovene. 265

ihren Abſchied erhalten; doch der Zerriſſene hielt getreulich aus. Auch war ſein äußerer Menſch zu⸗ folge der erhöhten Gage und der geordneten Lebens⸗ weiſe ein ganz anderer geworden.

Der einzige Unzufriedene war der, welcher am meiſten bei der neuen Ordnung gewonnen hatte, nämlich der Direktor. Er war eiferſüchtig auf Otto, nicht ſowohl deßhalb, weil er der einzige war, der ſich Emm a's Gunſt erfreute, als vielmehr darum, daß es Otto gelungen war in kurzer Zeit das zu erreichen, was er ſelbſt im Laufe vieler Jahre ver⸗ gebens angeſtrebt hatte. Auch begann ihm ſeine Abhängigkeit von Otto, in welche er unter den obwaltenden Verhältniſſen nothwendig fallen mußte, läſtig zu werden, und er ſuchte nun wieder ſich der ſeinen Händen entfallenen Zügel zu bemächtigen.

Inzwiſchen hatte Otto gefunden, daß ſeine und Emma's Lehrzeit ihren Abſchluß erreicht hatte. Sein Ehrgeiz war nicht darauf gerichtet, endlich ein⸗ mal wirklicher Direktor einer wandernden Schau⸗ ſpielertruppe zu werden, auch ſtanden ſie beide in ihrer Künſtlerſchaft zu hoch über allen denen, die mit ihnen zuſammen wirkten, als daß hier je eine Harmonie hätte erzielt werden können. Darum übergab er dem würdigen Direktor wieder die ge⸗ wünſchten Zügel und nahm ſeinen Abſchied. Das⸗

ſelbe that Emma. Beide zogen in Geſellſchaft von

Emma''s Mutter nach B...

Es war wieder Herbſt.

Wie ſchnell war das Jahr verfloſſen! Wie viel hatte ſich in Otto geändert!

Wer die Verhältniſſe einer großen Bühne kennt, der wird es leicht begreifen, daß Otto in B... mit mannigfachen Schwierigkeiten zu käm⸗ pfen hatte, ehe er für ſich und Emma die Erlaub⸗ niß zu einem Gaſtſpiele an der dortigen Hofbühne erlangte. Derartige Inſtitute fühlen ſich gewöhn⸗ lich uur berufen, bereits gemachte Namen zu be⸗ ſtrahlen. Junge Dichter und Schauſpieler haben dieß oft bitter empfunden. Freilich iſt eine Hof⸗ bühne kein Exerzirplatz für Literaten und Mimen, aber auch das Kaſten⸗ und Monopolſyſtem iſt in einem derartigen Kunſtinſtitute nicht recht am Orte.

Wir wollen den Leſer mit Aufzählung all' der Hinderniſſe verſchonen, welche Otto zu bekämpfen hatte, ehe es ihm gelang zugleich mit Emma vor ein großes Publikum treten zu dürfen. Wir ver⸗ ſuchen es den Leſer ſogleich in jenen Abend zu ver⸗ ſetzen, welcher über die Lebensfähigkeit zweier jugend⸗ lichen Talente entſcheiden ſollte.

Zwei unbekannte Namen ſtanden an dieſem Tage auf dem Theaterzettel, auch hieß es nicht dort, wie bei dem erſten Auftreten berühmter Künſtler: Bei aufgehobenem Abonnement, darum war auch der Zudrang kein ungewöhnlicher; doch ſorgte der Spätherbſt durch ſeinen langen, unfreundlichen Abend

Erinnerungen. 1859.

für ein mäßig großes Publikum. Aber gleich das erſte Auftreten der jugendlich ſchönen Geſtalten war ein günſtiges, ſchon um ihrer äußeren Erſcheinung willen. Es iſt kaum glaublich, aber dennoch durch die Erfahrung ſehr begründet, daß die Perſönlich⸗ keit des Künſtlers einen großen Moment für die Beurtheilung ſeiner Kunſt darbietet. Wie viele mit⸗ telmäßige Talente haben ſich blos darum auf der Bühne und in der Gunſt des Publikums erhalten, weil die Natur ihre Sprödigkeit in«Bezug auf den Geiſt des Künſtlers durch körperliche Vorzüge aus⸗ glich. Otto und Emma bedurften aber kaum dieſes äußeren Empfehlungsbriefes, denn ihr Aeu⸗ ßeres ſtand in vollkommener Harmonie mit ihrer Begabung, und das Publikum, welches mit einem Vorurtheil gegen unbekannte Namen die Räume betrat und in der Wahl zwiſchen der Langweiler des Theaters und des Kaffeehauſes oder eines Klatſch⸗ kränzchens ſich nur aus Neugierde für das erſtere entſchied, ſprang aus der Ueberraſchung ſchnell in Begeiſterung über, und that, wie in ſolchen Fällen gewöhnlich, eher etwas zu viel als zu wenig. Otto und Emma feierten einen wahren und ſchönen Triumph. Und als am Schluſſe der Vorſtellung der Vorhang wiederholt und wiederholt in die Höhe ging und des Beifalls kein Ende war, und das Publikum beharrlich auf ſeinen Plätzen blieb, als hätte es die Abſicht bis zur nächſten Vorſtellung da zu bleiben, da fehlte nicht viel und Otto und Emma wären einander auf offener Bühne voll überſtrömender Wonne in die Arme geſunken.

Aber wie auf Erden ſich die Dinge trotz ihrer anſcheinenden Unwandelbarkeit dennoch ändern müſſen, ſo war es auch hier, und kaum wußten die Glück⸗ lichen, wie es kam, daß ſie ſich in ihrer beſcheidenen Wohnung im Gaſthofe fanden und Bruſt an Bruſt und Lipp' an Lippe die erſten Liebesworte ſtammelten.

War der Frühling in Beider Herzen ſchon längſt aufgegangen, vor ihren Augen erblühte er erſt jett. Auf ihren Wangen ſahen ſie ſeine Ro⸗ ſen blühen, in dem Hauche ihres Mundes fühlten ſie ſein duftig Wehen. Ja, es war Lenz, ewiger Lenz, trotz des Novemberſturmes, der draußen ſeine Schneeflocken an die Fenſterſcheiben warf und die letzten Blätter von den trübſeligen Bäumen fegte.

Die Kritik gab die Stimmung des Publikums wieder, und der nächſte Abend, der zu ihrem Auf⸗ treten beſtimmt war, brachte ein abonnement suspendu, ein gefülltes Haus und erneuten, kaum enden wollenden Beifall.

So waren mit einem Male, wie ſich einer der Kritiker ausdrückte, zwei neue, hell glänzende Sterne am Kunſthimmel aufgegangen, von denen man nicht wußte, woher ſie kamen. Aber es war kein Traum, es war Wirklichkeit, die Sterne waren da, um auf der erſten Bühne den Ort ihres Wirkens zu finden.

Otto und Emma erhielten bald von der Intendanz der Hofbühne zu B... einen ſchmei⸗

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