Heft 
(1859) 9 09
Seite
262
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262 Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Nun, entſcheideſt Du Dich endlich? Haſt Du nur Muth zu Worten und nicht zu Thaten?

Hier haſt Du mein Zeichen zum Kampfe! rief Cäſar und die Hände auf der Bruſt kreu⸗ zend blickte er kalt, gelaſſen Sforza an, der mit gieriger Hand das Barett mit den Reiherfedern ergriff und in der Linken zuſammenpreßte.

So zieh' das Schwert! rief er, als Cäſar ruhig blieb, und ſchwang das Schwert,ſchnelle Entſcheidung iſt die beſte Entſcheidung!

Cäſar z. mit keiner Miene.

So fahre hin zur Hölle, wenn Du Dich nicht wehren willſt, Dein falſches Herz ſchlag' ſei⸗ nen letzten Schlag!

Sforza wollte ſich ſchon auf Cäſar ſtürzen, da öffnete ſich die Thüre des Saales, der Graf von Troja, als oberſter Seneſchall trat ſchnell zwiſchen die erbitterten Gegner.

Ruhe im Namen Königs Jakobl

Jakob trat in dieſem Augenblicke, von ſeinen Edelleuten umgeben, ein. Sein Auge überblickte ſchnell die Szene. Julius Cäſar ſtand ruhig wie früher da. Der noch immer ingrimmige Sforza

ließ das in der Fauſt eingeklemmte Schwert mit

dieſer ſinken und rollte die Augen, bald ſeinen Geg⸗ ner mit ihnen durchbohrend, bald die ihn umge⸗ benden Edelleute finſter und vorwurfsvoll anſehend.

Iſt das die Begrüßung meiner Ankunſt, ſprach Jakob,daß unerbittliche Fehden gleich unter meinen Augen losbrechen? Herr Großkonne⸗ tabel, wahrt Ihr ſo die Würde eines Geſandten der Königin von Neapel? So vergeßt Ihr die ihr und mir ſchuldige Ehrfurcht?

Sforza kniff gereizt, im Herzen glühend, die

Zähne zuſammen und blickte zu Boden, mühſam ſeinen aufwallenden Zorn unterdrückend. Jakob wendete ſich zu Julius Cäſar. Und Ihr, der Ihr mir zuerſt Treue und Ergebenheit geſchworen, Ihr lohnt ſo meine Güte gegen Euch, Ihr hadert mit dem Geſandten mei⸗

ner Gemalin, Ihr, der erſte meiner Barone, wahrt

ſo ſchlecht Euren Adel? Wahrlich, Beſſeres hätte ich von Julius Cäſar von Capua erwartet!

Ihr ſeht, Eure Majeſtät, ſprach Cäſar ruhig und ein leiſes Lächeln ſpielte um ſeinen Mund,nicht ich habe das Schwert gezogen. Feſt ſteckt's in der Scheide. Lieber wollt' ich's zerbrechen, als es ſo unwürdig führen. Und reizte denn anderes meinen Gegner zu ſeinem wahnſinnigen Beginnen, als mein Eifer Euch zu dienen, meine Euch erwie⸗ ſene Huldigung, meine Ruhe, die ſeinem aufwallen⸗

den Jähzorn ſich entgegenſtellte? Doch, Eure Ma⸗ jeſtät, gebrochen iſt der Friede, der in der Umge⸗

bung eines Königs ſtets walten ſoll, ich will es büßen, auf daß ich Eurer Verzeihung und Gnade theilhaftig werden könne. Hier, Herr Seneſchall, iſt mein Schwert. Gebt mir's erſt zurück, wenn ich rein vor meines Königs Auge ſtehe, wenn ich es würdiger für ihn führen kann!

V

Jakob blickte freundlich Cäſar an, der ru⸗ hig ſein Schwert abſchnallte und dem Grafen von Troja überreichte.

Ich folge Euch zur Haft!

Aller Augen waren nun auf Sforza gerich⸗ tet, der regungslos wie ein Marmorbild daſtand. Der Seneſchall trat zu ihm.

Euer Schwert, das Ihr ſo unwürdig führt!

Sforza faßte und zerbrach es und warf die Stücke zu Boden.

Königin, Deine Sonne ſinkt, denn Cäſar's Sonne geht auf! rief er und folgte der Wache.

Julius Cäſar warf einen Blick der Hoff⸗ nung und des Sieges auf Jakob und verließ mit dem Grafen von Troja das Gemach.

(Fortſetzung folgt.)

Der Verlorene. Novelle von Walter Lindau.

(Schluß.)

Won dieſer Stunde an hatte Otto ein wenig⸗ ſtens vorübergehendes Ziel, aber doch ein Ziel, dem er mit Luſt und Liebe nachſtreben , Stonnte. Eine begabte Natur bilden, ſie der ð& Kunſt, der wahren Kunſt zu geben, iſt im⸗ mer etwas, das einem Charakter wie Otto eine würdige Aufgabe erſcheinen mußte. Aber er verhehlte ſich nicht, daß dieſe Aufgabe keineswegs ſo leicht zu löſen ſei, als dieß bei einer flüchtigen Betrachtung erſcheinen mochte.

Vor allem mußte er den Geiſt Emma's bilden, er mußte ihn durch Viſſenſchaft bereichern, welche allein zum Verſtändniß und zur Selbſtän⸗ digkeit führt.

Er ließ ſich von Emma bei deren Mutter einführen und begann den Unterricht. Emma war eine Schülerin wie wenige.

Es konnte jedoch nicht verhindert werden, daß das Verhältniß, in welches Otto zu Emma trat, bald von ihrer Umgebung bemerkt wurde. Die Leute waren jedoch weit entfernt von einer richtigen Würdigung desſelben, und Otto, der bis jetzt für einen Mäcenas galt, wurde ſchnell ein Gegenſtand des Haſſes bei allen männlichen Theatermitgliedern, welche ihn für den begünſtigten Liebhaber Emmas anſahen, die gegen alle Bewerbungen von Seiten der Schauſpieler ſo kalt geblieben war. Auch der Direktor, ein ganz unbedeutender Menſch, begann es ſeine Untergebene fühlen zu laſſen, daß ſie aus der Art geſchlagen. Zum Glück jedoch mußte er anerkennen, daß er mehr von Emma abhänge, als ſie von ihm und Frieden halten. Dafür wurde ſie aber bei den Proben und wo ſich ſonſt Gele⸗