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Julius Cäſar von Capua. 261
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voller Ungeduld. Meine Ehre aber ſoll es ſein, Dich in ihre Reſidenz zu geleiten.“
„Vielen Dank, Herr Großkonnetabel, für dieß Willkommen,“ entgegnete Jakob,„und ich hoffe, daß mein ganzes Thun und Laſſen Eurer Zufrie⸗ denheit ſich erfreuen werde.“
Sforza umgab Jakob mit ſeinem Gefolge. Mißmuthig darüber wollte Cäſar mit ſeinen Freunden, die bisher Jakob zur Seite waren, ſich entfernen, dieſer aber winkte ihnen mit der Hand.
„Verlaſſet mich nicht, meine treuen Freunde.“
An Cäſar's Seite ritt Jakob in Benevent ein, während Sforza ſeitwärts an der Spitze ſei⸗ nes Zuges ritt.
Im Schloſſe von Benevent angelangt, huldig⸗ ten die Barone Jakob als ihrem Könige, nur Sforza fehlte.
Im Vorſaale ging er düſter und mißgeſtimmt umher, er ahnte das Gewitter, das Julius Cä⸗ ſar heraufbeſchworen und das ſich auf ſeinem und der Königin Haupte entladen ſollte, er ſah Cäſar in der Nähe des gegen ihn ſo freundlichen Jakob, er wußte von der dieſem erwieſenen Huldigung als König, er wußte, daß Jakob als ſolcher auch in Neapel einziehen und begrüßt werden würde.
Ein und aus gingen die Edelleute in das kö⸗ nigliche Gemach und warfen höhniſche Blicke auf Sforza, der krampfhaft den Säbelgriff in ſeiner Rechten preßte und ſeinen Zorn in der Bruſt ver⸗ ſchloſſen hielt.
„Du ſollſt als König in Neapel walten!“ tönte es von Neuem aus dem Saale zu Sforza, „es ſtürze dieſes erbärmliche Weiberregiment ſammt den elenden Günſtlingen!“
„Und der rohe Lanzenknecht ſoll die Verwe⸗
enheit büßen, ſtolz dem Könige Jakob entgegen⸗ genh 3 g geg
zutreten!“
Seiner nicht mehr mächtig erhob ſich Sforza, um in den Saal zu ſtürzen. Da öffnete ſich die Thüre desſelben und Julius Cäſar von Capua erſchien lächelnd an der Schwelle.
„Wohin, ſtolzer Herr Großkonnetabel, ſo eilig?“ redete er ihn ſpöttiſch an;„dort werdet Ihr nur Männer, aber keine Weiberknechte finden.“
„Auch die Weiberknechte führen ein Schwert!“
zuſteht? Darfſt Du Dich, Du in einem elenden Städtchen der Romagna geboren, erdreiſten, dem rechtmäßigen Oberherrn die ſchuldige Verehrung und Huldigung zu verſagen; während die Edlen des Landes ſie leiſten, darfſt Du Dein Haupt ſtolz über dieſe erheben?“
Sforza biß zornig bei dieſer Rede in ſeine Lippen, daß ſie bluteten, ſeine Augen rollten glü⸗ hend in den Augenhöhlen unter den buſchigen, dro⸗ hend zuſammengezogenen Augenbrauen.
„Die Königin iſt Herrſcherin, ihr, niemanden Anderem beuge ich mich und werfe Dir und allen Deinen Genoſſen die Schmach des Verrathes in's ſchamloſe Antlitz! Und poche Du nur auf Deinen Adel, dieſen Dunſt und eitlen Flitter, der unver⸗ dient euch umgibt. Schande denen, die der Väter Verdienſt als ihr eig'nes anſehen. Was ich bin, hat meine Thatkraft mir errungen und hier mein wackeres Schwert iſt mein Adel, der meine und meiner Königin Ehre wohl zu ſchirmen weiß!“
„Ich zweifle gar nicht an Eurem Werthe! Im wilden Lager, im Kreiſe roher unbändiger Kriegs⸗ geſellen iſt Euer Platz, hier ſchließt ſich Eurem rau⸗ hen Tone der Zutritt zum Könige.“
„Elender! noch ein ſolches Wort und ich ver⸗ geſſe, was ich dem Dienſte meiner Königin ſchul⸗ dig bin!“
„Deiner Königin!“ höhnte Cäſar,„felſenfeſt ſtützeſt Du ihren Thron!— Sforza, willſt Du nie dem beſſern Werke Deine Kräfte weihen? Nur Manneskraft ſoll herrſchen! Schon einmal boten wir Dir die Hand, Du ſchlugſt ſie zurück! O ge⸗ duldiger Mann, der ruhig erträgt, wenn ihn die Königin, wenn den Helden ein Weib bald wie ihren Schoßhund ſchlägt und bald wieder ſtreichelt! Geht hin, wenn's Euch beliebt, zu ihrem Dienſte, zu den ſchmeichelnden ſchönen Katzen, mit denen ſie Helden zähmt, gewinnt; uns laßt als Männer ſteh'n beim ſelbſtgewählten Herrn!“
„So höhne zu und ſchimpfe das beſte Herz, das ſich mir erſchloſſen, ſtürze Deine Königin! doch harre meiner Rache!“
„O, edler Sforza, Deine Rache! Wie ehre ich dieſes Dein Wort, den Zeugen Deiner Ehre
und Biederkeit! Fürwahr, Du wäreſt würdig, unſer
rief Sforza grimmig,„und wehe dem, den dieſes
trifft! Wohin ich will, fragt Ihr? Zum Grafen
von Marche, und wer will mir, dem Geſandten Kopfbedeckung vom Haupte und warf ſie mit kräf⸗
unſerer erhabenen Königin, den Weg dazu ver⸗ treten?“
„Ich will's, Herr Großkonnetabel!“ entgegnete Cäſar ruhig.
„Und glaubt Ihr wohl, ich laſſe mir etwas Dein Haupt die ſchmählichſte Verachtung!“
von Jemanden ungeſtraft wehren?“
„Ich glaube es und darum wehr' ich Euch!
Wer ſoll zu unſerem Könige den Zutritt haben? Nur der, welcher ihm treu iſt, nicht aber ein ſol⸗ cher, der ohne Ehrfurcht ihm begegnet. Wer biſt
denn Du, daß Dir ſolch' ein hochfahrendes Weſen
König zu ſein mit Alopo, Deinem ehrenwerthen Schwäher, zur Seite“ Seiner nicht mehr mächtig riß Sforza ſeine
tiger Hand Cäſar zu Füßen. „Da liegt mein Aufruf zum Kampf auf Tod und Leben. Wohnt noch ein Funke von Ehre in
Deiner Bruſt, ſo nimm ihn auf, ſonſt falle auf
Mit wilden Blicken ſchritt Sforza durch das Gemach und riß ein Fenſter auf. Die kühle Abend⸗ luft ſtrich herein und wehte mit ſeinen wirr um das Haupt flatternden dunklen Haaren. Er lehnte ſich an's Fenſtergeſimſe und ſtierte drohend Cäſar an.


