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Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Sich verneigend verließen die Grafen das kö⸗ nigliche Gemach.
„O könnte ich ſie zertreten!“ rief Johanna; „merkſt Du nicht, wie jedes ihrer Worte einen Stachel in ſich birgt? Ihr wollt Sforza wieder an eurer Seite haben? Der Großkonnetabel Mu⸗ tius degli Attendoli Sforza iſt mein treu⸗ ergebener Diener! Pandolfello, verkünde ihm ſelber ſeine Freiheit, meine Huld! Ich will ſehen, ob ich mich über dieſe hartnäckigen Rebellen erhe— ben kann! Einen Gemal wollen ſie mir geben, daß er König ſei und ich gehorche! Geſchieht auch das erſte, ſo wollen wir doch das Gehorchen uns noch gründlich überlegen!“
Pandolfello verließ das Zimmer. Mit heiteren Blicken nahte Katharina der Königin, die ſie gütig umarmte.
„Mögeſt Du, gutes treues Kind, glücklich in Deiner Liebe werden und möge ſie mir wie Dir ein Stern des Glückes ſein!“
Mutius Sforza war mit dem Vorſchlage Alopo's, der ſo glänzend für einen Gefangenen war, gern zufrieden und ſo ſtand er bald da als der treueſte Anhänger der Königin. Die Würde eines Großkonnetabels von Neapel ſchmeichelte ſei⸗ nem ehrgeizigen Herzen und ſtellte ihn an die Spitze eines nun reichbeſoldeten Heeres, mit dem er gegen die aufſtändiſchen Barone und die mit ihnen ver⸗ bundene Stadt Aaquila handeln ſollte.
Wie Alopo es der Königin verſprochen, traf es ein. Ihre Macht war gehoben, die ihrer Feinde gebrochen.
Beim Herannahen von Sforza's Heer ergab ſich Aquila und die widerſpenſtigen Barone wurden zur Verſöhnung gezwungen, was um ſo leichter ge⸗ ſchah, als Johanna ſich endlich zur Wahl eines Gatten entſchloß und der Gewählte, Jakob von Bourbon, Graf von Marche, Allen willkom⸗ men war. So konnte man nun hoffen, daß ruhi⸗ gere Zeiten dem Lande erblühen würden.
Nur in Cäſar's Bruſt lebte der Groll gegen Sforza, durch den der Bund des Adels, der ihn doch als ſeine Stütze aufnehmen wollte, gelöſt war. Sforza ſtand an der Spitze der Verwaltung, wäh⸗ rend Cäſar's glühender Ehrgeiz nie befriedigt wurde, und es war daher das raſtloſe Beſtreben des letzern, einzelne gleichgeſinnte Adelige um ſich zu verſammeln und eine neue Oppoſition gegen die Königin und ihren Anhang zu bilden.
Nur ſchwer nach langem Drängen hatte ſich Johanna zur Vermälung entſchloſſen; ihre Seele war ganz furchterfüllt, daß ihr Gemal allen Ein⸗ fluß gewinnen, daß er die von ihr Begünſtigten verfolgen, ja ihre Freiheit ſelbſt einſchränken könnte.
ſtärkte, der trotz ſeiner nunmehrigen Stütze an ſei⸗ nem Schwager Sforza doch ſeine Stellung immer mehr wanken fühlte.
Im Juli 1415 langte Jakob in Venedig an und es war nun an der Königin, ihm eine Geſandtſchaft entgegen zu ſenden, die ihn begrüßen und nach Neapel leiten ſollte. Sie zauderte und dieſen Umſtand benützte der ſchlaue Cäſar, der mit ſeinen Verbündeten, ohne der Königin Auftrag
lund Wiſſen, dem künftigen Gemale Johanna's
entgegenritt, um ihm ſeine Dienſte zur Verfügung zu ſtellen und Aufſchlüſſe über den Hof von Neapel zu ertheilen.„
Groß war das Erſtaunen der Königin, als ſie Cäſar's eigenmächtige That erfuhr, und zu ſpät erkannte ſie, daß ſie ſelbſt Cäſar Gelegenheit zu ſeinem Beginnen gegeben habe. Selbſt ſich zür⸗ nend, ſuchte ſie Hilfe bei Sforza, den ſie eilig mit einem glänzenden Gefolge Jakob entgegenſandte.
Dieſer war zu Troja angelangt, wo ihn Ju⸗ lius Cäſar traf, als er eben aus der Stadt mit ſeinem franzöſiſchen Gefolge reiten wollte. Kaum erblickte ihn Cäſar, als er vom Pferde ſprang und grüßend ihm nahte.
„Erlauchter König, Eure Majeſtät ſei willkom⸗ men im Kreiſe Ihrer neuen, treuen Unterthanen!“
Freudig erſtaunt winkte ihm Jakob herab⸗ laſſend zu und die übrigen mit Cäſar gekomme⸗ nen Edelleute ſtimmten ein in den Ruf:
„Es lebe unſer König Jakobl!“
Auf dieſe Weiſe hatte Cäſar ſeinen Zweck erreicht, von ihm empfing Jakob, der nach Jo⸗ hanna's Willen blos Graf und General⸗Gouver⸗ neur heißen ſollte, zuerſt die Huldigung als König, und indem Cäſar ſo Jakob's geheimen heißem Wunſche zuvorkam, mußte er die Guͤnſt desſelben gewinnen. In freundlichem Geſpräche mit ihm ſetzte Jakob ſeine Reiſe fort und erſt vor Benevent erſchien Sforza.
War Cäſar kühn, nur ſich vertrauend, ohne allen Prunk vor dem Könige erſchienen, um ihm den höchſten Dienſt zu erweiſen und in ſeiner Gunſt die erſte Stelle einzunehmen, ſo war Sforza's Aufzug nur geeignet, Spott und ſtille Erbitterung in Jakob's Seele zu erzeugen. Prunkvoll nahte ſein Gefolge, welches das Jakob's in Schatten ſetzen und dieſen fühlen laſſen ſollte, welcher Ab⸗ ſtand zwiſchen ihm und der Königin ſei. Ein He⸗ rold ritt ihm voran mit ſeinem ſteten Rufe:„Es naht der Großkonnetabel der Königin Johanna!“
Jakob lächelte, als derſelbe auch vor ihm erſchien und ſeinen Spruch wiederholte. Er ließ ſei⸗ nen Zug halten, bis Sforza in ſeine Nähe kam. Dieſer ließ ſeinen düſtern Blick auf Cäſar haften, dann aber wandte er ſich gegen Jakob und auf dem Pferde ſich unbeholfen verbeugend, ſprach er:
„Erlauchter Graf, die Königin, Deine Gema⸗ lin, iſt freudenerfüllt wegen Deiner glücklichen An⸗
Dazu kam, daß Alopo ſie in dieſer Meinung be⸗ kunft und erwartet Dich mit ihrem treuen Volke


