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Ferd. Lauffer: Vater Pafnuzi. 213
kürlich heraus,„ich erkenne den Löwen an ſeiner
Klaue. Eine herrliche Faſtnachtſchnurre, die in
Deiner theuerſten Erinnerung leben wird. Vater Nuzi hat ſich furchtbar gerächt.“
Was half alles Demonſtriren und Erörtern meines, vom väterlichen Genie niedergedonnerten Freundes, er mußte für die, unſere Baarſumme überſteigenden fünf Gulden, dem höflich unerbittli⸗ chen Ganymed ſeinen Paletot in Verſatz laſſen.
Grüner verließ die Hallen der Freude mit einem Fluch. Des andern Morgens ſuchte er, mich mitziehend, voll ſchlimmer Vor⸗ ſätze ſeine„theure Flamme“ auf.
Das freund⸗
lichſte Zwinker⸗——mm fältlein am Auge, ob des köſtlich ge⸗ lungenen Strei⸗ ches, empfing uns. Vater Nuzi klopfte auf ſein ehrwürdiges Do⸗ ſenrad und reichte es mit dem fet⸗ teſten Ausdruck ſeiner Stimme entgegen:„Na! eine Priſe!“— „Wer war die gedungene Dir⸗ ne?!“ donnerte Grüner als Antwort ihm den Tabakhälter aus der Hand ſchla⸗ gend, zu,„der Nachtvogel, der beim Tanze mir und im Eßſaal meiner Börſe die Schwindſucht zugezogen?“ „Heute im Kaffeehauſe,“ent⸗ gegnete mit un⸗ verwüſtlichem Behagen Nuzi, indem er die ver⸗ ſtreute„Gottesgabe“ mit den Fingern zuſammen⸗ ſtrich,„wirſt Du die ſchöne Harfnerin ſingen hören:„Ach, wenn ich ein Vöglein wär', flög' ich zu ihm!“ und Du kannſt in duetto ihr antworten: „Ach, wenn Du wäreſt mein eigen!“ „Götterwonne! ſo hingebend wie heut war meine Emmeline noch nie!“ entfuhr es meinen Lippen und ich brach in ein erſchütterndes Gelächter aus, in welches der Gefoppte grimmig, mit er⸗ zwungenem„ha! ha! ha!“ wie ein höhnendes Echo einſtimmte. 4
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Als Grüner ſich auf die Zuſicherung, daß Nuzi den Paletot auslöſen wolle, etwas beruhigt, erhielten wir vollſtändigen Aufſchluß über Alles, was uns noch dunkel war. Vater Nuzi, davon in Kenntniß, daß Erſterer ſeiner Emmeline ge⸗ ſchrieben und auf der Poſt geweſen, hatte eine Stunde vor Abgang derſelben das Petſchaft des Schreibers aus der Schublade genommen und auf Vorweiſung desſelben und die Angabe: er habe noch etwas beizuſetzen, ohne Anſtand den Brief zurückerhalten. Ein Couvert, datirt von dem Gute
des Grafen, von einem früheren ☛☚„„„Briefe der Ge⸗ (. A 2 liebten, wurde als — Umſchlag um das 8 Schreiben der Pſeudo⸗Emme⸗ line benützt und dieß am andern Tag mit der Auf⸗ ſchrift„poste re- stante“ aufgege⸗ ben. Jeder der Schriftzüge in den wenigen Worten war von Nuzi's Künſtlerhand— Buchſtabe für Buchſtabe— den Jzierlichen Zeichen X der wahren Em⸗ meline ſo treu nachgemalt wor⸗ den, daß ſelbſt das Fräulein ſpäter von der Gleichheit betroffen ward und ohne Kennt⸗ niß des wahren Vorganges an eine Doppelgän⸗ gerin geglaubt haben würde. Er hatte näm⸗ lich, einen unbe⸗ wachten Augen⸗ blick nützend, aus Grüners Brieftaſche ein Ori⸗ ginalſtück ſich zu verſchaffen gewußt. Die Harfeni⸗ ſtin gab ſich um ein Billiges für die Rolle der Emmeline her. Sie war erſt angekommen in der Stadt und ihre auffallende Aehnlichkeit an Wuchs, Geſichtsbildung und namentlich in der Stimme mit der Erwählten ſeines Freundes, ſtellte ſie zur glücklichen Löfung dieſer Aufgabe als vor⸗ züglich befähigt dar; dieſe Aehnlichkeit war für Vater Nuzi am hellen Tag ſo frappirend, daß er die fahrende Künſtlerin mit dem Namen Jener begrüßte. Sie hatte ihm den Anſtoß zur Erfin⸗
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