Heft 
(1859) 5 05
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wehmüthig fort, als er ſah, wie ſauber ſein treuer Pekas ſich den Koth vom Leibe leckte.

Pfui! das können wir doch nicht machen, noch weniger den Schlamm bis zum Waſſer durch waten, um uns zu reinigen, und dann abermals in den Schlamm gerathen. Auch in die Stadt dür⸗ fen wir uns in dieſem Zuſtande, von wegen des Pöbels, nicht wagen; aber halt! zur Tante Ju⸗ ſtina, die in jenem freundlichen Dörfchen wohnt, wollen wir eilen, uns dort einer entſprechenden Douche bedienen, um wieder zu Menſchen zu werden.

Ein eminenter Einfall das, Herr Poſtmei⸗ ſter; doch wie wollen wir dahing es führt keine hohle Gaſſe nach Küßnacht? witzelte Emilius.

Bahl! auf dem Lande geht's durch dick und dünn; dort durch die Sträucher führt ein ziemlich einſamer Weg zu der Holden die freilich er⸗ ſchrecken wird ob den vermummten Geſtalten; allein ſie wird mich an meiner ihr wohlbekannten Stimme erkennen. O eilen wir, ſonſt wird mir die Schlamm ſchichte auf dem Leibe zu purem Eiſe!

Und ſie eilten, ſo gut als es die Umſtände erlaubten, dahin, während Pekas, mit der einzigen Jagdtrophäe im Maule, ihnend ſchnüffelnd nach⸗

folgte. Eine Neawren 3 a t.

Und ſie ſaßen im traulen Kreiſe Und lebten froh nach ihrer Weiſe

Bei Tantchen Juſtina war große Geſellſchaft.

In einem freundlich eingerichteten Nebenſtüb⸗ chen ſaßen um einen runden Eichentiſch, auf wel⸗ chem das ſchönſte Hausbackwerk, dampfende Kaffee ſchalen und duftende Liqueurflaſchen den Platz ſich ſtreitig machten, mehrere Frauen und einige Mäd⸗ chen. Tante Juſtina verſtand es, eine Geſellſchaft aufs Beſte zu bedienen. Und heute läßt ſie ſich die Bewirthung um ſo mehr angelegen ſein, denn ſie feiert heute ihren fümfzigſten Namenstag.

Doch nicht wundern dürfen wir uns, daß wir in einem ſchlichten Bauernhauſe dieſen Luxus tref fen. Frau Juſtina, dieſes kugelrunde, trotz der fünfzig Jahre immer noch nette Weibchen, ſtammt

150 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

aus einem vornehmern Geſchlechte, als es etwa die

große Scheuer und die anſtoßenden wachsthumbe⸗ fördernden zerſetzten Strohhaufen vermuthen ließen; der Poſtmeiſter aus der Stadt nennt ſie ſeine Tante, denn ſie iſt die leibliche Schweſter ſeines zu den Vätern gegangenen Vaters. Einer nicht ungewöhn⸗ lichen Romanenidee folgend, hatte ſie ſich vor mehr als drei Dezennien in einen blutjungen und bild⸗ hübſchen Poſtillon verliebt, und dieſer Poſtillon d'amour iſt nun der Dorfmann, dem Juſtinchen als Weib angehört.

Und wie glücklich ſie iſt! Doch der Mann iſt heute nicht anweſend; er hat ſich, wie es auf dem

Lande üblich, wenn Frauen ein ernſtes Wort mit einander zu reden haben, aus dem Staube gemacht, und ſomit finden wir die Damengeſelſſchaft ſich ſelbſt überlaſſeu.

Obenan breitet ſich die reſpektable und tonan⸗ gebende Frau Verwalterin nach allen Breitegraden, dagegen die neben ihr ſitzende ſüßthuende Meier⸗ hofspächterin nach Längengraden aus; weiter unten ſitzen zwei gewichtige Gevatterinnen, ein Stückchen Kuchen kauend und leiſe flüſternd. Die Jugend der Schule wurde auch vertreten durch die Alles wiſſen⸗ wollende Frau Schulmeiſterin, und die Frau Mül⸗ lerin, die ihr Mühlchen heute beſonders rührig klappern läßt, ſchüttet immer auf. Die Frau Orts⸗ vorſteherin ſitzt in beſcheidener Würde faſt am un⸗ terſten Plätzchen; dafür hat ſie an der Seite zwei Mädchen gleich zwei ſchwellenden Knoſpen am Stängel einer alten Roſe.

Sämmtliche Damen waren erſchienen, um Tante Juſtine ihreGlückwünſche und ſonſtigen freundſchaftlichen Verſicherungen darzubringen.

Auf Ihre Geſundheit, Frau Namenstag! rief Frau Verwalterin, ſich von ihrem Stuhle er⸗ hebend und ein gefülltes Roſogliogläschen hoch ſchwenkend.

Nun galt's Beſcheid thun. Alle Damen grif⸗ fen zu den Gläschen, und lächend und lichernd brachten ſie ihreLebehochs der Tante Juſtine dar, die wie ein Kreiſel herumtrippelte und unzäh⸗ ligeDanke ſchön austheilte.

Da öffnete ſich plötzlich die Thür, und eine ſonderbar betünchte Geſtalt ſchlüpfte herein, mit dem Rufe:Tantchen, Tantchen, liebes gutes Tantchen, weiblicher Samiel, hilf!

Die Geſellſchaft ſtäubte mit einem entſetzlichen Geſchrei auseinander und flüchtete ſich in alle Win⸗ kel, als ſie des unheimlichen Gaſtes anſichtig wurde.

Was ſoll dasehier! rief die Tante mit einer gut vernehmbaren Stimme,pack' Er ſich hinaus, Er Unverſchämter!

Aber Tantchen! ſo betaſte mich nur, ich bin es ja, Dein guter Neffe, dem Gott Neptun mit der Helfershelferin Diana ein Schlammbad ange⸗ deihen ließ. Schaffe nur ein paar Kleider her, denn draußen ſteht auch ein Freund, hilfsbedürftig gleich mir. Bringe uns zur Pumpe und gib uns dann durch einige Jacken Deines Alten der Menſchheit wieder!

Alle erkannten nun in dem ſchlammigen Manne den fröhlichen Poſtmeiſter und brachen in ein hell⸗ lautes Lachen aus, als Juſtina ihren nicht eben ſalonfähigen Neffen eiligſt hinausdrängte, worauf viel erzählt wurde von⸗Kobolden, Waſſernixen und ihren Streichen, von Hexenaund Geiſtern.

An letztere wären wir faſt auch verſucht zu gläuben, da jetzt Tante Juſtina mit zwei ſeltſa⸗ men Erſcheinungen wieder hereintritt, in denen wir kaum den Poſtmeiſter und ſeinen Freund E milius erkennen. Die Kleider des Landwirths waren für