F. W.: Folgen einer Entenjagd.
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Tritte einen kleinen aber ſchweren Oberkörper, auf
Die verhängnißvolle Entenjagd.
Und es war ein ſchöner Tag, Den der Jäger wünſchen mag.
Es iſt ein angenehmer Herbſtmorgen.
Im magiſchen Dämmerlichte ſchritten zwei Geſtalten— ein luſtiges Jägerlied ſingend, die weite Flur entlang; doch während die erſtere von ziemlicher Größe, ein langes, dem Wagbaume eines Ziehbrunnens ähnelndes Gewehr auf der Schulter tragend, mit langen Schritten die Welt durchmaß, balanzirte die andere ſchwerfällig mit watſchelndem
d 1 den noch dazu eine reichgepfropfte Jagdtaſche und eine immenſe Teichflinte äußerſt drückend einzuwir⸗ ken ſchienen.
Wenn wir jedoch die Geſtalten näher betrach⸗ ten, ſo erkennen wir wie vorauszuſehen in denſelben gewiſſe uns bekannte Perſonen, nämlich den Herrn Poſtmeiſter und Emilius, welche Beide mit dem erſten Hahnenrufe ſich aufgemacht haben, um der edlen Jagdluſt huldigend, auf ihrem gemeinſchaftlich gepachteten Territorio Dianens Laune zu verſuchen.
„Iſt das ein prachtvoller Morgen,“ ſprach Emilius, nachdem der Refrain des beendeten Liedchens in weiter Ferne verhallt war;„ich möchte die ganze Welt vor ſeligem Entzücken an meine Bruſt drücken!“
„Und ich hege den Wunſch, ſo ein halb Schock Enten erlegen und hierauf ein Stück Wildpret nebſt
einem Glaſe Madeira einnehmen zu können— ein Kapitalfrühſtück das!“ entgegnete lakoniſch der Poſt⸗ meiſter.
„Ha! Sie ſind von jeher mehr ein Gour⸗ mand, als ein Freund der Natur geweſen.“
„Na, na, Freundchen! Erſt den Magen ver⸗ ſorgt, dann ſieht ſich die Natur viel roſiger an, als unter ſonſtigen hungrigen Umſtänden.— Wo ſchweift aber unſer Pekas herum? Das Malefizvieh hat auch ſo ſeine eigene Ideen von der Natur.“
Nach einem puſtenden, dem dicken Backenpaare
befände.
entwichenen Lokomotivpfiffe ſprang ein ſtarker Vor⸗
ſtehhund aus dem nahen Geſtrüppe hervor.
Beide Freunde eilten plaudernd und ſcherzend
weiter. Emilius trieb fortwährend zu größerer Eile an, während der Poſtmeiſter keuchend und
ſchweißtriefend kaum weiter zu ſchreiten vermochte. Endlich erblickten ſie in einiger Entfernung
den glatten Spiegel eines Teiches, bei deſſen Sicht ſie vorſichtig Halt machten.
„Sehen Sie!“ rief kurz athmend der Poſtmei⸗ ſter,„dort— ſehen Sie nichts darauf wimmeln? Lauter Enten, Rohrhühner und Wildgänſe!“
Emilius ſah und lugte, aber ſein ſcharfes Auge konnte nichts erſpähen, was mit dem ge⸗ nannten Waſſerwilde eine Aehnlichkeit gehabt hätte, außer einem Paar Kibitze am Strande, die mit ihrem unangenehmen Rufe die Jäger begrüßten.
„Dorthin müſſen Sie ſchauen, dem Geröhricht entlang,“ ſprach ganz leiſe der Poſtmeiſter;„neh⸗ men Sie die Flinte zurecht, im Falle ſich jene Punkte— lauter Blaß⸗ und Tauchenten— in die Höhe erheben ſollten; dann d'rauf und d'ran!“
„Aber, Herr Poſtmeiſter,“ erwiederte Emi⸗ lius,„Sie täuſchen ſich, das ſind lauter Waſſer⸗ blumen und Schilf und kein Waſſervolk! Zum Beweiſe, daß es auf dieſem Teiche keine Enten gibt, werde ich jenem Kibitze das Lebenslicht aus⸗ blaſen;— Sie mögen nach dem andern Zeuge ſehen;“ und dieß geſagt, feuerte er auf einen der Kibitze, welcher glücklich getroffen von dem etwas erhöhten Strande auf den weichen Schlammgrund hinabfiel.
Der donnerähnliche Schuß machte den Poſt⸗ meiſter, der ein„Halt“ auf der Zunge hatte, ver⸗ ſtummen; allein als er ſah, daß auf dem Waſſer kein ſonſtiges Wild ſich regte, warf er ſeine Flinte weithin in's Gras und befahl mit verdrießlichem Tone dem auf dem Sprunge begriffenen Pekas, den erlegten Kibitz zu holen.
Pekas folgte und ſprang vom beſagten Strande mit einem kühnen Satze hinab, während die beiden Jagdfreunde näher hinzutraten, um das Spiel des Hundes zu betrachten. Doch Pekas hatte Mißge⸗ ſchick! Der Schlamm war weich und tiefgründig, und obzwar erſterer den Kibitz erſchnappt hatte, blieb er dennoch ſtecken; doch hier war es, wo der Poſtmeiſter den Entſchloſſenen ſpielte, ſeinen Lieb⸗ ling, der in ſo großer Gefahr klebte, zu retten.
Mit einer Reſignation, die einer größern Sache werth war, näherte er ſich raſch dem Ufer, um hinab in den tiefen Schlund zu ſpringen; allein kaum hatte er den etwas wandelbaren Rand betreten, als auch gleich darauf ein dumpfer Schall dem erſchrockenen Emilius verkündete, in welcher Gefahr ſich ſein aufopferungsvoller Jagdgenoſſe
Doch auch Emil bewies ſeinen menſchen⸗ und thierfreundlichen Charakter, und nachdem er mit einem kurzen Blicke ſeine langen Leibträger— ſo wie die Tiefe des ſchlammigen Elementes, das den braven Poſtmeiſter verſchlungen, bemuͤeſſen, ſprang auch er hinab zu den Seinen und brachte nicht ohne viel Mühe die Entſchwundenen aus dem Ab⸗ grunde an's Geſtade.
Da ſtanden ſie nun, ſtatt zwei ingeniöſen Jagdgeſellen einem Paar Mumien ähnlich, über und über inkruſtirt vom Schlamme.
Der Poſtmeiſter räuſperte ſich und während er mit beiden Händen die Urſache entfernte, die ihm das Augenlicht benahm, rief er gerührt:
„Lieber Freund! mein Sohn! mein Alles! empfangen Sie meinen herzlichſten Dank für die glückliche Rettung meines Daſeins vom Schlamm⸗ tode. Sie haben Anwartſchaft auf meinen gegen⸗ ſeitigen Dienſt.“
„Doch was ſollen wir jetzt beginnen,“ fuhr er


