W.: Folgen
4 den erſteren viel zu knapp und zu lang, für den letztern viel zu weit und zu kurz.
Emilius ſchnitt hocherröthend bei ſeinem Eintritte unzählige Komplimente, während der Poſt⸗ meiſter lächelnd ſich vor der Geſellſchaft verbengte und dann einen leeren Sitz an der Seite eines der beiden Mädchen okkupirte und ausrief:„Jetzt Tant chen ſchaffe was zum Eſſen her; mein Proviant hat von der Näſſe gelitten. Kommen Sie, Emi lius, ſetzen Sie ſich ſchon der ſymmetriſchen Tiſch ordnung wegen an die jenes freundlichen Mädchens;— die übrigen Damen ſollen ſogleich
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unſere Hochachtung empfangen; ſobald wir ſitzen, ſtehen wir Ihnen Red' und Antwort.“ Emilius leiſtete etwas verlegen Folge.
zwei Mittlerweile brachte Tante Juſtina ein paar Weinflaſchen und etwas kalte Küche herein, welchen Gegenſtänden bald eifrig von den beiden Hungern un den zugeſprochen wurde
ſtigen„Tantchen,“ ſprach der Poſtmeiſter, behaglich J kauend,„Tantchen, Du wäreſt verloren geweſen, tag!“ wenn Du, ſo wie ich, das Schlammbad verſucht le er⸗ hätteſt; ich ſelbſt wäre ſicher durch die Erde durch hoch nach Jenſeits gefahren, wenn mich nicht Emilius, mein Retter, den ich Dir hier vorzuſtellen die Ehre
giff habe, rechtzeitig bei den Beinen erfaßt hätte. 19 Tauſeud was ſoll denn der Kranz dort um jenes Zild? Potz Element! Tantchen! Emilius! Tant Pin— Dein Namenstag heilige Juſtina! Emilius, auf! Sie ſind von jeher ein geübter 1 Ge legenheitsdicht er deweſen, improviſiren Sie ge rden ſchwind ein Gedicht! O theures Tantchen!“ 4 nchen Em ilin s erhob ſich, und als er ſah, daß 10 Aller Blicke fragend auf ihm ruhten, räuſperte er
einige Be
ſich, und begann nach kurzem Bedenken Reime an einander zu fügen, die mit höchlicher wunderung aufgenommen, aber in ihrem beſten Fluſſe plötzlich durch die ſchrillen Töne eines ver ſtimmten Leierkaſtens unterbrochen wurden, welcher im Vorhauſe ein beſcheidenes Aſyl ſeiner Kunſt gefunden. Ein vielſtimmiges„Ah“ ertönte gleichzeitig von allen Lippen, als das betagte Orgelwerk auf alle vorhandenen Gehörsorgane ſeine durchdringende Wirkung äußerte.
„Hurrah! der pfeift aus dem F!“ rief der Poſtmeiſter, Gabel und Meſſer bei Seite legend. „Tantchen, eine einzige Tour, bitte!“
Und dieß geſagt, umſaßte er auch ſchon das liebe Tantchen und poſſirl lich bewegte ſich das runde Paar in dem ſchleppenden Gange eines Ländlers, zu welchem die poſtmeiſterlichen langen Rockſchöße den Tatt ſchlugen.
Beiſpiele ziehen. Alle Anweſenden wurden von der magiſchen Tanzluſt ergriffen. Nur die Diisvoſuhtemn tanzte nicht, dafür aber drehten ſich ihre beiden Töchterlein— meiſt von Emi⸗ lius' kunſtgewandter Hand geleitet, deſto eifriger. Schweißtriefend und ſchwer aufathmend warf
enſ tbet
Manne in hell⸗ icht eben
worauf iru und
einer Entenijagd.
Frau
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ſich endlich der Poſtmeiſter, ſeinen bis über die Ohren ragenden Flaußrock lüftend, auf ein breit gebettetes Sofa; allein die Ruhe, die er ſuchte, wurde ihm nicht lange zu Theil, denn raſch er faßte ihn eine anſehnliche Frau Gevatterin, und dahin ſauſten ſie— zwei eilenden Frachtwagen vergleichbar.
„Ach, laßt ab! bitte, laßt ab rief ängſtlich ſich geberdend der werde ſonſt krank, und— die Thür!“
„Ach gut, Herr Poſtmeiſter!“ begutachtete die Frau Verwalterin, die eben auch zu einer Tour ſich anſchickte;„da⸗ Sie der Kirmeß erwähnt haben, ſo folgt an beide Herren die freundliche Einladung, nach Ihrer Wahl dieſer bei uns beizuwohnen, no tabene mit dem Beding, daß Sie zum Schluſſe derſelben auch ein Tänzchen mitzumachen uns ver ſprechen, als Regreß des verkürzten heutigen Un verhofft.
„Danke verbindlichſt, meine Gnädige,“ antwor tete ſüßlich der Poſtmeiſter;„ich werde nicht er⸗ mangeln, der gütigen Einladung Folge zu leiſten,
Gevatterin!“ Poſtmeiſter,„ich Kirms iſt vor der
und geſtehe unverholen, daß ich mich ſchon im
Voraus auf ein Tänzchen freue“. Dabei ließ er 4919—
feine Augen in der Stube herumſchweifen, bis ihr
Blick auf das ſchöne Profil eines der Mädchen fiel und daſelbſt Halt macht.
„Gegeſſen wird bei mir, Ihr lockern Schlem und tanzen könnt Ihr, wo es Euch beliebt
mer, Frau Verwalterin?“ ſprach Tante
nicht wahr, Juſtina.
„Gewiß, Juſtinchen“ entgegnete Frau Ver walterin, ſo viel wie möglich herablaſſend:„doch ſehen Sie nur,“ fuhr ſie leiſer fort,„wie der Herr Emilius mit, Annchen ſchön thut; man ſieht es auch dem Mädchen an, daß er ihr nicht gleich giltig iſt! Und Herr Peter aber Juſtin⸗ chen, gucken Sie nur von der Seite hin— wie er mit der Babette liebäugelt; das wäre ein Pärchen!“
Als nach einiger Zeit die Geſellſchaft lachend und fröhlich auseinander ging, fanden die beiden Jagdfreunde, daß Tante Juſtina umfaßende Vor
ſorge für die Rückreiſe getroffen hatte.
Ein maſſiver, aus einem früheren Säkulum ſtammender Rumpelkaſten, mit zwei ſchwerbeinigen
Ackergaulen beſpannt, fuhr vor, und nahm die
Ermüdeten in ſeinen weichen Schooß. Nachdem die letzten Abſchiedsgrüße verhallt waren, lehnten ſich
der Poſtmeiſter und Emil ius ſchweigend jeder in
eine Ecke zurück und überließen ſich daſelbſt ihren Gedanken. In dieſem außerordentlichen Zuſtande, Zunggeſellen ſein Bedeuk liches hat, erreich⸗
der bei teen ſie glücklich die Stadt, das Ziel ihrer Fahrt. 3 Schluß folgt.)


