Heft 
(1859) 5 05
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116 Erinnerungen. lluſtrirte

ein unendliches Weſen, und, um die Begierden zu zügeln, als ein ſtrenger Beſtraſer der Sünde; erſt wenn das Chriſtenthum in die Seele einzieht, er⸗ ſcheint der Höchſte als jenes unend liche Weſen, wel⸗ ches mit ſeiner all lmächtigen Liebe das All durch weht; man liebt das Gute ſeiner ſelbſt willen, nicht aus Furcht vor der poſitiven Strafe, nicht aus Verlangen nach poſitiven Belohnungen.

Direktor Froſt weiß in kurzer Zeit mit ſei ner guten Methode und tüchtigen Eizibnngigite die Halbmenſchen zu entwildern. Er faßt ſie bei der Sinnlichkeit. Den Anfang macht er mit dem Magen, der bei dieſen Menſchen eine große Wich⸗ tigkeit hat. Er erzählt ihnen vom Schweine, Wür ſten, gutem Eſſen u. ſ. w. So feſſelt er ſie, ſie werden aufmerkſam. Nun geht er auf andere, ihnen nahe liegende Verhältniſſe über, die er wo möglich in kleinen, leichtfaßlichen Erzählungen er klärt. Man denke nicht, daß die Zöglinge da⸗ bei unthätig ſind, ſie folgen nicht nur mit größ⸗ tem Intereſſe, ſondern werden auch häufig gefragt, mimiſche Darſtellungen hineingezogen, ſo daß die größte Lebhaftigkeit unter ihnen herrſcht. Rachdem er verſchiedene andere Denkübungen in

Beziehung auf Farben, Größe u. ſ. w. durchgemacht hat, geht er über zu dem Verhältniſſe zwiſchen Eltern und Kindern, weiter zum O rtsvorſteher, Grafen, endlich zum Kaiſer. Um ihnen die gerung der Perſön lichkeiten zu zeigen, bedient man ſich des Aeußern, der Kl leiderpracht, des Geldes, der phyſiſchen Kraft.

Der Uebergang zu Gott iſt jetzt nicht mehr ſchwer. Sie können ſich leicht einen Menſchen d enken, der ſelbſt über alle Kaiſer be fiehlt, gegen den auch dieſe ge ring ſind, dem auch dieſe ſchnell gehorchen müſſen, der ſehr, ſehr groß iſt, ungeheure Kraft hat, ſo viel wie unzählige Kaiſer, der im größten Glanze wohnt. Dieß Verhältniß zu dieſem ſinnlichen Gotte faſſen ſie auf; er will ſtrengen Gehorſam, die ſtreng⸗ ſten Strafeß treffen den, welcher fehlt, aber auch großer Lohn erwartet den, welcher gehorcht. Das Feſt des heiligen Nikolaus wird gewöhnlich benützt, um die Neulinge in dieſer ſinnlichen Religion zu befe feſtigen, die Eindrücke tiefer zu machen. Vormit⸗ T Das

in kleine

Stei

tags findet das Sittengericht ſtatt. ganze Lehrperſonal, ſämmtliche Schüler und auch viele ehſlar Taubſtumme ſind im großen Saale ver

ſammelt. Jeder Zögling tritt einzeln vor. Vor Al⸗ lem geben die Kinder ihr Urtheil ab, dann die Lehrer; wer etwas vorzutragen hat, erbittet ſich die Erlaubniß der Mittheilung. Zitternd und ge⸗ ſenkten Blickes tritt derje nige vor, dem das Gewiſ⸗ ſen Vorwürfe macht, freudig aber ſchweift das Auge deſſen, der ſich keines groben Fehlers bewußt iſt, über die Menge. Es ſpricht hier vffen eine ganze Geſellſchaft und dieſ r Ausſpruch der Verwerfung oder des Lobes dringt tief in die zarten Herzen.

Abends erſcheint im größten Pompe der Ni kolaus wirklich und beſchenkt die guten Kinder, die

Blätter für Ernſt und Humor.

böſen gehen leer aus oder erhalten wohl auch in Ausnahmsfällen noch eine beſondere Strafe. Man muß dieſes ſehen, um die Wirkſamkeit eines natür⸗ lichen Religionsunterrichts kennen zu lernen. Sie nahen mit Scheu, aber auch, wenn das Gewiſſen rein iſt, mit Liebe dem würdigen Greiſe Nikolaus, beantworten leichte Fragen, ſtreicheln den guten Mann und mit höchſter Wonne erhalten ſie dann aus ſeiner Hand das Geſchenk, beſtehend in Ae edfe n, Nüſſen, Pf efferkuchen u. dgl. Doch wenn der Di⸗ rektor auf die Frage des heiligen Nikolaus, ob das Kind brav war, es verneint, da jammert das Kind, das da fehlte, fällt auf die Kniee, verſpricht ſich zu beſſern. Die ältern Zöglinge, welche die Maskerade wohl verſtehen, wohnen mit größtem Ernſte bei, um das Wohl ihrer Inſtitutsgeſchwiſter zu fördern.

Auf dem hier angedeuteten Wege Kinder immer weiter geführt, ihre Religion wird immer vollkommener, bis ſie endlich zu einem Punkte gelangen, der ſehr erfreulich und ſehr wohl⸗ thätig iſt

Dieſe Reſultate nun kann die deutſche Me⸗ thode nicht erreichen, während die Vortheile, die ſie bietet, ſich l leicht mit der eben geſchilderten Art des Unterrichtes vereinigen laſſen, indem die Zög⸗ linge, ſobald ſie in ihrer Sprachkenntniß vorgerückt ſind, auch durch die Lautſprache die re eligiöſen Wahr. heiten aufnehmen können. Obwohl Direktor Froſt der Geberde früher ein größe eres Feld einräumte, hat er dieſelbe nun in die ge hörigen Grenzen gebracht und dadurch dem Inſtitute einen großen Vorſchub ge⸗ leiſtet.

Im Inſtitute gibt es mancherlei kleine Feſte, die dazu dienen, das Familienleben zu erhöhen. Von einem, wel ſches nicht letzte iſt, haben wir ſchon geſprochen. Jeden Faſching wird es auch dem Inſtitute durch Beiträge edler Menſchen ermög licht, einen kleinen Ball zu halten. Durch den Neu⸗ bau iſt die Anſtalt in den Beſitz eines hübſchen Saales gekommen, wir nannten ihn ſchon früher als Prüfungs⸗ und Arbeitsſaal, er wird in der lu⸗ ſtigen Zeit zum Tanzſaale und man kann dort am Abende dieſes Feſtes eine ſehr gewählte Geſellſchaft aus den beſten Häuſern Prags finden. Obwohl die Taubſtummen nicht den Klang der ermunternden Muſik hören, ſo haben ſie doch ein aufmerkſames Auge, das auf die Hörenden achtet, und ein gutes Gefühl, wodurch ſie die taktmäßigen Erſchütterun⸗ gen des Fußbodens wahrnehmen. Manche der Ar⸗ men tanzen mit einer Leichtigkeit, daß man ſie für Hörende halten könnte.

Jeden Sonntag ferner geben die Zöglinge kleine mimiſche Vorſtellungen. Witz und Laune ſind oft dabei nicht zu verkennen und ihre Leiſtungen ſtehen ſicher nicht ähnlichen nach, welche oft von herumziehenden, ſelbſt beſſeren Truppen dem Pu⸗ blikum vorgeführt werden.

Die Anweſenheit des hohen Kaiſerpaares hat

werden die

das