Heft 
(1859) 5 05
Seite
139
Einzelbild herunterladen

Sou⸗

tte zu⸗

forr ſei kein

ſie ſich

ſondern

T. N. Eſpe: Eine Skizze vom Geltſchberg.

die Frage des ſchwarzen Kaiſers,wie die Fürſten in Europa gegen Die handeln, welche ſich in Ver⸗ ſchwörungen gegen ſie einlaſſen. Einige laſſen die Verſchwörer vor Gericht ſtellen und verurtheilen, andere und dieſe gelten für die größten verzeihen und gewinnen die Schuldigen durch Gnade und Milde. Ein Kaiſer hat ſich durch eine ſolche That unſterblich gemacht.

Ein großer Kaiſer? fragte Soulouque, der ſehr aufmerkſam geworden war.

Ja, ein Kaiſer, der ſo groß war, daß ſein Jahrhundert nach ihm benannt worden iſt. Und er erzählte von der Verſchwörung Cinna's und V der Milde des Auguſtus. V

Soulouque ſtand einen Augenblick nach denklich da.

Das iſt groß! Das iſt ſchön! ſagte er end⸗ lich.Warum hat mir das noch Niemand erzählt? Das iſt ſchön und groß! wiederholte er noch⸗ mals.Aber jener Kaiſer hatte es auch nicht mit Mulatten zu thun. Ich war auch gutmüthig, ich war auch edelmüthig; ſie ſind ſchuld, daß ich es nicht mehr bin und nicht mehr ſein kann. Be⸗ gnadigte ich heute, ſo müßte ich morgen Hunderte erſchießen laſſen. Ein Exempel muß ſtatuirt werden. Da drinnen ſitz das Kriegsgericht ſchon. Es wird Sie und es wird Elliot verurtheilen und Sie wer⸗ den heute Abend erſchoſſen werden. Aber beruhigen Sie ſich; es ſollen keine Kugeln in den Gewehren ſein. Sorgen Sie nur dafür, daß Sie fallen, ſo⸗ bald die Soldaten Feuer geben, und bleiben Sie liegen, ohne ſich zu rühren, bis man ſie holt. Man wird Sie, ſobald es finſter geworden iſt, auf ein Schiff bringen, das Sie nach Jamaica fahren ſoll. Aber kommen Sie nicht zurück, nie, ſetzte der Kai⸗ ſer heftig hinzu;denn wenn Sie wiederkämen, würden die Gewehre mit Kugeln geladen werden. Sie haben mir erzählt, was ein Kaiſer that, der mild und gnädig ſein konnte, ohne ſich in Gefahr

zu bringen, und der wohl wußte, daß ſeine ſchöne

That in der ganzen Welt bekannt und gefeiert wer⸗ den würde. Wer iſt nun größer? Jener Kaiſer oder der, welcher ſeine Gutherzigkeit unterdrücken muß und doch begnadigt? Und ich bin nur ein armer Neger!

Aber ein ſtolzes Lächeln ſtrafte die Demuth Lügen, die in den letztern Worten lag, und man ſah es dem Kaiſer wohl an, daß er mit ſich zu⸗ frieden war. 3

Es geſchah ſo, wie der Kaiſer geſagt hatte. Das Kriegsgericht, das bereits verſammelt war, verurtheilte die Schuldigen ſehr geſchwind zum Tode. Die Sonne war bereits untergegangen, als man ſie zum Richtplatze führte. Die Nacht, welche in den tropiſchen Ländern faſt unmittelbar auf den Son⸗ nenuntergang folgt, hatte die wenigen Neugierigen

bald zerſtreut, die in einiger Entfernung der Exe⸗

kution zugeſehen. Eine Stunde ſpäter waren Elliot und Leo⸗

9 39

gan e, die, wie ihnen geheißen war, nach den Flin⸗ tenſchüſſen niedergefallen waren und ſtill gelegen hatten, am Bord des Schiffes und die Tochter

Elliot's fand ſich bald da bei ihnen ein.

Das war die Rache Soulouque's.

Von Jamaica begaben ſich die Verwieſenen nach New⸗York. Leogane verheiratete ſich da mit der Geliebten und er ſteht nun, zugleich mit ſeinem Schwiegervater, an der Spitze eines großen Mahagoni⸗Handelsgeſchäftes.

(Aus der Fremde.)

Eine Skizze vom Geltſchberg.

Von T. R. Eſpe.

((Denn du, lieber Leſer oder liebe Leſerin, 3) einigermaßen vertraut biſt mit Stadt und 6 Dorf, Berg und Thal von Böhmen, ſo mußt du auch den herrlichen Geltſch bei 8. Leitmeritz kennen. Man ſieht ihn weit herum im Kreiſe und in der Nachbar⸗ ſchaft; auch der Prager kann ihn bei heiterer Atmo⸗ ſphäre vom Laurenziberg oder der Marienſchanze, dem altberühmten Rip(Georgsberg) zur Seite am Rande des nördlichen Horizontes mit unbewaffnetem Auge und ſtillem Vergnügen beſchauen. Vom Süden aus beſehen ſitzt er wie ein Sattel auf dem Lande, woher ſein böhmiſcher Name Sedlo ſtammt, oder, was meinem Sinne immer näher lag und dem ſtattlichen Berge mehr Ehre macht, wie ein lagern⸗ der Löwe, die ſchweren Tatzen vorn übereinander gelegt, den Kopf mit der prächtigen Mähne in majeſtätiſcher Ruhe nur wenig emporgehoben; in ſeinen Umriſſen etwa ſo wie der Löwe, den unſre Prager Zeitung oben im Schilde hat.

Der Geltſch verdient den hohen Ehrenpoſten, den er einnimmt, mit vollem Rechte. Die 2154 Wiener Fuß ſeiner Höhe könnte auch ein anderer Berg haben, das iſt kein ſonderliches Verdienſt; eine ſo herrliche Ausſicht über das weite Land hat aber kaum ein anderer in der Nachbarſchaft; es iſt über allem Zweifel erhaben, daß der Geltſch in dieſer Hinſicht den vielgeprieſenen, vielbeſuchten Mille⸗ ſchauer hinter ſich läßt.*) Von drei ſchönen Fels⸗ gruppen gegen Sud, Weſt und Nord ſieht man in weiter Ausdehnung über dasParadies Böhmens hin, die ſchönbeſtellten Felder, die ſaubern Dörfer, die freundlichen Städte, die dunkeln Wälder, den im Süden bei Raudnitz hexüberglänzenden Elbe⸗ ſtrom, der im weiteren Laufe hinter den einzelnen

*) Wem es nicht vergönnt iſt, dem Geltſchberge ſeinen per⸗ ſönlichen Beſuch zu machen, der leſe wenigſtens die ſchöne Schilderung desſelben von Dr. Karl Hoſer in den Schriften der böhm. Geſellſchaft der Wiſſenſchaften. 182