Heft 
(1859) 4 04
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Feuilleton.

Prager Sprechſtübchen.

Es iſt einmal vor Jahren die Bemerkung gemacht worden, daß es in Prag kein Haus gäbe, in welchem ſich kein Klavier befände. Heutzutage kann man faſt be⸗ haupten, daß es wenige Häuſer gibt, in denen kein Muſik⸗Inſtitut anzutreffen iſt.

Seit die Götter Vater Prokſch den glücklichen Gedanken eingaben, ſeine Anſtalt zu gründen, die ſich in erſtaunlich kurzer Zeit der Gunſt des Publikums zu erfreuen hatte, haben ſich viele Nachahmer gefunden, die alle bemüht waren, die Prager Jugend in die Myſte⸗ rien der Kunſt einzuweihen.

In der guten alten Zeit, als Meiſter Prokſch die zarten Hände unſerer Jungfrauen über die Taſten glei⸗ ten ließ, war Niemand da, der mit ihm wetteiferte, er konnte ſeine Schülerinen und Schüler auswählen, er konnte den Machtſpruch thun:Nur der Talentirte darf dieſe heiligen Hallen betreten.

Dieſes Recht der Auswahl und überhaupt der Reiz der Neuheit trug viel dazu bei, um Prokſch's Inſtitut raſch berühmt zu machen.

Jiranek errichtete nach Jahren eine gleiche An⸗ ſtalt in größerer Ausdehnung; er hatte mehrere hundert Schüler und es war daher kein Wunder, wenn ſich der Wunſch, eine ähnliche Anſtalt zu errichten, bald bei Mehreren geltend machte.

Karl Hodytz, wenn ich nicht irre, ein Schüler Tomaſchek's, wählte die Kleinſeite als den Platz ſei⸗ ner Wirkſamkeit und machte ſich dadurch um die Klein⸗ ſeitnerinen ſehr verdient, die nun nicht mehr dreimal der Woche die Brücke paſſiren und ihren größten Fein⸗ den, der glühenden Sonnenhitze und der Strenge des Winters, Trotz bieten mußten; ſie brauchten nur drei Schritte zu machen, um Künſtlerinen zu werden.

Dem muſtkaliſchen Prag genügten drei Anſtalten nicht und es entſtanden noch die Inſtitute des Peter Maydl und Cöleſtin Müller.

Erinnerungen, 1859,

Maydl gibt ſo viele Soiréen, als es Sonntage in den Faſten gibt. Wenn dieſe Soiréen, die übrigens in allen unſeren Muſik⸗Inſtituten in der Mode ſind, den Zweck haben, die Schüler aufzumuntern, ihren Eifer zu ſtärken, ſo finden ſie gewiß alle Anerkennung, doch wäre im Intereſſe der Schüler ſelbſt zu wünſchen, daß dieſelben auf das geringſte Maß reduzirt würden, da⸗ mit man nicht mehr Zeit auf das Einſtudiren der Stücke zur Produktion, als auf die eigentliche Schule verwen⸗ den müßte.

Cöleſtin Müller, ſelbſt als Virtuos rühmlichſt bekannt, errichtete in neuerer Zeit ein nach großem Maßſtabe angelegtes Inſtitut. Das h. k. k. Handels⸗ Miniſterium hat ihm ein Privilegium auf die Erfin⸗ dung eines techniſchen Inſtrumentes zur leichteren Er⸗ lernung des Pianoforteſpieles ertheilt. Dieſe Erfindung beſteht in einem bis jetzt noch wenig bekannten beweg⸗ lichen Handleiter, welcher dem Schüler Vortheile bie⸗ tet, die bisher durch kein ähnliches Inſtrument erreicht werden konnten.

In unmittelbarer Verbindung mit letzterer Anſtalt und ebenfalls unter der Leitung C. Müller's ſteht das Inſtitut des humaniſtiſchen Muſik⸗Vereines.

Das Inſtitut Frömmter's, eines ſehr fleißigen Mannes, ſteht in gutem Rufe.

Von den in neueſter Zeit entſtandenen Inſtituten der Herren Schimak, Jelinek, Wiedemann und Höger müſſen wir erſt den Erfolg abwarten, um etwas mehr als ihr Beſtehen erwähnen zu können.

Ausſchließlich für Geſang exiſtiren die Anſtalten des ausgezeichneten Kapellmeiſters Franz Skraup, des Lehrers des k. k. Hofopernſängers Dr. Schmidt, Czaboun und der Frau Hametmagyer.

Außerdem unterrichtet man auch in den Inſtituten des Peter Maydl und Cöleſtin Müller im Ge⸗ ſange; in dem Inſtitute des Letzteren leitet der Opern⸗ ſänger Joſef Emminger die Geſangsabtheilung.

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