82 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Ritter Kuno.
Von Robert Zyr.
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Ditter Kuno war e
eine poetiſche Seele!— Eine poetiſche Seele! das will he
„Ja, aber er ſchläft!“ gab von ſeinem ſtolzen Privatdienerſockel herab Paul zur Antwort.
„Alſo ſagen Sie ihm, daß der Herr Rittmei⸗ ſter befohlen hat, der Herr Lieutenant wolle die
Eskadron zum Baden führen.“
„Warum waren ſchon
nicht gar! auch das Vormittag beide Pferde
noch? Jetzt
draußen—
heutzutage und da ſoll der Braun wohl gar zum zweiten nicht vi iel geſagt haben, heutzutage, wo Poeſie Male hinaus? und ich kann dann wieder putzen!“ und Seele ſo gänzlich unbrunihbare Dinge rief Paul indignirt. 4
2 Perden ſind,— heutzutage, wo Geiſt und„Die Eskadron iſt um fünf Uhr geſtellt!“
9 Seld allein als gangbare Werthe courſi⸗ bemerkte, ohne ſich an die paulaniſche Epiſtel zu ren.— Saelen heißen freilich alle Bewohner eines kehren, der Korporal vom Tage und verſchwand, Ortes, eines Staates, aber die Geldbeſitzenden allein um die Marketenderei zu viſitiren— es war ja ſind die Hauptbewohner, die gelten,— die andern heute ſo warm! Seelen wohnen nur ſo mit. Von Poeſie hat Es war ſchon halb fünf. Paul nahm alſo zwar jeder ſeinen eigenen Vorrath, wie die ſorg⸗ ein Paar Schuhe und die lederbeſetzten Inexpreſ⸗ ſame Hausfrau ſaure Gurken einlegt oder ſüße ſibles ſeines Herrn und ging in's künſtlich verdun⸗ Früchte einſiedet;— Geiſt aber gilt als ein ge⸗ kelte Cchl lafgemach, um der Herrn Lieutenant, der ſuchter Artikel, der nicht überall aufzutreiben iſt. ſich ſo ſehr angelegen ſein ließ ſeinem Dienſte
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Alſo Ritter Kuno war eine poetiſche Seele.
Wer aber war Ritter Kuno?———— „Die Eskadron iſt heute2
Tour zum Baden, glaube ich?“ „Ja, Herr Nittmeiſter. „Gehen Sie alſo, Wachtmeiſter, und melden. m Herrn Inſpektions⸗Offizier, er ſolle mit
u obliegen, aus ſeinen ſüßen Träumen zu wecken. Süß mußten ſie geweſen ſein, denn ein alter zer⸗ 8 ſener Roman war ſeiner Hand entfunken, anmu⸗ thig kräuſelten ſich die langen flachsblonden Haare um ſeine faltenloſe Stirne, unter den geſchloſſenen Augenlidern vermuthen wir ein Paar waſſerblauer . Augen und der ziemlich weit geöffnete Mund gibt de ſeinem Antlitze einen Ausdruck ſo naiver Glückſelig⸗
der Eskadron um fünf Uhr zum Baden gehen.“ keit, daß jeder, der ihn in dieſem Augenblicke geſe⸗ „Sehr wohl, H Herr Rittmeiſter.“ hen hätte, welche Wette immer eingegangen wäre, „Aviſiren Sie auch den Unterarzt.“ hinter dieſer Duodezſtirne könne unmöglich ein welt⸗ „Sehr wohl, Herr Rittmeiſter.“ bewegender oder ſtaatsgefährlicher Witz Platz finden. W. war bei alledem ein hübſcher junger Mann.
Marodeurs.“ 8 war von mittlerer Größe, gut gebaut, hatte
Nachmittag an der
„Und daß mir niemand unabgekühlt in's Waſ⸗ ſer ge eht t, ſonſt gibt's wieder eine Maſſe
„Sehr wohl, Herr Rittmeiſter.“ regelmäßige Züge, einen gut gepflegten Schnurr⸗
Der geſtrenge Herr Rittmeiſter verließ die bart, trug ſeinen üppigen Haarwuchs in einem Kanzlei, der„führende“ Wachtmeiſter aber ſetzte künſtlichen Walde von Locken und ſprach, wenn
ſeine Mütze auf, nahm ſeine Pfeife von der Wand, auch zu Zeiten etwas ungewöhnlich, im Ganzen den rothgeſtickte n Tabaksbeutel aus der Tiſchlade doch verſtändlich. Ein Wiener hätte ihn höchſtens und begann mit aller Gemüthlichkeit die Chemnitzer„geſchwollen“ gefunden. Bei einer gewiſſen Klaſſe zu ſtopfen, während der Schreiber dienſteifrgſt um von Damen wäre ihm eine Eroberung nicht zu den Korporal vom Tage lief. ſchwer geworden.
Der Korporal klopfte beſcheiden an die Thüre Er träumte alſo ſüß, als ihm ſein Paul und trat auf ein barſches„Herein!“ in's Zimmer, einige gerade nicht zu ſanfte Stöße gab, um ihn wo er, nachdem er die Hand an den Schirm ge⸗ zu wecken, welche Bemühungen auch durch ein rei⸗
legt, ſteif und kerzengerade die Befehle des ge⸗ ſtrengen Herrn Wachtmeiſters erwartete. „Melden Sie dem Herrn Lieutenant von W., daß er die Eskadron um fünf Uhr zum Baden führen ſoll.“ „Sehr wohl, „Iſt gut!“ Der Korporal vom Tage machte„Kehrt“ zur Thüre hinaus und ſchritt bch den langen finſtern Gang der Reiterkaſerne zu M. nach der Wohnung des Herrn Lieutenants von W. Er klopfte an die Thüre zum Zimmer des Dieners und wurde von dieſem gnädigſt eingelaſſen. „Iſt der Herr Lieutenant in ſeinem Zimmer?“
zendes Gähnen belohnt wurden, das W.'s Mund noch etwas mehr öffnete.
Paul ſtellte die Schuhe auf den Boden, legte die Unausſprechlichen über die Lehne eines Stuhles und ging die Fenſterläden zu öffnen. Als er dieß glücklich bewerkſtelligt hatte und die Sonne zum offenen Fenſter hereinbrannte, ging er wieder zum Bette, um ſeinen einſtweilen wieder eingeſchlafenen Herrn abermals ein Paar Stöße zu geben, die dießmal durch ein: err Lieutenant, aufſtehen!“ verſtärkt wurden.
W. brummte ohne die Augen zu öffnen:„Iſt gut!“ und ſchlummerte weiter.
Paul nahm die Flaſche und ging in den
Herr Wachtmeiſter.“
„H


