Heft 
(1859) 3 03
Seite
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dortige Schloß bis zu ſeinem Tode im J. 1550, wo es an ſeinen Sohn und Nachfolger, Herrn Johann von der Weitmühl, den letzten männ⸗ lichen Sproſſen dieſes Stammes überging. Dieſer bewohnte es bis 1560, wo er es verkaufte; der neue Herr, Erzherzog Ferdinand, ließ es durch⸗ aus repariren und wohnte durch drei Jahre hier. Er verkaufte es an den Herrn Boh uslaus Felix von Lobkowitz und Haſſenſtein, der es bis zu ſeinem Tode 1583 beſaß und es ſeinem Sohne Bohuslaus Joachim von Lobkowitz und Haſſenſtein hinterließ, der es 1589 ſeinem Oheim Georg Popel dem ältern von Lobko⸗ witz(nicht Haſſenſteiner Linie) gegen Jungbunzlau

Das Rathhaus in Komotau.

Das Rathhaus in Komotau. 81

Stadt abbrannte, zu Grunde. Der erſte Hauptbrand war 1418, der zweite 1525, wo noch 70 Bücher der berühmten Bohuslaus Lobkowitz⸗Haſ⸗ ſenſtein'ſchen Bibliothek, die Dr. Martin Lu⸗ ther für ſeine Zwecke aus derſelben, die ſich auf dem Schloſſe Haſſenſtein befand, borgte, mit ver⸗ brannten. Obwohl Komotau damals nicht der Lobkowitz⸗Haſſenſteinſſhen Familie gehörte, ſo mußten ſie doch hierher geſchafft werden, weil ſonſt keine Straße nach Haſſenſtein ging. Nach die⸗ ſem Brande ſtand das Gebäude längere Zeit wüſt und wurde, nachdem ſich die Stadt vom Kaiſer Rudolf II. 1605 freikaufte, um ein Stockwerk

abgetragen und ſammt der Kirche hergeſtellt. Erſt

abtrat. Derſelbe ſtiftete hier ein Kollegium der im Jahre 1629 wurde das frühere Schloß zum

Jeſuiten und ein Seminär für 100 arme Studen⸗ ten von ſeinen Herrſchaften und übergab ihnen ſeine Schloßkapelle ſowie das Patronatsrecht von 39 Kirchen auf ſeinen Herrſchaften. Leider fiel der⸗ ſelbe beim Kaiſer Rudolf II. jedenfalls unſchul⸗ dig in Ungnade; alle ſeine Herrſchaften wurden konfiszirt und er 1606 in Ellbogen hingerichtet. Nach der Konfiskation wurden alle Schriften und Bücher desſelben auf zwei Wagen nach Prag ge⸗

ſchafft und dort wohl vernichtet oder unbeachtet Was ſich in Komotau noch an alten Büchern und Schriften befand, ging beim dritten und letzten Hauptbrande 1598, wo die ganze

liegen gelaſſen.

Erinnerungen, 1859.

Rathhaus eingerichtet und dort die erſte Sitzung abgehalten; im 30 jährigen Kriege war es öfter das Hauptquartier der ſchwediſchen Generale. Im Juli des J. 1687 brannte das Rathhaus nebſt der Frohnfeſte und der St. Katharina⸗Kirche ganz ab. Im Jahre 1790 wurde die Kirche entweiht und das Gebäude um 300 Gulden der Stadt verkauft, die es bis heute als Getreide⸗ und Spritzen⸗Depo⸗ ſitorium benützt. Erſt in neuerer Zeit, etwa vor 12 bis 15 Jahren, wurde im Rathhauſe ſelbſt ein neues Stiegenhaus und ein Thor gebaut.

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