Heft 
(1859) 3 03
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96 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

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Jubel nach dieſem Erkennen ſofort ein Ende nahm, wer will daran zweifeln? Mit hängendem Kopfe ſchlich der Muſenſohn davon und der Herr Papa kündigte dem Herrn Sohne an, daß derartige hiſtoriſche und heroiſche Studien nicht nach ſeinem Geſchmack ſeien und der Brodkorb ihm daher etwas höher gehängt werden würde.

In dem alten Hotel Lambert, wo der Polen⸗ fürſt Adam Gartoryski ſeinen Hof hält, verauſtaltet die Fürſtin Anna Gzartoryska, eine geborene Prinzeſſin Sa⸗ pieha, alljährlich einen ſogenannten Bazar, deſſen Er⸗ trägniſſe den hilfsbedürftigen Mitgliedern der Polniſchen Emigration zu gute kommen. Da ſitzen die Polniſchen Damen und verkaufen allerlei mehr oder minder koſt⸗ bare elegante Kleinigkeiten für hohe Preiſe, wie das in ähnlicher Weiſe wohl auch anderwärts geſchieht. In dieſem Jahre ſollen namentlich die vornehmen Ruſſen große Summen bei dieſem Bazar im Hotel Lambert aufgewendet haben, um ihre Verſöhnung mik dem Po⸗ lenvolk zu beweiſen. Vielleicht erinnert man ſich auch noch, daß ein reicher Herr im vorigen Jahre halb ſcher⸗ zend äußerte, er werde für eine Locke der Verkäuferin gern 10,000 Francs zahlen, und doch einigermaßen überraſcht war, als die ſchöne Verkäuferin ſofort ſich die gewünſchte Locke abſchnitt, ſie dem Kavalier über⸗ reichte und dafür die große Summe für die armen Landsleute in Empfang nahm. In dieſem Jahre nun hat ſich ein Ereigniß zugetragen, welches alle Geſchich⸗ ten der Art in Schatten ſtellt. Seit etwa drei Jahren liebte ein unermeßlich reicher Mann ein junges Fräu⸗ lein von edler Familie, das aber ſehr arm war; ver⸗ gebens wurde ihr von ihrer Familie aufs lebhafteſte zu⸗ geredet, die Hand dieſes Millionärs anzunehmen.Ich verkaufe meine Jugend nicht, antwortete die junge

Dame feſt,es iſt kein Segen dabei; wenn ich reich

wäre, ſo würde ich nicht anſtehen, ſeine Beſtändigkeit durch meine Hand zu belohnen; wenn er arm wäre, würde ich vielleicht nicht weiſe genug ſein, ihm meine Hand zu verweigern, und meine Armuth mit der ſei⸗ nigen zu verknüpfen; aber ich verkaufe meine Jugend nicht. Dieſes Fränlein kam vor einigen Tagen von dem Bazar im Hotel Lambert und erklärte nun ihrer Mutter, ſie ſei bereit, die Wünſche ihres reichen Ver⸗ ehrers zu erhören, und demſelben ihre Hand zu rei⸗ chen, wenn ſich derſelbe entſchließe, dieſe Hand mit 100,000 Frks. zu bezahlen, d. h. die Summe den Ar⸗ men geben. Dann würden ſich, ſagte das Fräulein, ſo viele kleine Händchen, ſo viele zitternde Hände alter und ſchwacher Männer und Frauen ihren Bund ſeg⸗ nend gen Himmel heben, daß dieſer glücklich werden müſſe. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß dieſe Summe noch am ſelben Tage gezahlt wurde; die Hochzeit findet in dieſen Tagen ſtatt.

Zur Geſchichte des Fürſten Miloſch erzählt der Wdr. folgende Anekdote: Es mochte im Jahr 1840 oder 1841 geweſen ſein, als Herr v. N. aufgefordert wurde, ſich um die erledigte Sekretärſtelle beim Für⸗ ſten Miloſch zu bewerben. In Kragujewatz angelangt, ward er ſehr freundlich vom Fürſten empfangen. Da derſelbe jedoch mannigfache dringliche Geſchäfte zu er⸗ ledigen hatte, erſuchte er Herrn v. N., ſich eine Stunde lang im Garten zu amüſiren, worauf er mit Muße die nöthigen Einleitungen dc. mit ihm beſprechen werde. Sie ſind ſo gut wie aufgenommen, mit dieſen Wor⸗ ten verabſchiedete er Herrn v. N., der ſich auch ſofort mit einem ihm als Ciderone beigegebenen Hofbedienten nach dem ſogenannten Park begab. Kaum hatte Herr v. N. den Garten betreten, als er auf einer Eiche einen Gehenkten erblickte, in deſſen nächſter Umgebung eine

förmliche Zuſammenkunft von allerhand befiedertem Raubgeſindel ſtattfand. Herr v. N., der eben nicht ſehr ſtarke Nerven hatte, prallte entſetzt zurück und frug mit bebender Stimme ſeinen Begleiter, was dieß zu bedeu⸗ ten habe.Das iſt der frühere Sekretär des Fürſten, entgegnete dieſer ganz gleichgiltig. Herr v. N. war in ſeinem Leben kein Freund ſchneller Kommotionen, allein dieß Mal hätte er wohl mit dem geübteſten Schnell⸗ läufer ſicherlich wetteifern können. Seinen Ehrgeiz hatte er im Garten zurückgelaſſen.

Rechnungs⸗Aufgabe

aus einem drei Jahrhunderte alten Rechenbuche.

Ein Tochter fraget jr Mutter, zu jr ſprechende: Hertzallerliebſte Mutter, ich hab ainen ſchönen Geſellen underhanden, den wöllt ich gern zur Ehe haben, wenn ich nur nicht zu jung wäre; derhalben bitt ich Dich, ſo Dir mein Alter noch wiſſend wäre, mir ſolches anzuſa⸗ gen. Antwortet die Mutter: Liebe Tochter, ſo Du ver⸗ mayneſt, daß er für Dich ſey, ſo wirds das Alter nicht mehr hindern; denn ſo Du ¼, und ⁄16 Deiner Jar mit einander multiplizireſt, ſo biſt Du grad 64 Jar alt. Nun frag ich, wie die Tochter geweſen ſey?

Auflöſung der Preis⸗Rebus im I. Hefte derErinnerungen: 1. Einem vollen Mann' ſoll ein Wagen aus⸗ weichen. 2. Aus dem Regen in die Traufe.

Auflöſung der Charaden:

1. Meiineid. 2. Rathhaus.

Verantwortlicher Redakteur: W. Ernſt. Papier und Druck des art.⸗typ. Inſtituts von Carl Bellmann in Prag.

Ausgegeben am 15. Jänner 1859.

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