Heft 
(1859) 3 03
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Feuilleton. 95

länger dauern würde, wenn uns nicht Chriſti Blut es ausgelöſchet hätte. Man meynete immer, daß der Ca⸗ ſtellan inſoweit Pardon bekommen und der Kniffe frey bleiben würde, allein die Hoffnung ſchlug fehl; denn ohngeachtet wir unſre Straße fortgingen und uns ſo wenig in die Höhe als zur Seyten umbſehen wollten, ſo merkte mans doch an ſehr vielen Umſtänden, daß hinter uns was vorginge. Und da ich mich umbſahe, ſtieg ein blauer ſtarker Dampff in die Höhe vor der Haußvoygtey, und der Kniff gab, weil ein ſtarker feſter Körper ihn litte, ein hörbahres fürchterliches Geziſche. Mit was für Empfindung und äußerlicher Schmerzbe⸗ zeugung der Mann die erſte Feuer⸗Probe ausgeſtanden, haben wir ſelbſt nicht ſehen können. Die Menſchen aber, die jenſeits des Waſſers aus den Fenſtern und aufge⸗ nommenen Dächern ſahen, ſchlugen an ihre Bruſt und bezeugten damit, daß ihnen noch daſelbſt was Menſch⸗ liches ſäße. Vor der Schatzkammer ſtand der Schlöſſer von ſelbſt ſtille, wies mit traurigen Gebärden auf die⸗ ſelbe, ſagend: das iſt der unglückliche Ort, davon ich mir den Tod hole. Vor der Schatzkammer empfing der Caſtellan auch den andern Kniff und ſoll dabei geſagt haben: Gott ſeegne den König, ſein Haus und ſein ganzes Land! Uufern am ſpandauer Thore empfing er den dritten Kniff unterwärts am Arme, in deſſen Ver⸗ ſetzung der beorderte Scherge unvorſichtig zu nahe an die Bruſt griff. Darüber ſoll der Delinquent kläglich haben thun wollen, ſei aber durch zureden der Herrn Prediger wieder in Andacht gebracht worden. Wir ka⸗ men vor das Hochgericht und daſelbſt in einen gemach⸗ ten Kreyß, da ein Major von der Infanterie das Com⸗ mando hatte. Wir funden hier nicht allein an der Erden die eingepflockte Pfähle, ſondern auch den königlichen Hof⸗ und Criminal⸗Raht Herrn Gerbert, der das Ürtheil vorlas. Unſer Schlöſſer blieb dabei unverändert, bätete und empfahl ſich Gott, ließ ſich entkleiden und ſetzte ſich ſelbſt zur Erden, daraus wir ſattſam ſchließen konn⸗ ten, weil auf unſere Fragen keine fernere Antwort er⸗ folgte, ſeine Seele wäre tieff in Gott eingekehret, daß ſie alles Deſſen, was noch äußerlich dem Leibe begeg⸗ nen ſollte, vergeſſen. Die Schergen legten ihm einen etwas langen Strang dreifach umb den Halß, zogen ein wenig doch auf ihre Art denſelben zu, daß ſie ihn daran auf beiden Seiten feſte hielten, wenn die Rad⸗Stöſſe erfolgten, und er that ſich unter ihre Hände, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführet und ab⸗ gethan werden ſollte. Wir hatten dem armen Sünder verſprechen müſſen, uns ſeiner Banden nicht zu ſchämen, ſondern bei ihm zu bleiben, vielmehr, ſo es möglich wäre, ihm unter ſeinem Supplicio den ſüßen Namen Jeſu einzuſchreien, an den er ſich einzig und allein hal⸗ ten und durch ihn mit ſeinem unſterblichen Geiſte zu ſeinem verſöhneten Vater reiſen wollte. Solches haben wir ihm auch treulich gehalten, beugten uns zur Erden zwiſchen die Henkerſtricke zu ſeinem Haupte, ſprachen ihm ſonderlich zuletzt die tröſtliche Strophe zu aus dem bekannten Schlafliede, womit wir auch ſeine Seele unter den Händen Gottes zu Bette brachten:

Breit aus die Flügel Beide,

O Jeſu, meine Freude,

Und nimm die Küchlein ein.

Will Satan mich verſchlingen,

So laß die Englein ſingen,

Dies Kind ſoll unverletzet ſein. Kaum war dieſer Zuruff geſchehen, ſo war der Halß feſte und er empfing bald darauf durchs Rad ſeine Stöſſe, den erſten am rechten Fuß, den andern am lin⸗ ken Arm, den dritten am linken Fuß und den vierten am rechten Arm. Dieweil es doch einmahl alſo ſollte vom Leben zum Tode gehen, trugen wir billig Sorge und wünſchten, daß die Gebeine bald gebrochen würden. Der Scharfrichtergeſelle folgete unſer Jurede eilete nicht allein wacker mit den Schlägen, daß er damit endlich auch auf die Bruſt und Folgendes auf das Genick am

umgewandten Körper käme; ſondern es mochte ihm wohl auch der liebe Gott vor den ausgetheilten Stöſſen zuvorkommen ſein, der das Leben wahrſcheinlich, wie es mich bedünkete, ſchon weg hatte, maßen man nicht die geringſte Ungeberde verſpürete, noch den geringſten Laut hörete, nachdem er den Strick umb den Halß kriegte, außer daß das Herz nach erlittenem Radſpiel zweimul auf einander gar ein wenig ſich bewegte und nachge⸗ hends mit eins ſtille und alſo zur Leichen wurde. Wer war froher, als wir Prediger, daß der treue Gott uns bisher beigeſtanden und ſo eine ſchwere Laſt von unſe⸗ ren Seelen abgenommen hatte, da kein Wunder gewe⸗ ſen wäre, wenn uns eine Ohnmacht befallen und zu Boden geworfen hätte, denn gewiß jeder Schlag mit dem von Blei in der ausgebohrten Höhle gefüllten Rade dröhnete uns in das Innerſte unſeres Herzens, daß es uns durch Mark und Bein ging und das ganze Ge⸗ blüte echauffirte und ich auf der Stelle gedachte: Wenn Alle, die Solches ſehen und hören, fühlen möchten, was Du fühleſt, der Appetit zu frechen Frevelthaten würde ihnen vergehen.

Unterhaltendes.

Ein junger Student in Berlin kam in der letzten Neujahrsnacht aus einer Geſellſchaft, in der er durch die dargebotenen Genüſſe lebhaft erregt worden war, ſo daß er auf dem Wege nach Hauſe darüber nach⸗ dachte, in welcher Weiſe er ſich wohl ein recht eklatantes Vergnügen machen könne. Da fiel ihm ein, daß irgend ein ſiegreicher Feldherr der alten Welt von ſeinen Mit⸗ bürgern dadurch belohnt worden war, daß ihm ſtets ein Flötenſpieler voraugehen und ſeine Anweſenheit der Be⸗ völkerung durch ſein Spiel verkünden mußte, damit ſie ihn jubelnd und preiſend begrüßen könnte. Der junge Mann hatte nun zwar noch keine Siege erfochten, die für das Vaterland von Wichtigkeit geweſen wären, es iſt auch eine derartige Belohnung bei den Völkern der neuen Zeit niemals Mode geworden, Alles dieß genirte aber unſern jungen Zukunftshelden nicht, er beſchloß viel⸗ mehr, da er die Kraft zu großen Siegen in ſich ſpürte, ſich die Belohnung vorweg auf eigene Hand zu Theil werden zu laſſen. Aber wo einen Flötenſpieler Nachts um die zweite Stunde hernehmen? Schon am Tage würde ſich ein genügendes Individuum ſchwer gefunden haben und nun gar zur Nachtzeit! Doch horch! Schallt da nicht der Ton eines reizend geſtimmten Leierkaſtens durch die Straßen? Wahrlich, gelegener konnte nie ein luſtiger Student einem geldbedürftigen Drehorgelſpieler begeg⸗ nen. Der Erſtere verzichtet auf ſeinen Flötenſpieler oder beſſer geſagt, er begnügt ſich mit dem Leiermann; die⸗ ſer ſteckt den letzten Thaler des Studenten in die Ta⸗ ſche und geht nun vor ihm her unter weithintönendem Spiele, die ſieben neueſten Lieder mit möglichſt heiſerer Stimme abſingend. Der Student aber geht ſtolzen hüpfenden Schrittes hinterher und bald umjubelt ihn, wie den Sieger der alten Zeit, eine jubelnde, luſtig ſchreiende Menge, die in die Geſänge des Drehorglers einſtimmt und dadurch den luſtigen Studenten auch ver⸗ anlaßt, mit kräftiger Stimme das Spiel zu begleiten. So geht es eine Strecke weit und in ſeiner Freude ſieht der Student nichts, was um ihn vorgeht, ſo ſehr erfreut ihn Kaliſch's heiteres CoupletVom Alpenglühn, was den Berlinern gezeigt werden ſoll; er ſingt ſo eben luſtig und laut die Strophe:Und einen kleinen Tell, ſchaſſen wir ſchnell, da klopft ihm Jemand ziem⸗ lich nachdrücklich auf die Schulter. Entrüſtet, ſich geſtört zu ſehen, wendet der junge Mann ſich heftig um, aber es bleibt ihm ſofort der ſchon dreuendedumme Junge in der Kehle ſitzen, denn vor ihnt ſtehen ſeineHerrn Eltern, die auch auf dem Nachhauſegange aus einer Geſellſchaft begriffen ſind und dabei ihrem Sohne be⸗ gegnen, der ſich von dem Jubel der Straßenjugend und einem Drehorgelſpieler begleiten läßt. Daß der