gezogen, teubelebt m elsbogen erhebt,
rThron⸗ Europas elben ſo⸗ als auch rnen und eſten der hkam er ſeit 20 b. 1717 nit allem bemühte, ende Er⸗ Wirken son dem galt, um rnen. Er nubſtum⸗ ſeinem
lcher zu nals be⸗ Lehrer
der deutſchen Sprache ein junger Böhme, Namens Joſef Mai(zu Grabern im Leitmeritzer Kreiſe geboren). Die zu der Zeit ſehr gedrückte Lage Frank⸗ reichs verleidete ihm ſeinen Aufenthalt und rief das lebhafte Verlangen in ihm wach, wieder in ſein
Vaterland Oeſterreich ſich zu begeben. Die Auwe—
ſenheit ſeines Monarchen ſchien ihm eine günſtige
Gelegenheit zu bieten, ſeinen Wunſch zu verwirkli⸗
chen. Ohne Scheu begab er ſich zu ihm und bat ihn um eine Anſtellung. Der Kaiſer, welchem der
junge Mann geſiel, machte ihn mit ſeinem Plane, V in ſeinem Staate eine Taubſtummenanſtalt zu grün⸗ den, bekannt, und da Mai bereit war, ſich dieſem Unterrichte zuzuwenden, erhielt er die Weiſung, flei⸗ ßig das Inſtitut de l'Epée's zu beſuchen, um deſſen ausgezeichnete Lehrmethode zu erlernen. Der Monarch ſetzte ihn durch einen angemeſſenen Ge⸗ halt in die Lage, dieß ohne Sorgen thun zu kön⸗ nen und entließ ihn mit den Worten:„Ich werde
Ihnen noch einen Kollegen aus Wien herſenden; ich hoffe, Ihr beide werdet recht fleißig ſein. Es gilt hier einer höchſt unglücklichen Menſchenklaſſe, die leider zu lange unbeachtet geblieben i*ſt, zu hel⸗ fen. Welcher Triumph für den Lehrer, große und erhabene Ideen auch in dieſen von der Natur und den Menſchen ſo verwahrloſten Weſen wecken zu können!“
Als der Kaiſer in ſeine Hauptſtadt zurückge⸗
kommen war, ſchickte er auch noch den Weltprieſter
Friedrich Stork nach Paris, welcher mit Mai acht Monate die Schule de L' Epée's beſuchte.
Im J. 1779 errichtete dann Maria The⸗ reſia im Bürgerſpitale zu Wien eine Freiſchule für Taubſtumme, aus welcher ich im Laufe der Zeit die jetzige k. k. Taubſtummenanſtalt entwickelt hat.
Dieſes Inſtitut wurde die Mutteranſtalt des Prager Inſtitutes. Ueber das Entſtehen desſelben wollen wir hier im Auszuge dasjenige mittheilen, was„Groß“ in Wilfling's Schullehrer⸗Kalender vom J. 1790 darüber ſchreibt:
„Herr Karl Berger, ein würdiger Welt⸗ prieſter und ſchätzenswerther Kinderfreund, der die Seelſorge in Schönfeld, Platten und Seifen mit dem Schulunterrichte auf das Eifrigſte verband, hörte von der l' Epee'ſchen Lehrmethode. Da er ſich das Unglück der Taubſtummen recht lebbaft vorſtellte und den überſchwenglichen Nutzen erwog, den er derlei Unglücklichen durch Unterricht verſchaf⸗ fen könnte, reiſte er 1780 nach Wien und lernte dort auf eigene Koſten dieſe Methode. Er kam nach Böhmen zurück und unterrichtete vorerſt die Taubſtummen ſeiner Vaterſtadt.
Die ganze Gegend freute ſich des würdigen Mannes, der ſich ſeiner bedauernswürdigen ſprach⸗ und gehörloſen Mitmenſchen mehr als väterlich an⸗ nahm. Der Ruf davon drang bis in die Hauptſtadt.
Die edlen Einwohner derſelben, welche das Waiſenhaus fundirt hatten, trugen dem würdigen Prieſter die Leitung einer öffentlichen Taubſtum⸗
A. Wiechovsky: Die Taubſtummen. 77
menſchule an, die ſie zu errichten beſchloſſen hatten,
und Herr Berger folgte dieſer Einladung mit
Freuden. Er reſignirte auf ſein Beneficium und am 7. Dezember 1786 wurde das Inſtitut*) er⸗ öffnet, nachdem ſchon vorher der Obervorſteher desſelben, Herr Kaspar Hermann, d. h. r. R. Graf von Künigl die höchſte Genehmigung hier⸗ über ohne mindeſten Anſtand erhalten hatte. Berger reiſte im J. 1787 noch einmal nach Wien, um ſich aus der Taubſtummenmethode noch⸗ mals prüfen zu laſſen, und erhielt den belohnen⸗ den Beifall Sr. Majeſtät des Kaiſers ſowohl, wel⸗ cher ſelbſt dem feierlichen Akte beiwohnte und ihn prüfte, als auch der ganzen hohen Verſammlung.“ Jeder Taubſtumme, weſſen Standes und Ge⸗ ſchlechtes er auch immer ſein mochte, war zur Auf— nahme in das Inſtitut geeignet, wenn er ein für
den Unterricht empfängliches Alter(10 Jahre) er⸗
reicht hatte.
Es waren 10 Zöglinge darin; von dieſen genoßen 6 die milde Stiftung unentgeltlich und für 4 zahlten edle Gönner.
Die Stiftlinge wohnten in einem Hauſe bei⸗ ſammen und erhielten nicht nur nebſt dem Unter⸗ richte freies Quartier, Heizung und unentgeltliche Verköſtigung, ſondern wurden auch wohl gekleidet.
Für zahlende Zöglinge war der Betrag von 60 fl. beſtimmt, für die erſten Bedürfniſſe erlegte man 20 fl.
Der Grund der Lehrmethode war nach de -'Epee die Geberdenſprache.
Geberden und Mienen ſind die natürlichen Zeichen der Ideen, dieſe ſind im Geſichte, jene in den Handlungen und Stellungen des ganzen Leibes ſichtbar; ſie ſind der ſichtbare Ausdruck deſſen, was in der Seele vorgeht.
In der Sammlung aller Geberden beſteht die Geberdenſprache, worauf ſich die ganze Methode gründet.
Die Geberden der Taubſtummen, wodurch ſie ſich verſtändlich machen, ſind meiſtens von blos ſinn⸗ lichen Objekten genommen; ſie ſind zu mangelhaft; es liegt alſo ob, ſie zu verbeſſern.
Außer der vervollkommneten Geberde lernten die Taubſtummen auch unſere Sprache durch die de l'Epee'ſche Methode, um durch Wörter neue Begriffe und Kenntniſſe zu ſammeln, und zwar auf folgende Weiſe: Dem Kinde wurde für das ange⸗ ſchriebene Wort die Bedeutung und das aus der Natur hergenommene einfache Geberdenzeichen ge⸗ geben. Um die verſchiedenen Beziehungen der Wör⸗ ter zu einander anzuzeigen, welche wir Hörenden durch Endſilben, Vorſilben, Umlaute u. dgl. be⸗ zeichnen, gab es ganz beſondere mehr oder weniger willkürliche Geberden.
Man hatte zur Mittheilung die gewöhnliche
*) Im Salmſchen Hauſe auf der Reuſtadt Nr. 671, ge⸗
genüber dem Rathhauſe, im 1. Stog.


