Heft 
(1859) 3 03
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Julius Ebersberg: Lieutenant Franziska Scanagatta, Oeſterreichs Amazone. 73

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einem Fuße verwundet; ufähig, auf jenen ſteilen Felſen mehr herumſteigen zu können, vermochte dieſer Stabsoffizier nur noch ſeiner Truppe einen guten Aufſtellungspunkt zu bezeichnen, und nach⸗ dem er ſie denſelben beziehen geſehen hatte, mußte er ſich mit einem Theil ſeines Bataillons gefangen geben und ſich nach Genua bringen laſſen, wo er ſich der Abnahme ſeines Beines unterzog. Fähnrich Scanagatta, der nun unter den Befehlen des Haupmanns Luzier diente, eilte am

16. Dezember nach Pallazzuolo, wo er zu den

Truppen des Generals Grafen Klenau ſtieß, der ſich genöthig ſah aus Mangel an Munition die Riviera von Genua mit ſeinem Truppenkorps zu räumen. Scanagatta wurde die ehrenvolle Auf⸗ gabe zu Theil, mit einem kleinen Detachement die Stellung von Barba⸗gelata wieder einzunehmen und ſich daſelbſt ſo lange als nur immer möglich zu halten, um auf dieſe Weiſe den Rückzug der öſterreichiſchen Nachhut zu decken.

Sie traf hier mit einer Truppenabtheilung unter dem Befehle des Lieutenants Pavik zuſam⸗ men, mit welcher ſie die wenige, ihrem Befehle unterſtehende Mannſchaft vereinigte. Am 25. De⸗ zember erhielt unſer Fähnrich den Befehl, dieſe Stellung zu verlaſſen, um zu ſeinem Bataillon einzurücken, welches um dieſe Zeit von dem Vorpo⸗ ſtendienſte, den es ſchon ſeit einigen Monaten ver⸗ ſah, abgelöſt worden war. Sie traf dasſelbe, das nacheinander von den Hauptleuten Golub owich und Kliunowich befehligt worden war, in Cam⸗ piano und Caſtelbardi im Herzogthume Parma, von wo es gegen Ende Februar 1800 nach Li⸗ vorno in Garniſon geſchickt wurde.

Um dieſe Zeit wurde Franziska in Faſ⸗ ſungs⸗Anlegenheiten des Bataillons nach Venedig, Mantua und Malland geſandt, und ſie genoß die Freude, ihre Familie auf der Durchreiſe in Cre⸗ mona zu ſehen, indem ihr Vater Intendant dieſer Provinz war. Sie verweilte im Elternhauſe einen Tag und zwei Nächte. Ihre Mutter, welche die Schickſale ihrer Tochter nie aus dem Auge verlor, hatte des Morgens bemerkt, daß Franziska beim Ankleiden ihre Bruſt ſehr enge zuſammenſchnürte, und mit Schrecken gewahrt, daß dieſer fortwährende Druck der Tochter ſchon ſchwarzblaue Male und Flecken erzeugt hatte; ſie theilte ihre Beunruhigung darüber ihrem Gatten mit, indem ſie ihm vorſtellte, daß ihre Tochter in kurzer Zeit das Opfer einer Krankheit ſein würde, wenn man ſie nicht zwänge, endlich ihrer Verkleidung und dem Kriegsdienſte zu

ſeits wohl, das Geheimniß ſeiner Tochter zu ver⸗ ſem Augenblicke wurde Major Paulich ſchwer an

entſagen. Der Vater hatte ſeit dem erſten Au⸗

genblicke, als ihm die Nachricht zugekommen war,

daß ſeine Tochter ſich als Knabe in die Neuſtädter

Akademie eingeſchmuggelt habe, niemals aufgehört

ſie dringend zu bitten, dieſer Verläugnung ihres

Geſchlechtes zu entſagen; aber er hütete ſich anderer⸗ Erinnerungen. 1859.

öffentlichen, über deren Aufführung ihm fortwährend die befriedigendſten Nachrichten zugingen und von der er auch irgend eines unklugen, gewaltthätigen Schrittes ſich gewärtig halten konnte, wenn er ih⸗ rem Willen ernſtlichen Widerſtand entgegenſetzen würde. Er ſchwankte einige Zeit über die Wahl der Mittel, zu denen er greifen konnte, um das bangende Mutterherz ſeiner Gattin zu beruhigen und ſeine Tochter, ohne ſie zu erbittern, ihrem Geſchlechte zurückzugeben. Er machte einen neuen Verſuch, ſie zur freiwilligen Rückkehr in das Eltern⸗ haus zu beſtimmen, indem er allen Nachdruck, ab⸗ geſehen von den übrigen Gefahren, denen ſie aus⸗

geſetzt war, auf jene legte, welche die ſcharkblickenden Augen ihrer Mutter entdeckt hatten und ihr außer⸗ dem verſprach, ihr Elternhaus dadurch zu einem Paradieſe umzugeſtalten, daß ihre leiſeſten Wünſche gerne und ſchnell erfüllt werden ſollten.

Aber dieß alles war vergeblich; Franziska antwortete ihrem Vater ehrerbietig, daß ſie nicht er⸗ mangeln werde, auf das, was ihre Mutter an ihr bemerkt. hatte, ihre Aufmerkſamkeit zu richten, und daß ſie nicht einen Augenblick zögern wolle, in den Schooß ihrer, ihr immer über alles theuren Fa⸗ milie zu eilen, ſobald nur erſt Frieden geſchloſſen ſei, welcher Zeitpunkt außerdem auch nicht mehr ent⸗ fernt ſein könne; aber ſie bat ihren Vater zu überlegen, daß ſie das geringe Verdienſt, das ſie ſich etwa in ihrer Laufbahn erworben habe, einbü⸗ ßen würde, wenn ſie dieſelbe in dieſem Augenblicke verließe, und daß er ſich übrigens ihrethalben kein graues Haar wachſen laſſen dürfe, da ſie während des Laufes von vierthalb Jahren, immer nur auf ſich angewieſen, ſich in Mitten der Armee und un⸗ ter manchmal ſehr bedenklichen und kritiſchen Ver⸗ hältniſſen wackergehalten und ihre weibliche Würde in allen Stürmen eines ſo wechſelvollen Lebens ſtets unangefochten zu bewahren gewußt habe. Mit dieſen Worten verabſchiedete ſie ſich von ihren El⸗ tern und reiſte ab, um ſich des Reſtes ihrer Auf⸗ träge zu entledigen.

Nun beſchloß ihr Vater ſich nach Mailand zu begeben, und ſeine Verlegenheit ganz offen dem Grafen Cocaſtelli zu vertrauen, der Don Giu⸗ ſeppe ſehr gewogen war und in ſeiner Stellung als General⸗Kommiſſär des Kaiſers in der Lombardie und bei der italieniſchen Armee ihm in einer ſo zarten Angelegenheit ſehr nützlich ſein konnte. Auf den Rath des Graſen und durch deſſen Ver⸗ mittlung richtete Don Giuſeppe an den Höchſt⸗ befehlenden der öſterreichiſchen Armee, Generalen der Kavallerie Freiherrn v. Melas ein Bittſchrei⸗ ben, in welchem er ihm die Mittheilung, daß eine junge Kriegerin unter ſeinem Befehle ſtand, machte und ihn bat, derſelben einen ehrenvollen Abſchied zu gewähren.

Während der Vater dieſe Schritte ohne Vor⸗ wiſſen der Tochter that, hatte dieſe die ihr vom

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